Mehr Brandmeisterinnen und Berufskraftfahrerinnen:
Das Projekt „Frauen – Stärken – Offenbach“ eröffnet neue Berufswege
Offenbach, den 01.09.2011, letzte Bearbeitung: 16.09.2011
Dass Frauen durchaus „ihren Mann“ stehen, darf inzwischen als allgemeingültige Erkenntnis gelten. Trotzdem gibt es nach wie vor klassisch besetzte Männerdomänen, ebenso wie Stereotypen von Weiblichkeit und ist die Frage nach einer gesetzlich vorgeschriebenen „Frauenquote“ noch immer aktuell. Andererseits zeichnet sich in Zukunft ein Fachkräftemangel ab, während vielen gut ausgebildeten Frauen der Sprung auf der Karriereleiter, aber auch in nicht typischerweise als „weiblich“ geltende Berufe verwehrt bleibt. Mit dem Projekt „Frauen – Stärken – Offenbach“ beschreiten die Stadt und die SOH-Gruppe neue Wege und öffnen Frauen die Türen in eine neue Arbeitswelt.

„Bei Frauenquote assoziieren die meisten gleich die Chefetage“, meint Peter Walther, Geschäftsführer der stadteigenen Unternehmensgruppe Stadtwerke Offenbach Holding (SOH), „allerdings gerät dabei immer der operative Bereich aus dem Blickfeld“.
Immerhin gehören drei Frauen zum siebenköpfigen Führungsgremium der Unternehmensgruppe, - „ohne jede Quote“ – und sind für Walther ein eindrucksvoller Beweis für das Potential von Frauen. Die zudem zunehmend besser ausgebildet und qualifiziert sind als Männer, so Walther weiter.
Daher war es für den Geschäftsführer auch keine Frage, sich an dem vom Frauenbüro initiierten Projekt „Frauen – Stärken – Offenbach“ zu beteiligen. Bis zum Jahr 2014 sollen dabei beim Stadtkonzern und in der Stadt Offenbach mindestens 37 Frauen in gewerblich-technischen Berufen eingestellt werden – zehn davon bei den zwei Konzerntöchtern Eigenbetrieb Stadt Offenbach (ESO) und Entwicklung Erschließung Gebäudemanagement (EEG). Bisher sind zwei Frauen als Hausmeisterinnen bei der EEG und eine Frau als Berufskraftfahrerin bei der ESO angestellt. Die Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) wollen ihre Fahrerflotte von bisher fünf auf fünfundzwanzig Busfahrerinnen aufstocken.
Dass Frauen damit die Chance erhalten, in klassische Männerberufe vorzudringen, nimmt auch Oberbürgermeister Horst Schneider erfreut zur Kenntnis: „Mädchen bleiben bei der Berufswahl meistens bei den „typischen Frauenberufen“ – ohne die Jobperspektiven in gewerblich-technischen Berufen zu kennen. Dem wird das Projekt entgegenwirken.“
Karin Dörr vom Frauenbüro der Stadt berichtet von den zahlreichen Mentoring-Veranstaltungen, die sie bereits durchgeführt hat und dem oft vorherrschenden Urteil, dass Frauen doch gar nicht in Männerberufe wollen. Damit Chancen nicht länger vergeben werden, hat sie sich auf die Suche nach einem passenden Förderprogramm gemacht und über den Zeitraum von drei Jahren 930.000 EURO aus der Bundesinitiative „Gleichstellen – Bundesinitiative für Frauen in der Wirtschaft“ akquiriert. Gemeinsam mit Projektkoordinatorin Ina Sittmann sowie den beiden Projektmitarbeiterinnen Janine Woida und Marina Kasselt will Dörr in den vor ihr liegenden 36 Monaten nicht nur Frauen beim Sprung in neue Berufswelten unterstützen, sondern auch Mädchen über das erweitere Berufswahlspektrum informieren. „Keine Sozialromantik“, sondern es geht ein Stück weit auch darum, so Dörr, „Frauen Umwege in Berufe, die ihnen nicht entsprechen, zu ersparen“.
Dass es viele Frauen gibt, die beim Fahren eines 4-Tonners leuchtende Augen bekommen, weiß auch Ina Sittmann zu berichten. Sie ist seit 15 Jahren in der Personalberatung tätig und freut sich nun auf die vor ihr liegende Aufgabe: „Schließlich gilt es nicht nur, Frauen für die neuen Berufswelten zu begeistern, sondern sie gegebenenfalls auch bei der Qualifizierung zusätzlich zu unterstützen.“
„Wir haben in den letzten Jahren die infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen, aber das selbstgesteckte Ziel bis 2014 sieben Frauen einzustellen, ist durchaus ambitioniert“, meint Uwe Sauer, Leiter der Berufsfeuerwehr. Denn zu den Einstellungsvoraussetzungen bei der Berufsfeuerwehr gehört neben einem Höchstalter von dreißig Jahren und dem Nachweis einer abgeschlossenen handwerklichen Ausbildung unbedingt körperliche Fitness. Aus seiner Erfahrung weiß Sauer daher, dass „weibliche Bewerberinnen in der Regel beim sportlichen Teil scheitern“. Bisher gibt es daher erst eine weibliche Brandmeisterin bei der Berufsfeuerwehr in Offenbach, bei der Freiwilligen Feuerwehr hingegen sind sechs Damen aktiv. Die körperlichen Anforderungen ließen sich nicht verleugnen, meint Sauer, andererseits hätten Frauen in anderen Bereichen doch bereits sehr erfolgreich bewiesen, dass sie in Männerdomänen bestehen. Nach der Polizei und Rettungskräften folgt nun die Berufsfeuerwehr. Interessierte Frauen können die Anforderungen des Sporttests online einsehen, der sich, laut Aussage des Leiters der Berufsfeuerwehr, übrigens durchaus bewältigen lässt.
Das Projekt wird gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, den Europäischen Sozialfond und der Stadt Offenbach.
Bei allen anderen Fragen stehen die Mitarbeiterinnen des Projektteams um Karin Dörr und Ina Sittmann als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung. Kontakt: ina.sittmann@offenbach.de, Tel 8065-4301
Offenbach.de
Stadtwerke Offenbach Holding
Energieversorgung Offenbach AG
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