Positive Zwischenbilanz auf dem Weg in eine noch bessere Zukunft
Offenbach, den 28.08.2008, letzte Bearbeitung: 26.06.2009Simone Kaucher-Quade
Gleiche Chancen für Frauen und Männer. Das ist seit 20 Jahren oberstes Ziel des Frauenbüros der Stadt Offenbach. Im September 1988 wurde Ilona Hakert als erste kommunale Frauenbeauftragte berufen. Seither setzt sich das inzwischen vierköpfige Team des Frauenbüros mit Nachdruck dafür ein, dass die Interessen von Frauen und Mädchen in allen Lebensbereichen angemessen berücksichtigt werden.
Als im März 1980 die SPD-Fraktion in der Offenbacher Stadtverordnetenversammlung eine Gleichstellungsstelle forderte, fand sie dafür noch keine Mehrheit. Erst sechs Jahre später, im Dezember 1986, beschloss das Stadtparlament, eine „Kommission zur gesellschaftlichen Gleichstellung der Frau“ einzurichten und eine Frauenbeauftragte zu berufen – immerhin fünf Jahre bevor das Hessische Gleichberechtigungsgesetz die Arbeit der Frauenbeauftragten auch auf Landesebene rechtlich absicherte. Seither hat sich für Frauen und Mädchen in Offenbach vieles zum positiven verändert. Die 20-jährige Geschichte des Frauenbüros ist eine Erfolgsgeschichte:
Netze knüpfen
So wirkte das Frauenbüro maßgeblich daran mit, dass 1993 das erste Frauenhaus in Offenbach als Zufluchtstätte für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder eröffnet werden konnte. Das Thema Gewalt gegen Frauen bildet nach wie vor einen wichtigen Arbeitsschwerpunkt des Frauenbüros. Und das Thema verdeutlicht, dass Frauenarbeit in starkem Maße „networking“ bedeutet, also die Zusammenarbeit mit vielen gesellschaftlichen Kräften, um gemeinsam ein tragfähiges Netz zu knüpfen, das Frauen wirksam unterstützt. Im Arbeitskreis gegen Gewalt arbeitet das Frauenbüro zusammen mit Jugendamt, Beratungsstellen, Polizei und Justiz. Denn wenn Frauen oder Mädchen Hilfe suchen, soll alles Hand in Hand gehen. Gute Kontakte zu Parteien, Initiativen, Kirchen und sozialen Organisationen sind auch wichtig, um Frauen und Mädchen bei Bedarf die passenden Ansprechpartnerinnen und –partner nennen zu können.
Ebenfalls ein Erfolg des Frauenbüros war die Eröffnung der Mädchen-Etage im Jugendzentrum Nordend. Dort können Mädchen und junge Frauen ihren Interessen nachgehen und ihre Fähigkeiten entwickeln ohne sich dabei immer mit Jungen messen zu müssen. Das Frauenbüro konnte auch durchsetzen, dass alle Träger der kommunalen Jugendhilfe spezielle Leitlinien für die Mädchenarbeit entwickeln, um zu verhindern, dass Jugendarbeit Jungenarbeit ist.
Wege ebnen
Frauen eine eigenständige Existenzsicherung zu ermöglichen und berufliche Karrieren von Frauen zu fördern, war und ist ebenfalls ein wesentliches Anliegen des Frauenbüros. Ebenso wie ihre Vorgängerin Ilona Hakert setzt sich auch die jetzige Leiterin des Frauenbüros, Karin Dörr, bei der MainArbeit, also bei der kommunalen Arbeitsförderung, und beim Jugendamt für bedarfsgerechte Kinderbetreuungsangebote ein, damit Frauen Beruf und Familie besser vereinbaren können.
Der Schwerpunkt von Karin Dörr liegt aktuell bei der Unterstützung der Offenbacherinnen in prekären Beschäftigungssituationen. Denn diese benötigen neue Modelle der Kinderbetreuung, um überhaupt erwerbstätig sein zu können.
Beleg dafür sind die Ergebnisse einer Befragung erwerbsloser Eltern im SGB-II-Bezug mit dem Titel „Welche Kinderbetreuung brauchen Mütter und Väter?- im Jahr 2007 im Auftrag der MainArbeit durchgeführt vom Offenbacher Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik INBAS. (Die Ergebnisse sind nachzulesen unter: www.offenbach.de/fuer-frauen-und-maedchen)
Mehr Frauen in einflussreichen Positionen, mehr Frauen in gut bezahlten Jobs, mehr Frauen in klassischen Männerberufen! Hierbei, so der Ansatz, sollen Stadtverwaltung und Konzern mit gutem Beispiel vorangehen. Darauf zielte von Anfang an der Frauenförderplan ab – seit 1989 unterstützt durch die Stelle einer internen Frauenbeauftragten, ab Juni 1994 ergänzt durch die betriebliche Frauenbeauftragte Ute Kriegsmann und die Assistentin Silvia Grill. Sie haben gemeinsam erreicht, dass die Quote der Frauen in den höchsten Besoldungsgruppen innerhalb von 20 Jahren von einstmals elf auf heute 36 Prozent stieg. Zwischen 2001 und 2006 haben unter der Regie des Frauenbüros drei Mentoring-Programme im Stadtkonzern stattgefunden, die den beruflichen Aufstieg von Frauen fördern sollen.
Horizonte erweitern
Auch in der Frage des Berufseinstiegs setzt sich das Frauenbüro für Mädchen und junge Frauen ein. Unter anderem bietet der Stadtkonzern jedes Jahr zum Girls Day einer Reihe von Schülerinnen Gelegenheit, die vielfältigen Berufsfelder innerhalb der Stadtverwaltung und bei den städtischen Gesellschaften kennen zu lernen – aus der Überzeugung heraus, dass bei der Jobwahl der Horizont nicht weit genug sein kann.
Wissenschaftlich hat die heutige interne Frauenbeauftragte Martina Jöst untersucht, was junge Migrantinnen an der Schwelle zum Berufsleben bewegt. Denn Förderangebote können nur greifen, wenn sie nah an der Lebenswirklichkeit ansetzen.
Vieles sei erreicht worden, so die Leiterin des Offenbacher Frauenbüros, Karin Dörr. Es ist selbstverständlicher geworden, dass Frauen mitbestimmen und Einfluss nehmen. Und doch sei die gesellschaftliche und berufliche Gleichstellung von Männern und Frauen nicht verwirklicht, wie der Skandal der durchschnittlich um 22% schlechteren Bezahlung von Frauen und ihre mangelnde Repräsentanz in sozial gesicherten Beschäftigungsverhältnissen zeigten. Dafür gelte es in Politik und Wirtschaft immer wieder die Augen zu öffnen. Öffentlichkeitsarbeit und Beratung sind deshalb ebenfalls ein zentrales Arbeitsfeld. Veranstaltungsreihen, unter anderem rund um den Internationalen Frauentag, thematisieren die Lebenssituation von Frauen, geben Raum für Austausch und leisten Aufklärung. „Da die Demokratie im Sinne der gerechten Verhältnisse für beide Geschlechter noch nicht verwirklicht ist“, so Karin Dörr, „sind wir auch heute noch kein bisschen leise.“
Gute Ansätze würdigen
Aktuell erarbeitet die Gleichstellungskommission Kriterien für einen geplanten Offenbacher Gleichstellungspreis. Der soll in Zukunft innovative Beiträge zu mehr Gleichberechtigung würdigen.
An Plänen für die Zukunft mangelt es der kommunalen Frauenbeauftragten nicht. Unter anderem will sich Karin Dörr verstärkt dafür einsetzen, dass Wirtschaftsförderung auch Frauenförderung wird, denn trotz überdurchschnittlich guter Schulabschlüsse sind junge Frauen schon wenige Jahre später im Berufsleben deutlich unterrepräsentiert.
Kinderbetreuungsangebote möchte Karin Dörr besser auf die Bedürfnisse von Frauen in klassischen Frauenberufen abstimmen. Denn Alleinerziehende seien häufig deshalb erwerbslos, weil sie für den Einzelhandel oder für Pflegeberufe ausgebildet seien, wo die Arbeitszeiten bis in die Abendastunden reichen oder das Wochenende einschließen - Zeiten, zu denen Kinderbetreuung kaum zu finden ist.
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