Symposium 2006 "Wie entsteht Zukunft? Neue Impulse in der Standortentwicklung“
Offenbach, den 01.03.2007, letzte Bearbeitung: 13.08.2008Resumée.
Wie entsteht Zukunft? Und wie manifestiert sich die Fähigkeit „Zukunft zu denken“ in Stadtentwicklung und Standortmarketing? Rund 65 Gäste fanden sich am 19. September 2006 zum Fachsymposium „Wie entsteht Zukunft? Neue Impulse in der Standortentwicklung“ im Hafen Offenbach ein, um diese Fragen mit namhaften nationalen und internationalen Experten aus Zukunftsforschung und Stadtplanung zu diskutieren. Joachim Böger, Geschäftsführer der Stadtwerke Offenbach Holding und verantwortlich für das Projekt Hafen Offenbach, begrüßte als Gastgeber die zahlreich erschienenen Teilnehmer aus Immobilienszene, regionaler Wirtschaft und Politik im Café Hafen 2 im ehemaligen Lokschuppen der Hafenbahn. Als eines der wichtigsten Stadtentwicklungsvorhaben im Rhein-Main-Gebiet bot das Projekt Hafen Offenbach damit zum vierten Mal eine Plattform für einen hochkarätigen Gedankenaustausch.
„Von dem auf dem Hafengelände entstehenden neuen Stadtteil werden einmal Impulse für die Stadt Offenbach und die ganze Region Rhein-Main ausgehen. Das wollen wir auch heute schon signalisieren – zum Beispiel mit einer spannenden Fachveranstaltung wie dieser“, machte Böger deutlich. Ein Beleg für den erfolgreichen Wandel der Stadt Offenbach hin zu einem modernen und zukunftsfähigen Standort, wie auch Horst Schneider ausführte. Der seit Beginn des Jahres amtierende Offenbacher Oberbürgermeister, der dem Projekt Hafen Offenbach bereits in seiner vorherigen Funktion als Bau- und Planungsdezernent verbunden war, begrüßte gemeinsam mit Böger die Symposiumsgäste.
Die Veranstaltung stand im Zeichen der Einschätzungen und Ansätze zweier renommierter Referenten. Sie eröffneten unterschiedliche Perspektiven und zeigten, wie Zukunft antizipiert und wie sie erfolgreich in Projekte umgesetzt werden kann.
- Axel Liebetrau, Associate, FutureManagementGroup AG: „Zukunft erkennen und gestalten – Trends, Themen und Technologien im Bereich Wohnen und Arbeiten“,
- Kari Raina, Geschäftsführer, Art and Design City Helsinki Oy Ab: „Arabianranta and Helsinki Virtual Vilage – a place for creative people and creative industries”.
Im Anschluss an die Vorträge stellten sich die beiden Referenten gemeinsam mit Böger im Rahmen einer Podiumsdiskussion auch den interessierten Fragen des Publikums. Auf dem Podium vertreten waren darüber hinaus:
- Karin M. Klossek, Expertin für Markenführung und Standortmarketing sowie
- Prof. Dr. Martin, Wentz ehemaliger Frankfurter Baudezernent, Honorarprofessor, Publizist und heute Inhaber einer eigenen Projektentwicklungs- und Beratungsgesellschaft.
Moderiert wurde die Veranstaltung von der FAZ-Redakteurin Mechthild Harting.
Zentrale Thesen und Inhalte der Referenten
Einen besonderen Blickwinkel eröffnete im Auftaktvortrag Axel Liebetrau. Aus der Perspektive des Zukunftsmanagers berichtete er, welchen Trends und Zukunftsfaktoren im Bereich Arbeiten und Wohnen sich die Standortentwicklung zukünftig stellen muss, aber auch mittels welcher Methoden Zukunft erkannt und gestaltet werden kann. „Heute kleine Veränderungen können in der Zukunft große Auswirkungen haben“, so Liebetrau. Zukunft gut zu managen heiße also, Annahmen optimal zu managen. „Zukunftsradar“, so lautet denn der Name des von Liebetrau präsentierten Zukunftsmanagement-Systems, das fünf verschiedene Sichtweisen auf die Zukunft zu einem Zukunftsbild zusammensetzt.
Mit einem anschaulichen Beispiel illustrierte der Zukunftsmanager seine Thesen: „Empathie, das heißt, das sich Hineinfühlen in eine Zielgruppe, ist eine gute Methode, auch in gesättigten Märkten zukünftig innovative Konzepte zu platzieren.“ Dies belegte Liebetrau mit einem Projektbeispiel aus Amsterdam, bei dem die Entwickler die Wohnbedürfnisse der hohen Zahl zerstrittener Eltern in der Stadt antizipiert und mit Erfolg bedient hatten. Während die Eltern jeweils einen völlig separaten Trakt bewohnen, liegt das Kinderzimmer genau in der Mitte zwischen den Eltern-Wohneinheiten und ist so für beide Elternteile gleichermaßen zugänglich.
Im zweiten Vortrag des Nachmittags präsentierte Kari Raina, wie sich die Fähigkeit Zukunft zu denken in der Standortentwicklung der finnischen Hauptstadt bereits materialisiert. Gemeinsam mit der Stadt Helsinki plant er den – ebenso wie der Hafen Offenbach am Wasser gelegenen – Stadtteil Arabianranta zu einem der führenden Standorte für Design und Technologie im Ostseeraum zu entwickeln. Im Jahr 2010 sollen rund 13.000 Studenten an verschiedenen Technologie- und Design-Fakultäten studieren, 10.000 Bewohner die neuste digitale Technik nutzen können und 300 Unternehmen mit circa 8.000 Mitarbeitern modernste Standortbedingungen vorfinden.
„Im Helsinki Virtual ViIlage finden die modernsten Konzepte von E-Governance über mobile Kommunikation und Bürgerpartizipation Anwendung. Zukunft, die unter Laborbedingungen entsteht“, so Raina über das europaweite Vorreiterprojekt. Seine These: „Ein neuer Stadtteil, der für Wirtschaftsansiedelungen attraktiv sein will, braucht ein übergeordnetes Thema.“ In Arabianranta sei dies durch die generelle Affinität Helsinkis zum Thema Design gut gelungen. Als Wohnstandort lebe ein neuer Stadtteil außerdem von der Entstehung einer lebhaften Community. Auch hier sorgen die finnischen Stadtentwickler vor: Sogenannte E-Housemanager bringen bereits vor Fertigstellung der Wohnungen die neuen Nachbarn zusammen und fördern so die frühzeitige Identifikation der Einwohner mit ihrem Viertel.
Ergebnis der Podiumsdiskussion und Fazit
„Zukunft denken, das ist gerade in der Standortentwicklung eine Frage der Haltung.“ Nur durch die Bereitschaft zu Offenheit und Austausch könnten die zukünftigen Erwartungen von Bürgern und Investoren erfüllt werden, zog Joachim Böger sein persönliches Fazit der Symposiumsveranstal¬tung. Das hätten nicht nur die eindrucksvollen Experten-Vorträge, sondern auch die lebhafte Podiumsdiskussion im Anschluss und die zahlreichen Fragen aus dem Publikum gezeigt.
Wichtige Impulse setzten in der Diskussion auch Prof. Dr. Martin Wentz und Karin M. Klossek, die das Podium vervollständigten. Egal ob Schokoriegel oder Immobilienprojekt: Die Markenexpertin in der Runde machte deutlich, dass Standorte heute ebenso im Wettbewerb miteinander stünden, wie das aus der Konsumgüterbranche hinlänglich bekannt sei.
Wentz, der als Planungsdezernent in Frankfurt maßgeblich die Idee des „Wohnen am Wasser“ mit vorangetrieben hatte, reklamierte denn auch, worin sich alle Diskutanten einig waren: „Stadtentwickler müssen Visionen haben, die die Menschen mitnehmen. Schließlich werden Städte für die Menschen gebaut.“ Gerade bei langfristigen Projekten sei dies unabdingbar. Der Hafen Offenbach könne so zum zentralen Projekt für die Stadt werden. Darüber hinaus empfahl der erfahrene Stadtplaner bei der Entwicklung visionärer Projekte insbesondere auf eine hohe Qualität des öffentlichen Raums zu achten.
Mit Blick auf das Projekt Hafen Offenbach fasste Böger zusammen, das Image einer Stadt wie Offenbach müsse sich aus seinen Potenzialen heraus entwickeln und könne nicht auf dem Papier entworfen werden. „Als Projekt Hafen Offenbach sind wir Teil dieses fließenden Prozesses und Treiber zugleich.“ Eine ganz spezielle Vision offenbarte schließlich mit einem Augenzwinkern der Gast aus Finnland: „Wie wäre es mit einer Hausboot-Flotte am Hafen Offenbach?“
Über das Projekt Hafen Offenbach
Neue Wohndimensionen im Hafen Offenbach
Das Projekt Hafen Offenbach gehört zu den bedeutendsten Bauvorhaben der Region Rhein-Main. Auf dem 320.000 qm großen Gelände wird ab 2007 ein neues Stadtviertel direkt am Main entstehen. Bis zu 10.000 neue Arbeitsplätze und Wohnraum für etwa 1.000 Menschen sollen auf dem Gebiet im Norden der Stadt geschaffen werden. Rund 300.000 qm (BGF) für Büro- und Dienstleistung, Einzelhandel, Gastronomie, Hotels und Wohnraum werden das neue Gesicht in Richtung Frankfurt prägen.
Der erste Bauabschnit nimmt Gestalt an
Konkrete Planungen und Visualisierungen für die erste von insgesamt drei Entwicklungsstufen liegen vor. Der erste Bauabschnitt wird im Osten des Hafens realisiert. Auf Basis des verab-
schiedeten Rahmenplans sehen die Projektentwickler hier vier Nutzungsbereiche vor: Wohnraum, eine Mischung aus Wohnen und Arbeiten, ein Nahversorgungszentrum und einen Businesspark. Das attraktive Gesamtareal ermöglicht die Entwicklung visionärer Wohn-
modelle, die der zukünftigen „Stadt in der Stadt“ einen eigenen Charakter verleihen und die neusten Erkenntnisse qualitativer Stadtplanung einbeziehen.
Insgesamt sind die Planungen für die erste Entwicklungsstufe sehr weit fortgeschritten: Mit der Umsetzung kann jederzeit begonnen werden, wenn Investoren dafür das Signal geben. So läuft bereits das Investoren-Auswahlverfahren für das Nahversorgungszentrum.
Intelligente Zwischennutzung: Freizeit, Kultur, Wissenschaft
Bereits heute ist das Gebiet im Norden Offenbachs sehr beliebt. Dazu trägt ein Zwischen-
nutzungskonzept mit einem Dreiklang aus Freizeit, Kultur und Wissenschaft bei. Neben dem größten Beach-Club im Rhein-Main-Gebiet ziehen u. a. eine Galerie und ein Café mit angeschlossenem Clubhaus Besucher in den ehemaligen Industriehafen.
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Stadtwerke Offenbach Holding
Energieversorgung Offenbach AG
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