Alle Angebote auf einen Blick: Neue Broschüre für Opfer häuslicher und sexueller Gewalt
Offenbach, den 12.08.2011, letzte Bearbeitung: 25.08.2011„Nichts rechtfertigt Gewalttätigkeiten in Beziehungen und Familie!“, schreiben Karin Dörr und Günther Rothenberg in der Einleitung der neuen Broschüre „Hilfe und Beratung bei körperlicher, seelischer und sexueller Gewalt“, die ab sofort beim Frauenbüro der Stadt Offenbach angefordert werden kann.

Ein wichtiger Satz, der verdeutlicht, wie selbstverständlich Gewalt und Misshandlung für einige zum Familienalltag gehören. Das 42-Seiten starke Heft klärt daher auch erst einmal darüber auf, was für Formen von Gewalt es gibt, denn: „Gewalt zu erkennen, ist nicht immer leicht“, so Karin Dörr, Leiterin des „Facharbeitskreises gegen häusliche und sexuelle Gewalt“. Auch Verleumdung, Missachtung, Isolation oder das Einfordern von sexuellen Handlung innerhalb der Ehe ist Gewalt und damit strafbar. „Wichtig ist, dass sich die Betroffenen melden“, sagt Stadtrat Paul-Gerhard Weiß. „Mit der neuen Broschüre werden die bestehenden Beratungsangebote gebündelt und zusammengefasst.“
Das Thema Gewalt ist nach wie vor aktuell. „Wir haben festgestellt, dass das Thema an Bedeutung gewonnen hat“, sagt Paul-Gerhard Weiß. In jedem vierten Fall von Gewalt gegen Frauen ist der Partner der Täter, belegen Statistiken.
Günther Rothenberg von der psychologischen Beratungsstelle des Caritasverbands weiß, dass sich betroffene Familien abschotten und so tun als wäre alles normal. „Erst wenn der Leidensdruck zu groß wird, geht ein kurzes Zeitfenster auf, in dem sie für Hilfsangebote empfänglich sind“, sagt der Spezialist. Die Broschüre fasst alle Stellen, die Hilfe für betroffene Familien anbieten, zusammen und präsentiert sie der Öffentlichkeit.
Die Mitglieder des „Arbeitskreis gegen häusliche und sexuelle Gewalt“ freuen sich über das Erscheinen des aktuellen Ratgebers. Mit an Bord ist die pro familia Offenbach, Der Verein Frauen helfen Frauen, das Polizeipräsidium Südosthessen, der Caritasverband, die Staatsanwaltschaft, das Amtsgericht, das Jugendamt, das Frauenbüro und der Fachbereich Kommunale Prävention des Ordnungsamtes.
Auch wer nicht selbst direkte Hilfe anbietet, kann Frauen, Männer, Kinder oder Paare, denen Gewalt zugefügt wird, an die entsprechenden Stellen weiterleiten. „Das Fachwissen ist wichtig für das Personal“, sagt Elisabeth Wisniewski, Leiterin und Qualitätsbeauftragte der Katholischen Kindertagesstätte St. Marien. Margit Jung, Leiterin des Kommissariats 12, hat bereits 400 der frisch gedruckten Broschüren angefordert. „Bei der Polizei geht es nicht nur um Strafverfolgung“, so die Kriminaloberkommissarin. Nun können ihre Kollegen, die nach einer Gewalttat für die Opfer und Täter häufig die ersten Ansprechpartner sind, Betroffene an kompetente Beratungsstellen verweisen.
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