Mobil im besten Alter - 2. Seniorenschulung von NiO mit reger Beteiligung
Offenbach, den 18.06.2010, letzte Bearbeitung: 14.10.2010Pünktlich zur Kaffeezeit im Offenbacher Anni-Emmerling-Haus versammelten sich am vergangenen Donnerstag, den 8. April, fast zwei Dutzend rüstige Damen und Herren. Kaffee und Kuchen gab es selbstverständlich. Das Besondere war die Ankündigung einer „Senioren Busschule“, veranstaltet von Offenbachs Loka-ler Nahverkehrsorganisation NiO. 15 Anmeldungen hatten Uwe Schick und Ri-chard Steckelberg im Vorfeld, die sich letzten Herbst im Rahmen des Projektes „Senioren schulen Senioren“ von NiO zu ehrenamtlichen Trainern ausbilden lie-ßen. 23 Interessierte saßen letztlich vor ihnen, als sie ihre erste praktische
Übung ableisteten. Überrascht hat die rege Teilnahme Uwe Schick nicht – und von Nervosität war ohnehin keine Spur: „Für mich ist das hier so etwas wie ein Heimspiel“, erzählt der 68-jährige Offenbacher. Schon seit geraumer Zeit ist er im Anni Emmerling Haus – ebenfalls ehrenamtlich – aktiv und betreut dort auch eine Bewohnerin. Er kennt „seine Pappenheimer“.
Einfühlsam und kenntnisreich
„Für uns war es wichtig, Identifikationspersonen für die Schulung älterer Men-schen zu finden“, erklärt Anja Georgi, Geschäftsführerin der NiO das Konzept von ‚Senioren schulen Senioren’, das sie letztes Jahr als Teil eines EU-Projektes für Menschen ‚55+’ ins Leben gerufen hat. Ziel der Senioren Busschule ist es, „Menschen im besten Alter“, wie Anja Georgi ihre Zielgruppe nennt, die Scheu vor der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu nehmen und ihnen einen siche-ren Umgang zu zeigen.
„Wenn man es richtig macht“, so erklärte es dann auch Uwe Schick, „kann man die Öffentlichen auch wenn man älter wird noch gut nutzen“. Er, der sich selbst „zum alten Eisen“ zählt, bot sich einfühlsam und kenntnisreich immer wieder zur Identifikation an und gab den Herrschaften zunächst in der Theorie, später in der Praxis wertvolle Tipps: Welche Fahrscheine bieten sich besonders an für ältere Menschen? Das 9 Uhr Ticket zum Beispiel, weil es rund 20 Prozent günstiger ist als eine normale Wochen- oder Monatskarte. Richard Steckelberg hob aus eigener Überzeugung das „Hessen-Ticket“ hervor, das sich bei weiteren Ausflügen schon für zwei Personen lohne.
Auch klärte Uwe Schick auf, welche Fahrkarten wo gekauft werden können, verwies an Busfahrer und die Mobilitätszentrale, gab aber auch Ratschläge für den Umgang mit dem Fahrkar-tenautomaten, „der für meine Begriffe seine Tücken hat“, wie Schick augenzwinkernd eingestand. Er verwies auf Extra-Plätze im Bus für Menschen mit einem Rollator. Später zeigte er am praktischen Beispiel, wie es sich mit der Gehhilfe am sichersten einsteigen lässt: Nämlich rückwärts.
Dass die Teilnehmer zum Teil schon durchaus rege Nutzer des Offenbacher Nahverkehrs sind, zeigten die Nachfragen, Bedenken und Anmerkungen. Ängste vor Busfahrern, die schon losfahren bevor ein Platz eingenommen ist und Ärger über solche, die mit den Bussen nicht korrekt an die Haltestelle vorfahren, damit ein barrierefreier Einstieg auch wirklich möglich ist, wurden vom ebenfalls anwesenden NiO-Mobilitätsberater Henryk Kata ernst genommen und notiert. „Wir werden die Busfahrer bei den jährlichen Schulungen noch besser darauf sensibilisieren müssen“, war sein Versprechen.
Er riet den 20 Damen und drei Herren aber auch, sich bei konkreten Beschwerden über einen Fahrer oder einen Vorfall die Nummer des Busses, die Uhrzeit und am besten noch den Namen des Fahrers zu merken und dann telefonische der Mobilitätszentrale zu melden: „Nur dann kön-nen wir den betreffenden Fahrer gezielt ansprechen“, so Kata.
Lehrreich in Theorie und Praxis
Auch wenn einige der anwesenden Damen fast schon Profis im Öffentlichen Nahverkehr waren, war der Nachmittag selbst für sie „sehr interessant“. Den meisten Mehrwert aber hatten natürlich diejenigen mit bis dato weniger Berüh-rungspunkten. Ein Herr, stolze 86 Jahre, nahm die Gelegenheit wahr, sich nach Alternativen zu seinem Auto zu informieren. „Letztes Jahr“, so erzählt er, habe ihn seine Tochter eindringlich gebeten, zumindest keine weiten Strecken mehr alleine zu fahren. Da war er noch in Österreich. „Ich muss doch wissen wie ich vorwärts komme und was wie funktioniert“, sagt er, „immerhin war ich mein gan-zes Leben in der ganzen Welt unterwegs.“ Besonders gut finde er, dass er mit der Busschulen-Broschüre noch etwas zum Nachlesen in die Hand bekommen hat. Mit etwas Glück entdeckt er vielleicht tatsächlich demnächst Bus und Bahn als Alternative zu seinem geliebten Auto.
Interessiert Personen oder Gruppen können sich bei Henryk Kata in der Mobilitätszentrale für eine Senioren-Busschule anmelden. Telefon: 0 69 / 80 05 88 00
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