Ergebnisse der Fachtagung "Häusliche Gewalt - Auswirkungen von Partnergewalt auf Kinder und Jugendliche"
Offenbach, den 26.01.2010, letzte Bearbeitung: 15.11.2010Silvia Grill
Arbeitskreis gegen häusliche und sexuelle Gewalt – Offenbach
Die Ergebnisse der Fachtagung Häusliche Gewalt – Auswirkung von Partnergewalt auf Kinder und Jugendliche fassen wir in 7 Punkten zusammen:
1. Ein Thema – viele Perspektiven
Kinder geraten häufig zwischen die Stühle
Die Fachdiskussion zur häuslichen Gewalt und zu Interventionskonzepten ist bisher geprägt von einer regelrechten Spaltung der versch. Blickwinkel:
- Aspekte von Frauenschutz (bei Gewalt in der Partnerschaft),
- Kindesschutz und Kindeswohl und
- Familienrecht (Rechte von Vätern nach Trennung und Scheidung) haben jeweils einen eigenen theoretischen Rahmen und Begründungszusammenhang und kommen daher nur selten zusammen. Der Blick auf die Kinder gerät oft in den Hintergrund.
Hier muss sensibler wahrgenommen werden.
zum Nachlesen: Vortrag/Folien von Kreyssig (1)
2. Häusliche Gewalt zwischen den Eltern – ein großer Risikofaktor für das Kindeswohl.
Gewalt in der Partnerschaft der Eltern bleibt Kindern nicht verborgen:99% der Kinder wissen was geschieht, sie beobachten und erleben dies emotional intensiv mit. Es tritt keine „Gewöhnung“ ein, sondern eine Sensitivierung, so dass fortgesetztes Miterleben der Gewalt schwere Schädigungen (psychisch und psychosomatisch) bewirkt. Neuere Studien belegen dies.
Kinder aus „Gewaltfamilien“ haben nicht nur weniger Schulerfolg (Defizite in der kognitiven Entwicklung, in der Lern- und Konzentrationsfähigkeit), sondern auch eine deutlich höhere seelische Belastungen
zum Nachlesen: Vorträge/Folien von Kreyssig (1) und Meixner (2)
3. Gewalt belastet und prägt die nächste Generation!
Gewalt zwischen den Eltern ist eine Schlüsselerfahrung und die „Keimzelle“ für spätere Weitergabe und Reproduktion von Gewalttätigkeit. Kindern und Jugendlichen stehen deutlich weniger Konfliktlösungsmuster zur Verfügung, es existiert in späteren eigenen Partnerschaften eine erhöhte Bereitschaft zum Einsatz oder zum Erdulden von Gewalt
Gewalterfahrungen zwischen den Eltern sind damit für die beteiligten Kinder und Jugendlichen eine oft lebenslange Belastungen (Bindungsstörungen, ).
zum Nachlesen: Vorträge/Folien von Kreyssig (1) , Meixner (2) und Simmel-Joachim (5)
4. Jugendgewalt entsteht auch in der Familie:
„Wer Wind säht, wird Sturm ernten!“
Prävention ist der beste Schutz!
Die vieldiskutierte Gewalt von Jugendlichen entsteht nicht erst in der Schule, durch Medienkonsum oder innerhalb der Peergruppe, sondern von Kindesbeinen auf lernen Kinder von der eigenen Familie spezifisches Konfliktverhalten. Die Eltern sind das wichtigste „Modell“ und der stärkste Orientierungspunkt in der Entwicklung sozialer Fähigkeiten.
Daher ist die frühe Hilfe bei häuslicher Gewalt zugleich auch ein wichtiger Beitrag zur Prävention von Jugendgewalt. Nur durch effektive Unterstützung von Kindern in Fällen häuslicher Gewalt kann die Kette der Gewaltweitergabe über Generationen unterbrochen werden.
zum Nachlesen: Simmel-Joachim (5)
5. Konsequenzen für die Arbeit mit Kindern, die häusliche Gewalt miterleben mussten:
Die Haltung, sich um betroffene Kinder nur erst dann zu kümmern, wenn sie verhaltensauffällig werden, ist nicht länger zu halten.
Kinder brauchen nach häuslicher Gewalt gezielte persönliche Ansprache, emotionale Versorgung und Sicherheit, Entlastung von Schuldgefühlen und therapeutische Unterstützungsangebote!
Hierzu braucht es
• spezialisierte Angebote und kindgerechte Infrastruktur,
• alters- und geschlechtsspezifische Konzepte und Angebote,
• fachlich gut qualifiziertes Personal,
• schnelle, leicht zugängliche und proaktive Hilfsformen,
• gute interinstitutionelle Kooperation und klare Absprachen u. Zuständigkeiten,
zum Nachlesen: Vorträge/Folien von Kreyssig (1) , (3) - und Meixner (2) , (4)
6. Qualifikation der Fachkräfte:
Die Arbeit mit Familien nach häuslicher Gewalt stellt hohe Anforderungen (und auch Belastungen) an die Fachkräfte.
Hierzu braucht es weiterführende Fortbildungs- und Qualifizierungsangebote. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei die professionelle Balance zwischen Unterstützung der Eltern einerseits und Konfrontation der Eltern andererseits. Familie ist ein schützenswerter Bereich mit jeweils eigenem Milieu, zugleich aber kein gesetzesfreier Raum. Professionelle Helfer müssen im Idealfall alle
zum Nachlesen: Simmel-Joachim (5)
7. Kooperation und regionale Vernetzung:
Niemand alleine - keine Person und keine Institution - kann bei Gewalt zwischen Eltern
- die Situation umfassend erkennen,
- schützend eingreifen,
- fachlich kompetent und jew. parteilich unterstützen,
- altersgerechte und geschlechtsspezifische Angebote machen,
- Loyalitätskonflikte und Abhängigkeiten bearbeiten,
- entgegenstehende Interessen und Rechtsansprüche klären und Lösungen finden,
- der Wiederholung von Gewalt vorbeugen !
Kooperation, Multiprofessionalität und regionale Vernetzung der Hilfen weist hier den Weg aus der Gewalt!
zum Nachlesen: Vortrag/Folien von Kreyssig (1) und Meixner (2) -
Die Fachtagung mit 170 Fachkräften aus Offenbach und ganz Hessen wurde aus Mittel der Stadt Offenbach (Kommunale Prävention Ordnungsamt, Frauenbüro, Stadtwerke Offenbach Holding GmbH) finanziert.
Weitere Mittel stellten unsere Kooperationspartner zur Verfügung. Wir sagen Dank an:
Zentrum Ökumene der EKHN und PARITÄTISCHER . Regionalgeschäftsstelle Offenbach
Offenbach.de
Stadtwerke Offenbach Holding
Energieversorgung Offenbach AG
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