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Stolperstein für Samuel Augenblick

Dietesheimer Straße 40
63073 Offenbach

Samuel Augenblick, geboren am 07. Mai 1885 in Tarnopol (damals K+K Österreich/Ungarn), war gelernter Tischler und kam im Jahre 1907 nach Offenbach. Am 31. Mai 1910 heiratete er die katholische Margaretha Lantz aus Bieber, die beiden bekamen 3 Kinder. Bereits 1907 wurde er ein engagiertes Mitglied der Offenbacher SPD. Zwei Jahre später, im Juni 1909 trat er aus der jüdischen Gemeinde aus und wurde freireligiös.

Nach Ende des 1. Weltkrieges beantragte er die Aufnahme (Einbürgerung) in den Hessischen Staatenbund die am 25. Februar 1919 vom Hessischen Kreisamt beurkundet wurde.

Die gesamte Familie war radfahrbegeistert und sehr bald Mitglied des SPD-nahen Arbeiter-Radfahrer-Bundes „Solidarität“, in dem Samuel Augenblick das Amt des Kassierers innehatte.

Am 30. September 1935 nach 15-jähriger Tätigkeit für die Verbrauchergenossenschaft Frankfurt (späterer Konsum-Genossenschaft) zuletzt als Leiter der Konsum-Filiale in Bürgel, wurde er wegen seiner „nicht arischen Abstammung“ entlassen.

In der Folgezeit versuchte er sich in Bieber mit einem Lebensmittelgeschäft selbstständig zu machen, auch hier wurde er wegen seiner politischen Zugehörigkeit von den lokalen Machthabern abgewiesen. Im Zuge der „November-Aktion“ wurde er 1938 das erste Mal für 5 Wochen im KZ Dachau aufgrund seiner politischen Ausrichtung und seiner religiösen Herkunft interniert. Seine Frau erreichte seine Freilassung aufgrund seiner Kriegsteilnahme im 1. Weltkrieg von 1915 bis 1918 für Österreich, wo er als Unteroffizier 1. Klasse kämpfte.

 Samuel Augenblick erkannte sofort die Situation und versuchte Anfang 1939, noch vor Beginn des 2. Weltkriegs, vergeblich unter anderem mit Hilfe von jüdischen Hilfsorganisationen mit seiner Familie zu emigrieren.

Am 01. Mai 1943 wurde er zuhause im Beisein seiner Familie von der Gestapo verhaftet und blieb bis Oktober 1943 im Zwangsarbeitslager in Heddernheim/ Frankfurt. Mitte Oktober 1943 wurde er in das KZ-Auschwitz überführt und befand sich dort bis zum Januar 1944.

Den letzten Brief an seine Frau schrieb er am 31.12.1943, mit der Bitte um Lebensmittel. Ende Februar 1944 erhielt seine Familie dann die Sterbeurkunde, laut derer Samuel Augenblick am 27. Januar 1944 um 7.00 Uhr im KZ-Auschwitz verstorben sei.

Gemäß des Hessischen Statistischen Landesamtes, war Samuel Augenblick 1941 der letzte Jude in Bieber. Aufgrund seiner politischen Haltung und Aktivität galt er als Widerstandskämpfer.

Patin des Stolpersteines für Samuel Augenblick ist seine Urenkelin Laura Augenblick
Verlegt am 25. Februar 2006

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