In neuer Auflage: vielseitige Annäherung an das Wesen Offenbachs
Offenbach, den 19.11.2004, letzte Bearbeitung: 23.12.2004Jahrelang war es vergriffen. Einzelne Aufsätze waren bestenfalls noch in Kopie erhältlich. Mancher bezeichnet es als d a s Offenbach-Buch. Jetzt ist es in zweiter, überarbeiteter Fassung erhältlich: „Offenbach - was für eine Stadt!“ Herausgeberin der Neuauflage ist wieder die Volkshochschule.

58 Artikel, verfasst von Christina Uslular-Thiele, Winfried B. Sahm und einigen Gastautoren, zeichnen das Bild einer Stadt im Wandel, ihrer Kultur-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, ihrer Infrastruktur und ihrer baulichen Entwicklung. Und nicht zuletzt erzählen sie von bemerkenswerten Persönlichkeiten, die in Offenbach gelebt und gewirkt haben.
1997 war die erste Auflage erschienen, die 2000 Exemplare waren innerhalb von zwei Jahren restlos verkauft. Vieles hat sich seither geändert. Dies machte eine umfangreiche Aktualisierung notwendig. Im Zuge der Überarbeitung sind aus 50 Artikeln nun 58 geworden, aus 192 Textseiten wurden 235 Seiten, illustriert mit 206 Bildern statt bisher 150.
Offenbach-Kundler und Vhs-Dozent Winfried B. Sahm war überrascht, an wie vielen Stellen die Erstauflage geändert werden musste. Das Stadtbild hat sich gewandelt. Kulturinstitutionen wie die Volkshochschule und das Stadtmuseum befinden sich inzwischen an neuen Standorten, das Kulturkarree, in dem sich die wichtigsten kulturellen Einrichtungen der Stadt konzentrieren, ist entstanden. Außerdem stehen alle drei Offenbacher Museen inzwischen unter neuer Leitung. In der Neuauflage nutzen Christian Rathke (Deutsches Ledermuseum), Jürgen Eichenauer/Hans-Georg Ruppel (Haus der Stadtgeschichte) und Dr. Stefan Soltek (Klingspor Museum) die Gelegenheit, ihre Vorstellungen und Ideen zu formulieren. Und unter dem Titel „Bühne für die Welt der Bücher“ ist auch der Stadtbibliothek ein eigenes Kapitel, verfasst von Leiter Ernst Buchholz, ein eigenes Kapitel gewidmet.
Nicht nur objektiv hat sich in den vergangenen sieben Jahren vieles in Offenbach verändert, wie beispielsweise das Hafengelände, über dessen geplante Entwicklung zu einem neuen Stadtteil Stadtarchivar Hans-Georg Ruppel schreibt. Auch die Wahrnehmung ist in mancherlei Hinsicht eine andere geworden. Beispiel: der Philosoph Philipp Mainländer (1841 – 1876). Vor sieben Jahren behandelte ihn Sahm bei seinen Stadtspaziergängen noch als „Randnotiz“. Inzwischen sei Mainländer „eine große Nummer“ geworden. Diesem gewachsenen Interesse trägt Sahms neuer Beitrag Rechnung.
Ebenfalls neu: der Artikel der Kunsthistorikerin Christina Uslular-Thiele über den Metzlerschen Badetempel, der noch bis kurz vor Drucklegung des Buches überarbeitet wurde, um auch die neueste Entwicklung, den privaten Ankauf der Ruine zum Zwecke des Wiederaufbaus, zu vermerken.
Der FAZ-Journalist Anton Jakob Weinberger schreibt über die bedeutenden Offenbacher Rabbiner, die Archivarin Hanna Eckhardt stellt die Journalistin und Pädagogin Martha Wertheimer vor, der Journalist Carsten Müller behandelt die aktuelle Kunstszene und der Musiker Olaf Joksch beschreibt, was sich in der Musikszene tut. Natürlich ist auch den Offenbacher Kickers ein Beitrag gewidmet und auch die Geschichte der Stadtteile Bieber, Bürgel und Rumpenheim ist Teil des facettenreichen Stadtportraits, das mit einem Blick ins Umland endet und dabei auch das schwierige Verhältnis zur Nachbarstadt Frankfurt nicht außer Acht lässt.
Viele Offenbacher Eigenheiten lassen sich erst begreifen, wenn man ihre Hintergründe kennt. Diese zu liefern, war der Anspruch der Volkshochschule. Dr. Gabriele Botte, Leiterin der kommunalen Bildungseinrichtung, spricht von einer starken Polarität, die die öffentliche Debatte über Offenbach präge: Trotziges Verteidigen als „liebenswürdig, weltoffen, tolerant“ einerseits, verächtliches Schmähen als „vernachlässigt, verdreckt, hässlich“ andererseits. Demgegenüber beschreibt Autor Winfried B. Sahm seine Haltung zu Offenbach als „kritische Sympathie“. Und Christina Uslular-Thiele nähert sich der Stadt ihrer Jugendjahre mit „Zuneigung und Verständnis“ - und mit Sinn fürs Detail.
Diesen Sinn haben auch die Herausgeberin und der Hanauer CoCon-Verlag bewiesen. Die Texte sind in „Kabel“ gesetzt. Diese Schrift geht zurück auf Rudolf Koch, der von 1906 bis 1934 als einer der führenden deutschen Kalligraphen, Typographen und Schrift-Designer für die Offenbacher Schriftgießerei Gebr. Klingspor arbeitete.
Die Neufassung von „Offenbach – was für eine Stadt“ ist in einer Auflage von 3000 Exemplaren erschienen. Die Sparkasse Offenbach hat durch die Abnahme von 500 Büchern maßgeblich zur Finanzierung beigetragen. Im Unterschied zur ursprünglichen Paperback-Ausgabe, ist die Neuauflage fest gebunden und zum Preis von 16,80 Euro im Buchhandel erhältlich (ISBN 3-937774-05-X)
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