Stadtverwaltung Offenbach will Frauen den Weg in Männerdomänen ebnen
Offenbach, den 22.07.2010, letzte Bearbeitung: 30.07.2010
„Frauenförderung in der Stadtverwaltung Offenbach ist eine Erfolgsgeschichte.“ Zu diesem Schluss kommt die interne Frauenbeauftragte Martina Jöst, die gerade den 12. Frauenförderplanbericht vorgelegt hat. Demnach ist es in den vergangenen zwei Jahren gelungen, den Frauenanteil in den höheren Besoldungs- und Entgeltgruppen zu erhöhen. Der Abbau von Unterrepräsentanz ist eine der wichtigsten Aufgaben der internen Frauenbeauftragten. Martina Jöst beurteilt das Klima für Gleichstellungsarbeit bei der Stadtverwaltung Offenbach positiv. Dazu zähle auch, dass mit Oberbürgermeister Horst Schneider jemand an der Spitze der Verwaltung stehe, der sich für die Berufung von Frauen einsetze.
Zwar waren Ende 2009 immer noch nur acht von insgesamt 33 Amtsleitungen mit Frauen besetzt. Das entspricht einem Anteil von 32 Prozent. Besser sah es aber schon bei den stellvertretenden Amtsleitungen aus. Hier sind 13 von 34 weiblich besetzt. Laut Martina Jöst liegt dies auch daran, dass die Stellvertreter-Stelle bisweilen geteilt ist und folglich in Teilzeit wahrgenommen werden kann. Seit 2007 wurden sieben Frauen als Amtsleiterinnen oder stellvertretende Amtsleiterinnen berufen.
Teilzeit ist auch in der Stadtverwaltung Offenbach weiblich. Jede zweite Frau bei der Stadtverwaltung hat eine Teilzeitstelle. Gleichzeitig sind 81 Prozent aller Teilzeitstellen mit Frauen besetzt, eine Zahl, die sich seit vielen Jahren nur geringfügig ändere, so Jöst. Aus ihrer Sicht sind es eben nach wie vor die Frauen, die nach der Geburt eines Kindes für eine Weile aus dem Beruf aussteigen und auch danach Familie und Beruf meist nur mit einer Teilzeitstelle vereinbaren können.
Dass aber Teilzeit die Karriere hemmt, ist nach Auffassung der internen Frauenbeauftragten nicht hinnehmbar. Sie hat festgestellt, dass oft alte Klischees dahinterstecken, wenn Müttern der Aufstieg in Führungspositionen verwehrt bleibt. „Von Führungspersonen wird ständige Präsenz erwartet. Das bedeutet Überstunden.“ Müttern werde hingegen unterstellt, dass nicht der Job, sondern die Familie Priorität hat. Teilzeitkräften werde nicht zugetraut, den Anforderungen einer Führungsposition gerecht zu werden. „Das ist ein Vorurteil, dem wir entgegenwirken müssen. Und es steckt nicht nur in den Köpfen von Männern, sondern auch von Frauen“, sagt Martina Jöst.
Sie hat bereits einige Anregungen gesammelt, die Frauen in der Stadtverwaltung die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern könnten. Viele lassen sich unter dem Titel „haushaltsnahe Dienstleistungen“ zusammenfassen. Ein Bügeldienst zum Beispiel oder die Möglichkeit, Essen aus der Kantine mit nach Hause zu nehmen, um abends nicht noch kochen zu müssen. Hilfreich sei auch eine Kinderbetreuung für die Ferien und ein Eltern-Kind-Arbeitszimmer mit PC-Ausstattung, falls einmal kurzfristig die Kinderbetreuung ausfalle.
Martina Jöst will auch dafür sorgen, dass Beschäftigte darüber informiert werden, welche Möglichkeiten das neue Pflegezeitgesetz für Bedienstete mit pflegebedürftigen Angehörigen bietet. Sie empfiehlt Kompetenztrainings für Frauen und Männer, die ihre Angehörigen pflegen. Hier habe die Stadt schnell reagiert. Ab Herbst wird ein Pflegekompetenztraining für Angehörige „Wenn die Eltern älter werden“ im Verbund mit Offenbacher Unternehmen, organisiert vom DGB Bildungswerk angeboten. Die fünf von der Stadtverwaltung eingekauften Plätze sind bereits belegt. Wegen der hohen Nachfrage wird ein Kompetenztraining 2011 von der Personalentwicklung der Stadt Offenbach über das reguläre Fortbildungsprogramm für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt angeboten.
Um Unterrepräsentanz auszugleichen schreibt das Hessische Gleichberechtigungsgesetz vor, dass ebenso viele Frauen wie Männer zu Bewerbungsgesprächen eingeladen werden müssen. Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt eingestellt. „Das ist keine Frauenquote, sondern eine Qualifikationsquote“, stellt Martina Jöst klar. Das Instrument könne nur deshalb wirksam sein, weil Frauen in der Qualifikation aufgeholt hätten.
Um einen höheren Frauenanteil auch bei der Berufsfeuerwehr ringt die betriebliche Frauenbeauftragte Ingrid Reichbauer. In Offenbach gibt es nach wie vor keine Frau im Einsatzdienst. Lediglich eine Frau arbeitet in der Leitfunkstelle. Ingrid Reichbauer: „Es ist trotz intensiven Bemühungen und guter Zusammenarbeit mit der Amtsleitung und dem Personalrat der Berufsfeuerwehr Offenbach leider noch nicht gelungen, Frauen für den aktiven Einsatzdienst einzustellen“.
Dies liege zum einen daran, dass es auch sehr viel mehr männliche Bewerber gebe als weibliche. Zudem stellten auch die Einstellungstests, vor allem die Sporttests für Frauen eine hohe Hürde dar. Das Berufsbild Feuerwehrfrau sei noch zu wenig im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert, sagt Reichbauer. Es sei zu wenig bekannt, dass es für Frauen die Möglichkeit gibt, sich gezielt auf die Sporttests vorzubereiten, zum Beispiel bei der Stadt Köln. Ingrid Reichbauer plant eine Veranstaltung mit dem bundesweiten Netzwerk Feuerwehrfrauen. Susanne Klatt, Vorsitzende des Netzwerkes Feuerwehrfrauen Oberbrandrätin und Wachabteilungsleiterin der Berufsfeuerwehr Essen, wird über das Berufsbild Feuerwehrfrauen, die Ausbildungsvoraussetzungen, Eignungstests und die Tätigkeit in der Berufsfeuerwehr informieren.
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