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Stolperstein für Theobald Sturm

Ludwigstraße 42
63067 Offenbach

Theobald Sturm wurde am 06. Juni 1905 in Mainz geboren. Der gelernte Kaufmann war in Büdingen verheiratet und hatte drei Söhne sowie eine Tochter. Seit 1928 war er Mitglied der SPD, Schriftführer im Ortsverein und Versammlungsredner in der Wetterau. Er arbeitete aktiv im Reichsbanner, später in der Eisernen Front. Der Bedrohung durch die Nazis wich er im Sommer 1933 nach Offenbach aus. Dort stieß er zur sozialdemokratischen Widerstandsgruppe um Hans Stoffers und Valentin Unkelbach.

Ab 1933 verbreiteten sie Zeitungen wie die Sozialistische Aktion, Der Funke, oder der Neue VORWÄRTS, die sie auch zu andere Gruppen weiterleiteten. Flugblätter wurden meist selbst produziert. Edel Gasch beschreibt in ihrem Buch „Langer Brief an meine Kinder“ wie sie heimlich in ihres Vaters Büro Stoffers Texte abtippte, die dann nachts in die Briefkästen der Offenbacher gesteckt wurden.

Sturm, Unkelbach und Wagner trafen sich häufig in Stoffers Wohnung um ihre Strategien gegen die Nazis zu diskutieren und ihre nächsten Aktionen vorzubereiten. Sie beschlossen, so heißt es in der Anklage vor dem Oberlandesgericht Darmstadt, „eine sozialistische Organisation zu schaffen, die den nationalsozialistischen Staat bekämpfen sollte“.

Kurz vor der Olympiade 1936 griff die Gestapo, die Stoffers Gruppe wohl schon längere Zeit beobachtete, zu und verhaftete die meisten Beteiligten. Sturm und Stoffers wurden gewarnt und konnten vor dem Zugriff der Polizei fliehen. Am 23. Mai 1936 wurde Theo Sturm in der Nähe der holländischen Grenze verhaftet. Vor dem OLG in Darmstadt wurde er des Hochverrats angeklagt. Ihm wurde, wie den Mitangeklagten vorgeworfen, den Zusammenhalt der verbotenen SPD versucht und illegales Material verteilt zu haben. Sturm wurde besonders vorgehalten, er habe auf Stoffers Weisung den Kontakt zu auswärtigen Gruppen aufrechterhalten. Das Urteil lautete auf vier Jahre Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte.

Es gehört zur bitteren Ironie der Geschichte, dass Nazigegner wie Theobald Sturm, der sich früh gegen die Naziherrschaft gestemmt hatte und dessen Gruppe immer vor diesem Krieg warnte, in diesem Krieg ihr Leben verloren. Theobald Sturm fiel am 17. Januar 1944.

Der Stolperstein wurde verlegt am 14. Februar 2009.