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Dynamische Fahrgastinformation im Bürgerbüro vor

Offenbach, den 20.10.2010, letzte Bearbeitung: 03.02.2012

Im Offenbacher Bürgerbüro wird ab dem 6.Juli eine elektronische Anzeigetafel über die nächsten Bus- und Bahnverbindungen der benachbarten Haltestellen informieren. Angezeigt werden so genannte Echtzeit-Informationen. Hierfür wird der Soll-Fahrplan mit der tatsächlichen Position des Fahrzeugs abgeglichen, wodurch eventuelle Verspätungen ermittelt und abgebildet werden können.

Bereits im vergangenen Jahr startete NiO, die Lokale Nahverkehrsorganisation der Stadt, den Testbetrieb für dynamische Fahrgastinformationssysteme (DFI) mit Echtzeit-Informationen an den zentralen Umsteigestationen in Offenbach – nun wird im Rathaus die erste elektronische Anzeigetafel mit den tatsächlichen Abfahrtszeiten von Bussen und S-Bahnen abseits einer Haltestelle eröffnet.

„Das neue Angebot“, so Bürgermeisterin und Mobilitätsdezernentin Birgit Simon, „trägt einmal mehr unserem Serviceanspruch im Öffentlichen Personennahverkehr Rechnung, denn konkrete Informationen über die nächste Bus- oder Bahnverbindung sind für unsere Fahrgäste schließlich nicht nur an der Haltestelle interessant. So kann die Tafel im Bürgerbüro etwa Auskunft darüber geben, ob bis zur nächsten Verbindung ein Gang in die Stadt lohnt, oder ob sich alternative Verbindungen anbieten.“
Ein schöner Nebeneffekt für Simon: „Ich denke, dass solche Projekte die Attraktivität des ÖPNV in unserer Stadt direkt erhöhen und Menschen zum Umsteigen bewegen können – das kommt dann der Umwelt und der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zugute.

Die Einführung von DFI-Displays an publikumsreichen Orten abseits der Haltestellen ist Teil eines durch die EU geförderten Projektes von NiO, bei dem es darum geht, Mobilitätslücken auf dem ersten und letzten Kilometer der Reise zu schließen. Die Lokale Nahverkehrsorganisation hat sich dabei ganz bewusst die Zielgruppen der älteren und mobilitätseingeschränkten Personen ausgesucht. „Zu Beginn unserer Projektarbeit haben wir eine Seniorenbefragung durchgeführt“ erläutert NiO-Geschäftsführerin Anja Georgi. „So fanden wir heraus, dass sich die Generation über 55 Jahren detaillierte Informationen zu Wartezeiten und Anschlussmöglichkeiten wünscht.“ Zum Beispiel beim Einkaufen oder nach Arztbesuchen. Insgesamt sollen zunächst fünf Displays an öffentlichen Orten aufgestellt werden – zum Beispiel bei der AWO oder im Ringcenter. „Die Displays werden standortbezogen programmiert“ erklärt Anja Georgi. „Neben einer Umgebungskarte mit den umliegenden Haltestellen werden die Abfahrtszeiten an den nächstgelegenen Haltestellen angezeigt.“ So werden auf dem 42 Zoll großen DFI im Bürgerbüro nicht nur die Abfahrtszeiten ab „Rathaus“, sondern auch ab „Marktplatz“ angezeigt. Besucher wissen dann ganz genau, ob sie noch die Zeit für Erledigungen haben. „Natürlich profitieren nicht nur Senioren und Menschen mit eingeschränkter Mobilität von diesem zusätzlichen Service, sondern alle“, freut sich Martina Fuchs, Leiterin des Bürgerbüros. Die Kooperation mit NiO war deshalb auch schnell beschlossen. Die Kosten trägt etwa zur Hälfte die Lokale Nahverkehrsorganisation, die andere Hälfte wird über das EU-Projekt „ICMA“ gefördert. Das Bürgerbüro stellt den Strom und den notwendigen Internetzugang.

Die technische Basis für die Umsetzung von Echtzeit-Anzeigen wurde zunächst in allen Bussen der OVB gelegt. Sie wurden mit einem GPS basierten, so genannten „RBLlight“ System ausgestattet. Das System errechnet sowohl die Position des Busses als auch die Fahrplanlage und ermittelt so die tatsächliche Abfahrts- und Ankunftszeit. Die Daten werden automatisch an die Fahrplanauskunft des RMV übermittelt. Über den Server des RMV werden die Zeiten auf die DFI-Anzeigen übermittelt. Gleichzeitig sind sie über die Fahrplanauskunft im Internet auf www.rmv.de abrufbar. Technischer Partner des Projektes ist SoliDat. Die Firma aus Rödermark stellt die Displays, Technik und Software zur Verfügung. Während der zunächst auf zwei Jahre angelegten Laufzeit übernimmt SoliDat auch die Wartung der Anzeigetafel. Nach rund der Hälfte der Laufzeit soll eine erneute Bürgerbefragung Klarheit über den Service und die Funktionalität des DFI bringen.

Weitergehende Projektinformationen:
Das EU-Projekt ICMA hat eine Laufzeit von drei Jahren und ist ein Teilprojekt des auf Nordwesteuropa begrenzten Programms INTERREG IVb. Unter dem Anspruch, „Mobilitätslücken“ für speziell ausgewählte Zielgruppen zu schließen und den ÖPNV so einfach und so attraktiv wie möglich zu gestalten, arbeiten im Rahmen von ICMA insgesamt elf Partner aus sieben nordwesteuropäischen Ländern zusammen. Jeder der Partner hat dabei einzelne, lokalspezifische Projekte identifiziert, um die Situation des ÖPNV vor Ort – und damit die individuelle Mobilität jedes einzelnen Bürgers – zu verbessern. Ziel ist es, von den jeweiligen Partnern zu lernen und eine „Wissensdatenbank“ über die Ergebnisse der Projekte zu schaffen. Insgesamt hat ICMA ein Projektvolumen von etwa 7,324 Millionen Euro. Hiervon entfallen auf Offenbach etwa 760.000 Euro, von denen rund 50 Prozent durch die EU getragen werden.