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Hafensymposium 2011 zum Standortfaktor Bildung

Offenbach, den 22.08.2011

Dem Thema „ Standortfaktor Bildung – Bildungseinrichtungen im Kontext von Stadt- und Quartiersentwicklung“ widmete sich das diesjährige Hafensymposium am Dienstag, 16. August, in Offenbach. Rund 50 Teilnehmer verfolgten interessiert die Podiumsveranstaltung im Hafen 2, die bereits zum 9. Mal stattfand. In ihren Impulsbeiträgen arbeiteten die Referenten heraus, dass Bildungseinrichtungen bei der Entwicklung von städtischen Quartieren eine wesentliche Rolle spielen.

Hafensymposium 2011

„Bildung ist ein ganz wichtiger Punkt für die Entwicklung des neuen Quartiers im Hafen“, betonte zum Auftakt Daniela Matha, Geschäftsführerin der OPG Projektentwicklungsgesellschaft mbH und der Mainviertel Offenbach GmbH & Co. KG. So entstehe im 1. Bauabschnitt bis 2014/15 eine modellhafte, vierzügige Grundschule mit angeschlossener Kita. Wesentliche Impulse verspricht sich Matha auch von der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG), für die voraussichtlich ab 2015 ein Neubau auf dem Hafenareal realisiert wird. „Wissen wird von urbaner Qualität angelockt – und Wissen kann urbane Entwicklung fördern.“

Die HfG möchte sich im Hafen neu erfinden – und weiter öffnen
Wie Daniela Matha hob auch Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider in seinem Grußwort hervor, dass die neue Schule als „Scharnier“ diene, um das Nordend mit dem angrenzenden Hafen zu verbinden. „Die Einrichtung wird die Goetheschule im Nordend entlasten und viele Menschen ins neue Quartier locken.“ Auch HfG-Präsident Prof. Bernd Kracke freut sich schon auf die Möglichkeiten am Hafen: „Die Standortverlagerung ist ein Jahrhundertprojekt – sie bietet uns die Chance, die Hochschule neu zu erfinden.“

Was der Umzug für die HfG bedeutet, konkretisierte Prof. Kai Vöckler, der dort die Stiftungsprofessur „Kreativität im urbanen Kontext“ inne hat, in seinem Vortrag "Hochschule und Stadt". Ziel sei eine „wegweisende Neukonzeption“, die international ausstrahle und gleichzeitig lokal deutlicher sichtbar werde. Die Diskussion darüber, was der Neubau im städtischen Kontext bedeute, beschäftige Studierende wie Lehrende intensiv: Wie definiert sich das Raumprogramm - und der Campus? Welche Verknüpfungen zum Umfeld können sich ergeben? Wie nutzen wir die „HfG 21“ als Brutstätte für Kreativität – und für Neuansiedlungen im Kreativsektor? „In jedem Fall möchten wir einen positiven Beitrag zur städtischen und regionalen Entwicklung leisten“, unterstrich Vöckler.

Frauke Burgdorff: Bildung ist die Basis unserer Gesellschaften
Dass Bildungseinrichtungen keine in sich geschlossenen Systeme sind, zeigte auch Frauke Burghoff, Leiterin der Montag Stiftung Urbane Räume, in ihrem Beitrag zum Thema "Bildung und Stadt". Vielmehr sei Bildung „die Basis unserer Gesellschaften“: Bildungseinrichtungen könnten zur Chancengleichheit, zur Identität und sogar zum Anstieg der Bodenpreise beitragen: „Die Debatte um Bildungsstandorte ist eine gesamtgesellschaftliche Debatte“, betonte Burgdorff und verdeutlichte dies anhand von Beispielen wie der Bildungsoffensive Elbinsel in Hamburg. Dort entsteht im sozial schwachen Stadtteil Wilhelmsburg unter anderem ein Bildungszentrum, das verschiedene Schulformen, Kita und VHS vernetzt.
Burgdorffs Fazit: „Lern- und Erfahrungsräume für morgen entstehen in einer Kultur der Kooperation.“ Damit eine Bildungseinrichtung die gewünschten Ziele auch erreiche, seien eine solide Bestandsaufnahme und eine strategische, transparente Planung aller Beteiligten erforderlich.

Dr. Marcus Gwechenberger: Aktive Bildungspolitik als Schlüssel für positive Zukunft
Beispiele aus der Nationalen Stadtentwicklungspolitik, einer Initiative des Bundes, präsentierte Dr. Marcus Gwechenberger von der Proprojekt Planungsmanagement & Projektberatung GmbH. Dabei stellte er Bildung als Motor, als den entscheidenden Antrieb für die Quartiersentwicklung insgesamt dar. Gerade in benachteiligten Stadtvierteln – aber nicht nur dort – erweise sich aktive Bildungspolitik als Schlüssel für eine positive Zukunft. Daher sollten Schulen nicht nur als Bildungs-, sondern auch als Stadtteileinrichtungen verstanden werden. „Stadtentwicklungs- und Bildungsplanung gehören zusammen“, sagte Gwechenberger. Es gelte, Grenzen zu überwinden und voneinander zu lernen.

Urs Löffelhardt: Popakademie bremste Abwärts-Trend im Stadtteil
Abschließend veranschaulichte Urs Löffelhardt, Partner von motorplan Architektur + Stadtplanung, den Einfluss von Musikpark und Popakademie in Mannheim auf die Entwicklung des angrenzenden Stadtquartiers Jungbusch. Nach sorgfältiger Planung entstanden die beiden Kreativ-Einrichtungen an einem Verbindungskanal im Hafengelände. Der Anspruch lautete, die Stadt näher ans Wasser zu bringen – und den Abwärts-Trend des Stadtteils Jungbusch zu stoppen. Beides ist gelungen: Neue Freiräume entstanden, die boomende Popakademie wird erweitert, nebenan ist ein Zentrum für Kreativwirtschaft in Planung, das Quartier zeigt sich „stärker sozial gemischt“.

In der Diskussionsrunde am Ende des Symposiums, das wieder die FAZ-Redakteurin Mechthild Harting moderierte, ging es unter anderem darum, wie weit Bildungseinrichtungen ihre Räume für andere Gruppen öffnen können. Mainviertel-Geschäftsführerin Daniela Matha kündigte an, dass in der Grundschule mit Kita im Hafen auch ein Stadtteilbüro geplant sei. Weitere Details und der Sieger des internationalen Realisierungswettbewerbs für die Schule werden am Freitag, 19. August, bekanntgegeben.

Das Symposium der für das Hafen-Projekt verantwortlichen Mainviertel Offenbach GmbH & Co. KG, einer Tochtergesellschaft der Stadtwerke Offenbach Holding GmbH (SOH), fand in diesem Jahr in Kooperation mit der Hochschule für Gestaltung statt. Es war auch eingebunden in die Veranstaltungsreihe Architektursommer Rhein Main 2011.