Fachkräfte für Veranstaltungstechnik lassen Träume wahr werden
Offenbach, den 16.08.2004, letzte Bearbeitung: 10.03.2008Die Menschen in Staunen versetzen - das ist es, was Theatermeister Gerd Pape erreichen möchte. Er ist Technischer Leiter bei der Firma Event Center Offenbach (E.C.O.), der Betreibergesellschaft des Capitol-Theaters. Und er ist der Ausbilder von Wolf Heilig. Der 26-Jährige absolviert bei der E.C.O. eine Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik. In der Begeisterung für seinen Beruf steht er seinem Meister in nichts nach. Pape weiß, wie man ein eindrucksvolles Ambiente zaubert. Er freut sich am meisten, wenn das Publikum den Saal betritt und große Augen macht. Und sein Azubi sagt: „Alles, was ungewöhnlich ist und nicht in einen viereckigen Raum passt, macht Spaß.“
Pape verfügt über ein umfangreiches Album mit Fotos von außergewöhnlichen Events im Capitol. Der Kuppelbau der ehemaligen Synagoge ist – das erkennt jeder auf den ersten Blick – eine ganz besondere Location. Doch Pape, der seine Ausbildung an der Alten Oper in Frankfurt absolviert hat, weiß auch um das ungeahnte Potential der Räumlichkeiten. Er liebt es, damit zu spielen und schätzt am Capitol-Theater, „dass man ihm unglaublich viele verschiedene Gesichter geben kann“. Bei ihm lernt Wolf Heilig, wie und mit welchen technischen Mitteln man Visionen Wirklichkeit werden lässt.
Drei Festangestellte umfasst das technische Team. Der Dritte im Bunde ist Christian Müller. Auch ihn hat Pape ausgebildet. Viel technisches Know-how gehört dazu, einer Veranstaltung einen individuellen Rahmen zu geben: Es ist ein Spiel mit Licht und Farben, der Sound muss perfekt sein, das Bühnenarrangement muss stimmen und auch die Bestuhlung trägt ihren Teil zur Atmosphäre bei. Wie all das funktioniert, Licht-, Ton- und Bühnentechnik, welche Scheinwerfertypen es gibt und wie man sie installiert, wie ein Mischpult funktioniert und wie Beschallungsanlagen aufgebaut sind, lernt Wolf in der Berufsschule in Wiesbaden, die er ausbildungsbegleitend besucht. Der Unterricht findet im Block statt – alle drei Wochen eine Woche.
Doch Veranstaltungstechniker müssen nicht nur in Elektrotechnik fit sein. Sie müssen auch die Sicherheitsbestimmungen kennen, die in der Versammlungsstättenverordnung geregelt sind. Absprachen mit Ordnungsamt, Bauaufsicht und Feuerwehr sind Bestandteil jeder Veranstaltungsplanung.
Meist sind es Sicherheitsaspekte, die allzu gewagten Inszenierungen Grenzen setzen. Pape hält dennoch nahezu alles für realisierbar. „Nur Wunder dauern eben ein bisschen länger“, sagt er. Meist ist es eine Frage der guten Vorbereitung und dafür setzen er und sein Team sich mit Leidenschaft ein. 48 Tische im Saal und auf jedem steht ein Wok, in dem die Gäste gruppenweise kochen nach den Anweisungen eines Kochs auf der Bühne. In Abstimmung mit der Feuerwehr ließ sich sogar diese Idee umsetzen. Dafür waren vier statt zwei Brandschützer im Einsatz.
Wichtig ist, dass die Veranstaltungstechniker die Räume sehr genau kennen. Pape hat den runden Kuppelsaal auch schon einmal in einen Auto-Salon verwandelt. Rampen wurde extra gebaut, um die Fahrzeuge auf die seitlichen Emporen zu schaffen.
Fantasie und Kreativität gehören dazu, die Wünsche der Kunden zu erfüllen. Viele kämen mit einer sehr konkreten Vorstellung an, doch bisweilen könnten sie diese nicht formulieren, erzählt der Technische Leiter. Wolf Heilig erinnert sich an eine Bar Mizwa, eine Art jüdischer Konfirmation, wo viele Gespräche nötig waren, bis Pape und sein Team ergründet hatten, dass die Bühne wie ein Aquarium aussehen sollte – in blaues Licht getaucht, mit Ballons, transparent wie Luftblasen, und Fischen, die schwerelos im Raum schweben.
Gespräche mit Kunden führen, ihre Wünsche aufgreifen und Ideen für die Umsetzung entwickeln, aber auch die Kosten nicht aus den Augen verlieren, Preisverhandlungen führen und den Bedarf an Equipment ermitteln – das alles sind Dinge, die man nach Papes Auffassung nicht in der Schule lernt, sondern nur, indem man praktische Erfahrungen sammelt.
Auf die Verhandlungsphase folgt die Planungsphase. Da gilt es, die verschiedenen Beteiligten zu koordinieren: Technikfirmen, Caterer, Dekorateure… Der Veranstaltungstechniker muss den Überblick behalten, muss Externe mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut machen und auch mal selbst mit anpacken. Und vor allem muss er selbst in der größten Hektik die Nerven behalten.
Schwierig, so erzählt Pape, wird es beispielsweise dann, wenn der Veranstalter ohne vorherige Absprache noch pyrotechnische Elemente ins Programm einbauen will, denn alles, was mit Feuer zu tun hat, ist meldepflichtig.
Unter all den verschiedenen Arten von Veranstaltungen, wie sie im Capitol stattfinden, mag Wolf am liebsten Rock-Konzerte. Er findet all die Technik faszinierend, die dabei zum Einsatz kommt. Für jene, die mit dem Aufbau betraut sind, ist der Job auch körperlich anstrengend. Pape wünscht sich dennoch, dass mehr Mädchen den Beruf des Veranstaltungstechnikers ergreifen. Denn Technik und Muskelkraft sind eben nicht alles. Mädchen hätten stattdessen vielleicht ein besonderes kreatives Gespür oder könnten sich gut in Kunden hineinversetzen, sagt er.
Ob ein Bewerber Hauptschulabschluss oder Mittlere Reife hat, ist für Gerd Pape nicht wichtig. Der Bewerber müsse offen und aufgeschlossen sein, denn von Anfang an müsse er sich im Umgang mit Menschen bewähren, ab dem zweiten Lehrjahr dürfe er eigenständig mit Kunden verhandeln.
Wolf Heilig hat seine Ausbildung am 1. September 2003 begonnen. Ein völliger Neuling war er nicht. Er hatte zuvor an einer Privatschule in Frankfurt am Main Tontechnik studiert und bei entsprechenden Firmen gejobbt.
Kleinere Häuser mit Szenen-Spielfläche, also ohne eisernen Vorhang, könnte er nach der Ausbildung selbstständig leiten. Doch sein Ausbilder hält das für verfrüht. Er findet, dass junge unerfahrene Fachkräfte im Umgang mit ausgefuchsten Branchenvertretern allzu schnell unter die Räder geraten können.
Offenbach.de
Stadtwerke Offenbach Holding
Energieversorgung Offenbach AG
Artikel drucken
Als PDF anzeigen