Leitsystem informiert vom Main zum Wochenmarkt
Offenbach, den 18.03.2011, letzte Bearbeitung: 04.04.2011Der Saalbau, einst erste Adresse gewerkschaftlichen Lebens in Offenbach; „Der weiße Stern“, Offenbachs ältestes Gasthaus; ein Hugenottischer Notenverleger, der Offenbach zu Weltruhm verhalf; André Dubost, mit dessen gallischem Einfluss französische Lebensart rund um den Offenbacher Wilhelmsplatz einzog: Zwölf neue Anlagen informieren auf dem Weg vom Main bis zum Wochenmarkt über Offenbacher Geschichte und Geschichten.
Im Jahr 2008 wurde ein einheitliches Leitsystem für Sehenswürdigkeiten, Kultureinrichtungen, Sportstätten und besondere Ziele in Offenbach beschlossen. Bereits im Herbst 2009 wurden im Kulturkarree die ersten Hinweistafeln aufgestellt. Jetzt folgte der zweite Bauabschnitt. Oberbürgermeister Horst Schneider: „Die Texte sind für Besucher wie für Einheimische gleichermaßen anregend. Sie zeugen von vielfältigen kulturellen Facetten und Angebote der Stadt und dokumentieren den Wandel Offenbachs von der Residenz der Isenburger zur Industriestadt. Sie bilden aber auch das Heute in einer Stadt ab, die jung ist, in der viele Kulturen zu Hause sind, und die ihr kreatives Potential aus der Hochschule nutzen möchte. Aber die Hinweisanlagen sind natürlich auch ein Marketinginstrument für die Museen, die Apfelweinroute oder den Wetterpark“.
Ein Schwerpunkt innerhalb des zweiten Bauabschnitts ist die Darstellung hugenottischen Lebens in Offenbach. Acht Tafeln sollen einmal entlang des Hugenottenpfades informieren. Offenbach ist eine Station auf dem Weg aus der französischen Provinz in Richtung Nordhessen. Insgesamt vier Hinweistafeln stehen jetzt vor der Französisch-reformierten Kirche, dem Isenburger Schloß, dem Musikhaus André und der einstigen Färberei André am Wilhelmsplatz. Möglich gemacht hat die Anschaffung dieser speziellen Hinweise die Dr. Marschner Stiftung, die das Projekt mit 4.500 Euro unterstützt und sich auch für den nächsten Abschnitt ein Engagement vorstellen kann.
Eine der Tafeln erzählt die Geschichte des Isenburger Schlosses. Einst Grafen-Residenz ist es heute Domizil der Hochschule für Gestaltung. Das Schloss wird zur Mainseite hin als trutzig und wehrhaft beschrieben. Zur Stadt zeigt es seine filigranen Arkaden und seine anmutige Renaissance-Fassade. Ein Hinweisbrett vor dem Schlosshof, der bald Campus sein soll, präsentiert die Hochschule für Gestaltung. Einst Handwerkerschule genießt die Hochschule heute als Nachwuchsschmiede für Designer höchste internationale Anerkennung.
Am Eingang zum Mathildenviertel an der Kreuzung Schloßstraße / Ziegelstraße stellen Tafel auf insgesamt vier Seiten Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Quartiers direkt gegenüber. Hier stand einst die Altstadt Offenbach. Erinnert wird an Mayer und Söhne, ein Lederhersteller, der um das Jahr 1900 größter Arbeitgeber der Stadt war. Hermann-Steinhäuser, nachdem eine Straße in dem Quartier benannt ist, war Filzfabrikant. Oehler begründete hier den Chemiestandort Offenbach. Natürlich gehörten zu dem Arbeiterquartier einer Industriestadt auch Gaststätten wie das „Gast- und Logierhaus zum Vater Fritz“ oder die Brauerei Küchler. Von seinem Niedergang in der Nachkriegszeit erholt sich das Viertel allmählich. Die Stadt investiert hier in Bildung, Studentenwohnungen und Gründerzentrum. Kreative erobern das Quartier. Auch diesen Prozess beschreiben die Tafeln des Leitsystems.
Der Info-Kiosk an der S-Bahn-Station Marktplatz gibt einen schnellen Überblick über Leben und Erleben in Offenbach: Er informiert über die Einkaufsstadt, das Kulturkarree, Touren rund um Offenbach und den Festkalender zwischen Main und Forst. Gastronomie und Wochenmarkt stehen natürlich an der Station am Wilhelmsplatz im Mittelpunkt der Stadtbeschreibungen. Hier wird aber auch in der Nachbarschaft zum Streichholzkarlchen von den Offenbacher Originalen erzählt: vom Maabär, vom Kaspar Keilbach und natürlich die vom Vater mediterraner Lebensweise am Wilhelmsplatz, dem kürzlich verstorbenen André Dubost. Eine Seite dieser Hinweisanlage ist als Schiefertafel nachgebildet. Hier können Wochenmarktbeschicker und Bistrobetreiber künftig aktuelle Ereignisse wie den Beginn der Spargelsaison, Veranstaltungen wie den „Tanz in den Mai“ oder die Verlegung von Markttagen anzeigen.
Und nicht nur zu guter Letzt. Erstmals wird auf den Wegweisern das Kickers Stadion als Sparda-Bank Hessen Stadion bezeichnet. Natürlich sind auf zwei Tafeln auch die Offenbacher Kickers kurz portraitiert.
Horst Schneider: „Alle Tafeln sind in einem hochwertigen Design. Auf viele Abschnitte seiner Geschichte und auf viele kulturelle Einrichtungen darf Offenbach stolz sein. Das muss sich auch in der Qualität der Materialien der Tafeln ausdrücken“. Die Verwaltung hat deshalb auch die Erfahrungen mit den Anlagen, die im ersten Bauabschnitt im Kulturkarree installiert wurden, ausgewertet und auf ihre Alltagstauglichkeit geprüft. Die notwendigen Änderungen fielen kaum ins Gewicht. Verschoben wurde beispielsweise die Reihenfolge der Richtungspfeile. Matthias Müller, Geschäftsführer der Offenbacher Stadtinformation Gesellschaft, die das Projekt betreut: „Die Ergebnisse der Evaluierung sind in ein Manual eingeflossen, das die Spezifikationen von Platten und Pfosten beschreibt. Wir haben in dem Manual alle Schildertypen, Text- und Fotoformate sowie die Materialbeschaffenheit definiert, um auch bei künftigen Anschaffungen ein einheitliches Erscheinungsbild zu garantieren“.
Zweiter Bauabschnitt:
- Drei Zielspinnen
- Sechs Hinweistafeln
- Vier Info-Kioske
- Zwei Gebots- / Verbotstafeln Mainuferpark
- Ein Türschild: Haus der Stadtgeschichte.
Kosten 28.000 Euro. Material: Graffiti-resistent
Grafik: Mirella Sciortino, Hfg-Absolventin
Entwurf: pentagram
Text: Simone Kaucher-Quade, Lothar Braun und Matthias Müller
Fotos: u.a. Bernd Georg, Stadtarchiv, Jessica Schäfer
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