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Fahrplanansagen für Sehbehinderte auf Knopfdruck

Offenbach, den 03.01.2011, letzte Bearbeitung: 03.02.2012

Trotz einiger Schwierigkeiten wegen der winterlichen Witterung konnten in der letzten Dezemberwoche an der Haltestelle Marktplatz vier neue Ansagegeräte zur akustischen Wiedergabe von Fahrplandaten installiert werden. Diese laufen nun seit 23.12.2010 in einem zunächst zeitlich nicht befristeten Testbetrieb. Während der Testphase wird NiO – Nahverkehr in Offenbach, die für die Installation verantwortlich zeichnet, gegebenenfalls noch technische Angleichungen vornehmen. Mit der Installation verbessert NiO insbesondere für sehbehinderte Menschen den Service an den Haltestellen, denn diese bekommen nun auf Knopfdruck die aktuellen Fahrplandaten vorgelesen.

Die installierten Geräte bestehen aus einem großen gelben Tastenfeld – ähnlich dem an Fußgängerampeln – und einem Lautsprecher, der in etwa die gleiche Größe wie das Tastenfeld hat. Drückt man die Taste, so liest eine elektronisch generierte Stimme die Fahrplandaten vor, die gerade aktuell auf den Anzeigetafeln der DFI (Dynamischen Fahrgastinformation) dargestellt sind. Vorgelesen werden die nächsten Abfahrten der Busse und Bahnen, die genaue Abfahrtszeit in Minuten, die Fahrtrichtung und ab welchem Bussteig die Busse starten.

Damit erhalten blinde und sehbehinderte Menschen die exakt gleichen Informationen wie die übrigen Fahrgäste an den Haltestellen. Die Ansagegeräte sind an die Masten der DFI-Anzeiger montiert und zwar jeweils nach Möglichkeit an der fahrbahnabgewandten Seite, um eine größtmögliche Sicherheit bei der Bedienung der Tasten zu gewährleisten. Derzeit finden die Sehbehinderten die Tastenanlage noch durch ein akustisches Signal, das die Apparatur permanent aussendet. Für einen späteren Zeitpunkt ist nicht ausgeschlossen, dass auch eine Orientierung hin zu den Ansagern mittels der so genannten Blindenleitstreifen realisiert wird. Hierzu werden im Boden weiße und mit einer Riffelung versehene Steine eingelassen. Da der Bereich der Haltestelle Marktplatz aber voraussichtlich in den kommenden Jahren umgestaltet werden soll, hielt NiO es derzeit für nicht sinnvoll, die Blindenleitstreifen schon jetzt einbauen zu lassen. Helene Wenzel, die mit dem Projektleiter Klaus Pormetter und NiO-Geschäftsführerin Anja Georgi, die Ansagen am 23.12. in Betrieb genommen hat, sagt: "Es ist eine sehr gute Sache, dass es für uns Blinde und Sehbehinderte jetzt diese Ansagen am Marktplatz gibt. Das ist ein richtig schönes Weihnachtsgeschenk!"

Bei der Umsetzung der akustischen Ansagen hatte NiO kompetente Unterstützung von der Offenbacherin Helene Wenzel, die selbst blind ist und viel mit den Bussen in Offenbach unterwegs ist. Wenzel konnte dem Unternehmen wertvolle Hinweise in Bezug auf die Verständlichkeit der Ansagen geben, hatte Einfluss auf die Montage der Ansagegeräte an den Display-Masten und stand im Allgemeinen für Rückfragen von NiO mit Rat und Tat zur Seite. Daher gilt ihr auch großer Dank von Seiten der NiO GmbH.

Weitergehende Projektinformationen zu ICMA:
Das EU-Projekt ICMA hat eine Laufzeit von drei Jahren und ist ein Teilprojekt des auf Nordwesteuropa begrenzten Programms INTERREG IVb. Unter dem An-spruch, „Mobilitätslücken“ für speziell ausgewählte Zielgruppen zu schließen und den ÖPNV so einfach und so attraktiv wie möglich zu gestalten, arbeiten im Rah-men von ICMA insgesamt elf Partner aus sieben nordwesteuropäischen Ländern zusammen. Jeder der Partner hat dabei einzelne, lokalspezifische Projekte identifiziert, um die Situation des ÖPNV vor Ort – und damit die individuelle Mobilität jedes einzelnen Bürgers – zu verbessern. Ziel ist es, von den jeweiligen Partnern zu lernen und eine „Wissensdatenbank“ über die Ergebnisse der Projekte zu schaffen. Insgesamt hat ICMA ein Projektvolumen von etwa 7,324 Millionen Euro. Hiervon entfallen auf Offenbach etwa 760.000 Euro, von denen rund 50 Prozent durch die EU getragen werden.


Kontakt für die Presse: Christine Wüst-Rocktäschel, Tel.: 069 / 8 00 58 – 804.