Lauschige Parks: Von der Innenstadt zum Main
Offenbach, den 22.06.2006, letzte Bearbeitung: 10.12.2009Der Fuß- und Radweg entlang des Mains gehört zu den schönsten Eindrücken, die Offenbach bietet. Nur fünf Gehminuten trennen die City von der Mainpromenade mit dem malerischen Blick auf das Fechenheimer Ufer.
Die Verbindung zwischen Stadt und Fluss soll künftig noch stärker betont werden. „Stadt-Park-Fluss“ heißt ein entsprechendes Konzept, das die Stadt Offenbach verfolgt. Es setzt besonders auf die angrenzenden Parks, die einen sanften Übergang zwischen lauter Geschäftswelt und lauschiger Flusslandschaft bilden.
Im Viertel zwischen Main und Berliner Straße, Kaiserstraße und Schlossstraße stehen sehenswerte historische Gebäude wie das Isenburger Schloss, heute Sitz der Hochschule für Gestaltung, das Büsing-Palais, den Bernardbau und die französisch-reformierte Kirche. Das so genannte Kulturkarree umschließt außerdem die wichtigsten Kultureinrichtungen wie das Haus der Stadtgeschichte, das Klingspor-Museum und die Stadtbibliothek. Zentraler Verbindungsweg zwischen der City und dem Main ist die Herrnstraße. Graf Johann Philipp legte sie 1691 als “neue Gass“ an. Im 18. Jahrhundert wurde sie von wohlhabenden Religionsflüchtlingen, den so genannten „Herren“, besiedelt. Erst 1892 führte man die Straße bis direkt an den Main. Heute ist sie Teil der Fußgängerzone mit originellen Geschäften und gastronomischen Betrieben.
Zwei Einwanderer-Familien schrieben Stadtgeschichte
Ebenfalls an der Herrnstraße liegen der Lili-Park, der Büsing-Park und der d´Orville-Park. Der d´Orville-Park zwischen Herrnstraße und Isenburger Schloss ist benannt nach einer der bedeutendsten Familien in der Offenbacher Geschichte. Die d´Orvilles kamen als hugenottische Glaubensflüchtlinge über Frankfurt am Main nach Offenbach. Johann Georg d´Orville wurde Mitinhaber jener Schnupftabak-Fabrik, die die aus Straßburg zugewanderten Brüder Bernard 1733 in Offenbach errichteten. Im so genannten Bernardbau sind heute das Haus der Stadtgeschichte mit Museum und Archiv sowie Teile der Stadtbibliothek untergebracht.
Nach seiner Sanierung erstrahlt seit 2006 der Metzlersche Badetempel in neuem Glanz. Das architektonische Kleinod ist eines der wenigen noch erhaltenen Gebäude, die ursprünglich direkt am Main lagen. Der Frankfurter Bankier Friedrich Metzler (1749 – 1825) richtete sich 1792 auf dem Gelände des heutigen Lili-Parks einen Sommersitz ein.
Einst Attraktion am Mainufer: das Marmorbad
Von dem französischen Architekten Salins de Montfort ließ er sich 1798 jenes prachtvolle Bade- und Gartenhaus bauen, das seinerzeit als „Marmorbad am Main“ bezeichnet wurde, und das der Volksmund heute „Lilitempel" nennt. Im Untergeschoss befand sich das Bad, im Obergeschoss ein luxuriös ausgestatteter Gesellschaftsraum. Mit dem Bau des Badetempels wurde der Sommersitz im Zeitgeschmack modernisiert. Im Umfeld des Tempels entstand ein englischer Landschaftsgarten „en miniature“. Der Fluss reichte damals bis an den Pavillon. Die Anlage verlor den direkten Zugang zum Fluss erst, als Ende des 19. Jahrhunderts der Hochwasserdamm gebaut und das Mainvorgelände aufgeschüttet wurde.
Heute werden der Tempel und sein moderner Anbau als Ausstellungshalle für Kunst genutzt.
Park und Nachbargrundstück befanden sich seit 1841 im Besitz der Fabrikantenfamilie Krafft, dessen Erben den Besitz, zu dem nun auch eine Reitanlage gehörte, bis 1916 hielten.
Die beiden Fabrikantenfamilien Bernard und d´Orville sind die Erbauer des Herrenhauses in der Offenbacher Herrnstraße. 1775 richteten sie dort ihre Wohnungen sowie Lager- und Fabrikationsräume für ihre expandierende Tabakfabrik ein. Es wurde das repräsentativste Anwesen der Stadt. Die heutige Bezeichnung „Büsing-Palais“ erhielt es indes erst 1921, als die Stadt das Gebäude zum Rathaus umfunktionierte. Im 19. Jahrhundert war es an einen d’Orvilleschen Nachkommen gefallen: Adolf Büsing ließ sich den bayerischen Freiherren-Titel verleihen und nannte sich fortan Freiherr Adolf v. Büsing-Orville. Von 1899 bis 1902 ließ das Herrenhaus von dem Architekten Wilhelm Manchot zu einem neobarocken Stadtpalais umbauen.
Denkmalgeschützter Monopteros wurde saniert
Der heutige Büsing-Park, der sich hinter dem Palais entlang der Berliner Straße bis zur Kaiserstraße erstreckt, gehörte schon von Anfang an zum Anwesen. Die Familien d´Orville und Bernard ließen ihn im Stil eines englischen Landschaftsgartens anlegen. Um 1790 entstand das ältere der beiden Staffage-Bauwerke, die die Stadt Offenbach 2004 mit finanzieller Unterstützung des Landesamtes für Denkmalpflege sanieren ließ. Es handelt sich dabei um einen Monopteros, einen offenen Rundtempel. Vermutlich diente er den musikbegeisterten Bauherren als Bühne für Musikdarbietungen. Im Inneren des Hügels gab es einen Kellerraum, um Stühle aufzubewahren.
Das zweite nun restaurierte Element, das Scheintor an der Grenze zur Kaiserstraße, datieren Historiker auf etwa 1900, also die Zeit des Umbaus zum Stadtpalais. Als Eingang war es wohl nie gedacht. Eher deuten die noch vorhandenen Stützen darauf hin, dass sich in der Nische einst eine Sitzbank befand, von der aus man geradewegs auf das Büsing-Palais blicken konnte.
Am Übergang vom Büsing-Park zum Lili-Park hat die Stadt 2005 den Sophie-von-Laroche-Platz angelegt. Von den beiden historischen Parks hebt sich der Ort durch eine strenge Linienführung ab. Der Name erinnert an die erste große deutsche Romanschrifstellerin, die 1807 in Offenbach starb.
Für öffentliche Lesungen eignet sich die Anlage ebenso wie für Konzerte und andere Veranstaltungen, denn neben Sitzgelegenheiten auf Mauer und Bänken bietet die großzügige Gestaltung ausreichend Platz für zusätzliche Stühle. Der Boden ist durch einen Wechsel aus Betonplatten und Rasenbändern befestigt. Daneben lädt eine wassergebundene Fläche zum Boulespiel ein. Vogelkirschen sollen in absehbarer Zeit einen lichten Baumhain bilden.
Den Maindamm leichter überwinden
In dem Karree zwischen Stadt und Fluss soll perspektivisch ein Parkrundweg entstehen, der auch den d´Orville-Park sowie den Platz vor dem Isenburger Schloss einbindet. Besonderes Augenmerk wollen die Planer auf die künftige Gestaltung des Bereichs Mainstraße/Maindamm legen. Gut begehbare Treppen und Rampen sollen die Barrierewirkung des Damms relativieren und ihn stattdessen zu einem Element des - im wahrsten Sinne des Wortes - Übergangs zwischen Stadt und Fluss werden lassen. Zudem sollen Fußgänger die viel befahrene Mainstraße künftig weniger belastend empfinden und sicherer überqueren können. Besondere Fantasie ist schließlich gefragt, wenn es darum geht, die Stadt zumindest symbolisch wieder enger an den Fluss zu binden. Die Planer denken unter anderem darüber nach, das Element Wasser in Form von Brunnen oder Wasserrinnen zur Geltung zu bringen.
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