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Hafen 2 eröffnet neues Programmkino

Offenbach, den 07.09.2010

Nach einer erfolgreichen Open-Air Kino-Saison eröffnet am 1. Oktober das Hafenkino im Hafen 2. Das Programmkino bietet dann jeden Freitag außergewöhnliche Filme. Der gemeinnützige Verein „suesswasser e.V – Kunst und Kultur im Hafen Offenbach“ hat sich nach reiflicher Überlegung entschieden, das vielfältige Angebot des Offenbacher Kulturbetriebs um eine Facette zu ergänzen. Nachdem das Hafen 2 Open Air Kino in den vergangenen Jahren zu einer festen Institution im sommerlichen Offenbach avancierte, gab der besondere Erfolg dieses Sommers den Ausschlag, den Filmbetrieb auch auf die kalten Monate auszuweiten.

Im Hafen 2 eröffnet das Programmkino am 1. Oktober.
Im Hafen 2 eröffnet das Programmkino am 1. Oktober.

Besonders erfreulich war die Vielfalt des Publikums: Gäste jeden Alters kamen, und dank der heterogenen Filmauswahl fühlten sich verschiedenste Zielgruppen eingeladen. Nun geht es an den Ausbau der Werkstatt-Halle, um Kinoatmosphäre im ehemaligen Lokschuppen zu kreieren. Das Vorhaben ist ehrgeizig: Es geht nicht nur darum, ein paar Filme vorzuführen, sondern ein Programmkino in Offenbach zu etablieren. Der Kinosaal wird viele bequeme Sessel haben, die Raumakustik wird adäquat modifiziert und eine neue, große Projektionsleinwand installiert.

Ziel ist ein Filmerleben abseits der Blockbuster-Maschinerie, das geprägt ist von der Intimität und der Aura eines besonderen Ortes, der eines Programmkinos. Ein Ort, der dazu einlädt, Filme wieder und neu zu entdecken und der die Cinephilie als Kulturtechnik zu entfachen imstande ist.

Der Eröffnungsabend des Hafenkinos bietet am Freitag, 1. Oktober, ab 19 Uhr Livemusik und allerlei Festlichkeiten. Als Eröffnungsfilm ist „Ich und du und alle, die wir kennen“ zu sehen. Im Folgenden stellt Daniel Brettschneider, der für die Auswahl verantwortlich ist, die einzelnen Filme vor:


Das Programm im Überblick

Ich und du und alle, die wir kennen 01.10.2010
(Hafenkino-Eröffnungsabend! Beginn bereits um 19:00 Uhr, Filmstart ca. 20:30 Uhr)
Die Entscheidung über den Eröffnungsfilm; sie erwuchs beinah zur Glaubensfrage.
Womit beginnen wir das Hafenkino, welcher Film drückt denn am ehesten aus, was wir hiermit verbinden? Etwas klassisch-zeitloses, oder doch mal wieder Cinema Paradiso und die Hommage an die magische Unschuld des Kinoerlebens? Oder doch im Zweifel für Truffaut?
Im Zweifel für den Zweifel: Ich und du und alle, die wir kennen! Weil mutiges, frisches, bezaubernd sanftes Kino so viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Entrückte Alltagspoesie von Miranda July also; für uns und für Sie und für alle, die wir kennen. Ein Eröffnungsabend mit Livemusik von der bezaubernden Tess Wiley und anschließender Partysause: Hafenkino, es kann losgehen!
(Me and you and everyone we know, Miranda July; USA/UK 2005, 91 Min.)

Brokeback Mountain 08.10.2010
Die Sache mit den schwulen Cowboys... oder eben auch: Ang Lees Meisterstück, Einsamkeit, Sehnsucht und Leidenschaft ohne Pathos, anrührend, einfühlsam und doch rätselhaft magisch zu inszenieren. Die Darstellung dieser Liebesbeziehung, das ist Kinokunst in epischer Breite. Lee seziert mit konventioneller Erzählstruktur den tragischen Widerspruch zwischen der Weite des Landes und dem Mangel an Freiheit des Einzelnen. All das ist zeitgemäß und von universeller Gültigkeit.
(Brokeback Mountain, Ang Lee; CAN/USA 2005, 134 Min.)

Brügge sehen...und sterben 15.10.2010
Nichts Neues mehr im Auftragskiller-Genre? Ein Irrtum! Brügge sehen...und sterben gelingt durch Innovation, Mut, Witz und einem Hang zum Fantastischen eine außergewöhnliche Neubelebung. Seit Fargo hat es nicht mehr so viel Spaß gemacht, Killern bei ihrem Handwerk zuzuschauen. Und dann der ständig wechselnde Tonfall: mal kongenial schwarzhumorig, dann absurd existenzialistisch und schließlich surreal grotesk. Ein einziges Vergnügen. Und eine Hauptdarstellerin, deren Magie man restlos ausgeliefert ist: Brügge!
(In Bruges, Martin McDonagh; UK/USA, 107 Min.)

Die Klavierspielerin 22.10.2010
Haneke ist bei uns ja immer vertreten. Weil er durchweg Filme schafft, die wichtig sind.
Weil er den Betrachter zu einer Auseinandersetzung zwingt. Weil er ein Nachdenken evoziert, das weit nach Filmende wirksam wird. Und hier kommt noch dazu: Isabelle Huppert mit einer Schauspielleistung, für die einem die Worte fehlen. Das wird dann wohl kein sonderlich entspannter Freitagabend... muss ja nicht immer.
(La Pianiste, Michael Haneke; AUT/FRA/GER 2001, 131 Min.)

Die Royal Tenenbaums 29.10.2010
Endlich mal wieder gute Komödien: Wes Anderson (Die Tiefseetaucher, Darjeeling Limited) versteht es als einer der wenigen, Details genau zu beobachten, Drama und Komödie subtil zu verbinden und diese dann auch exzellent zu besetzen. Gene Hackman, Bill Murray und Ben Stiller ragen hier in einem glänzend harmonierenden Ensemble heraus. Die Royal Tenenbaums, das ist das besondere Porträt einer kuriosen Sippe: skurril, charmant, dramatisch. Ein Familienfilm eben.
(The Royal Tenenbaums, Wes Anderson; USA 2001, 110 Min.)


Mulholland Drive – Straße der Finsternis 05.11.2010 (Filmbeginn um 22:00 Uhr!)
Selbst im Lynch-Kosmos nimmt Mulholland Drive eine ästhetische Sonderstellung ein.
Wir zeigen das Meisterwerk zu etwas späterer Stunde noch einmal auf der großen Leinwand – und da gehört es definitiv auch hin.
(Mulholland Dr., David Lynch; USA/FRA 2001, 141 Min.)

Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben 12.11.2010
Stanley Kubricks Atomkriegs-Satire ist immer noch der radikalste, respektloseste und treffsicherste Filmbeitrag zu diesem Thema. Das Wettrüsten als Farce – und dank Peter Sellers auch als ein ganz großes Vergnügen!
(Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb, Stanley Kubrick; UK 1964, 93 Min.)

Der unsichtbare Dritte 19.11.2010
Bei Hitchcocks Meilenstein reicht manchmal auch ein Satz:
„Die Summe aller filmischen Erfahrungen.“ (François Truffaut)
(North by Northwest, Alfred Hitchcock; USA 1959, 131 Min.)

Tödliches Kommando - The Hurt Locker 26.11.2010
Selten hat die Oscar-Akademie weiser entschieden, als in dem Vorzug von Kathryn Bigelows minimalistischem Irak-Kriegsfilm The Hurt Locker gegenüber des Avatar-Spektakels als Film des Jahres 2009. Bigelows Darstellung des Kriegs als energetische Droge, die jede politisch-moralische Stellungnahme vermeidet, ist auch eine Liebeserklärung an den Ort des Filmerlebens selbst, den des Kinos. Nur hier wirkt ihr Werk so unmittelbar, die Spannung lässt sich körperlich erfahren. Insofern gelingt der Regisseurin Beachtenswertes: das Actiongenre erfährt eine Wiederbelebung durch cineastische Rückbesinnung. Mit den Mechanismen des traditionellen, von Machoismen durchtränkten Actionkinos gelingt hier eine beeindruckend neuartige filmische Reflexion über den Alltag des Krieges.
(The Hurt Locker, Kathryn Bigelow; USA 2008, 131 Min.)

Der Stadtneurotiker 03.12.2010
Der Inbegriff dessen, was Woody Allen ausmacht: durch das brillante Changieren zwischen Heiterkeit, Ironie und tragikomischem Witz gehört Der Stadtneurotiker zum Klassiker moderner Filmkomik. Er bleibt damit wohl noch etwas längere Zeit unerreichtes Vorbild sämtlicher Beziehungskomödien. Die Schnittstelle zwischen Komik und Tragik wurde selten auf so sympathisierend-sarkastische Weise ausgelotet. Und in Anlehnung an John Waters gilt doch auch hier der Ratschlag: „Schlafen Sie mit niemandem, der diesen Film nicht liebt!“
(Annie Hall, Woody Allen; USA 1977, 93 Min.)

There Will Be Blood 10.12.2010
Es ist so viel über Andersons Mammutwerk geschrieben worden. Von einer Parabel auf den Kapitalismus bis hin zu dem Entwurf der Entstehung Amerikas reichten die Interpretationsansätze. Hier nur so viel: Andersons Geschichte dreht sich um Kirche, Kapital, Öl und Blut. Es sind wohl Elemente wie die Ruhe im Erzählen, die Zeit für die Figuren, die Präzision der Bildkomposition und der latent desillusionierende Unterton, die hier fast beiläufig eine neue Hollywood-Ära einläuten. Dank der Meisterleistung von Daniel Day Lewis – hier auf dem Zenit seiner Karriere – zählt There Will Be Blood bereits jetzt zu einem Klassiker des amerikanischen Kinos. Oder um es mit Georg Seeßlen zu sagen: „Es sind Filme wie dieser, die das Kino zu einem wichtigen Ort machen. Immer noch, trotz alledem und mehr denn je.“
(There Will Be Blood, Paul Thomas Anderson; USA 2007, 158 Min.)

Dirty Dancing 17.12.2010
„Es tut mir leid wenn ich euch störe, Leute, aber ich tanze immer den letzten Tanz der Saison.“
(Dirty Dancing, Emile Ardolino; USA 1987, 105 Min.)


Hafenkino
Programmkino im Kulturzentrum Hafen 2
Hafen 2a
63067 Offenbach
ein Projekt des suesswasser e.V.
Theaterleitung und Filmauswahl: Daniel Brettschneider
Tel. 069 98 55 85 11 (täglich außer montags 11 bis 20 Uhr)
www.hafen2.net  

Das Hafenkino öffnet jeden Freitag. Vom 24.12.2010 bis einschließlich 21.01.2011 finden wegen der alljährlichen kurzen Winterpause des Hafen 2 keine Vorführungen statt.

Da es den organisatorischen Rahmen sprengen würde, gibt es keine Tickets im Voraus oder Reservierungen, sondern nur Abendkasse, die jeweils um 19 Uhr 30 öffnet. Seltene Ausnahmen (das Eröffnungsfest sowie der 05.11.2010) sind im Programmheft sowie auf der Homepage www.hafen2.net vermerkt.

Eintritt 5 Euro, Einlass 19:30 Uhr, Filmbeginn 20:00 Uhr.
(Ausnahmen: Ich und du und alle, die wir kennen ca. 20:30 Uhr; Mulholland Drive 22:00 Uhr)