"Elektromobilität: Von der Euphorie zur praktischen Umsetzung"
Offenbach, den 06.12.2011, letzte Bearbeitung: 03.02.2012Am Ende der Veranstaltung der Projektleistelle Elektromobilität der Modellregion Rhein-Main steht ein positives Fazit der abgeschlossenen Förderphase und der Blick in eine tatkräftige Zukunft.
Am Montag, 5.12.2011 lud die Regionale Projektleitstelle Elektromobilität der Modellregion Rhein-Main zu einer großen Veranstaltung mit dem Titel "Elektromobilität: Von der Euphorie zur praktischen Umsetzung" nach Offenbach am Main. Unter Teilnahme des Staatssekretärs Rainer Bomba vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und anderen ebenfalls hochkarätigen Diskutanten und Referenten wurde im Verlauf der Veranstaltung ein durchweg positives Fazit der vergangenen Förderperiode gezogen: Im Zeitraum zwischen August 2009 und September 2011 konnten alle 15 avisierten Demonstrationsvorhaben der Projektpartner in der Region Rhein-Main umgesetzt werden.
"Diese Bilanz," so Rainer Bomba "macht mich mehr als zufrieden. Die 15 umgesetzten Projekte", so Bomba weiter, "geben einen guten Überblick über das weite Spektrum der Möglichkeiten, die sich mit dem Engagement in die Elektromobilität bieten. Die Modellregion Rhein-Main hat es geschafft, eine Vielzahl von unterschiedlichen Ansätzen zu realisieren – das reicht von Feldtests mit Pedelecs über Hybrid-Nutzfahrzeuge bis hin zur elektrifizierten Lieferung von Paketen oder auch der emissionsfreien Anschlussmobilität zum ÖPNV mit Elektrobus und Elektroautos."
Fazit: Elektromobilität steht nicht mehr am Anfang
Begrüßt wurden die 150 Gäste der Veranstaltung in den Räumlichkeiten vom Deutschen Wetterdienst von Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider, der "eine weiterhin positive Entwicklung der alternativen Mobilität der Zukunft vom Standort Offenbach aus in die ganze Region hinein", prognostizierte. Schneider sicherte ferner zu, dass "die Modellregion Rhein-Main aktiver und kompetenter Unterstützer der Bewerbung des Landes Hessen um die Teilnahme am Förderprogramm Schaufensterregion Elektromobilität" sein wird. Eine solche Bewerbung wird derzeit vom Land Hessen unter Federführung der Hessischen Staatskanzlei vorbereitet und Mitte Januar eingereicht.
Es folgten Vorträge zu den Ergebnissen der ersten Förderphase vom ehemaligen Leiter der Regionalen Projektleitstelle Rhein-Main, Volker Lampmann sowie Referate zur Technischen und zur Sozialwissenschaftlichen Begleitforschung von Markus Landau vom Fraunhofer IWES und Professor Dr. Petra Schäfer von der FH Frankfurt. Wie Volker Lampmann in seinem Vortrag erläuterte, sind die Hauptziele der Modellregion Rhein-Main im ersten Förderzeitraum umgesetzt worden, beispielsweise seien knapp 500 Fahrzeuge auf die Straße gebracht und mehr als 250 Ladesäulen errichtet worden. Markus Landau zog ein positives, technisches Fazit: Im Regelfall seien die elektrisch betriebenen Fahrzeuge sehr zuverlässig und könnten als gut ausgereifte Alternative zu herkömmlichen Antrieben gelten. Dies sei insbesondere bei Pedelecs der Fall, die als marktreif einzuschätzen seien. Auch Hybridnutzfahrzeuge böten erwartungsgemäße Vorteile wie ein geringerer Treibstoffverbrauch und deutliche Lärmminderung.
Professor Dr. Petra Schäfer und ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin Kathrin Schmidt stellten in ihrem Vortrag die Sozialwissenschaftliche Begleitforschung vor und resümierten, dass es ein enormes Nutzerpotenzial für Elektrofahrzeuge gibt. Tatsächlich sind mehr als 90 Prozent aller Fahrten so kurz, dass sie auch problemlos elektrisch absolviert werden könnten. Auch die Bereitschaft der befragten Nutzer, sich auf die neue Technologie einzulassen sei durchweg positiv und die meisten, die es ausprobiert hätten, wären auch mittel- und langfristig bereit, ganz auf ein Elektrofahrzeug umzusteigen. Allerdings seien die derzeit noch hohen Anschaffungskosten ein Hemmnis.
Blick in die Zukunft: Es gibt noch viel zu tun!
Anja Georgi, Leiterin der Regionalen Projektleistelle Modellregion Rhein-Main, äußerte sich "hochzufrieden mit der kontroversen und doch sehr konstruktiven Diskussion" im zweiten Teil der Veranstaltung. Die Beiträge der Diskutanten," so Georgi resümierend, "zeigen, dass wir einen breiten Schulterschluss brauchen, um Elektromobilität in die Köpfe der Menschen und auf die Straße der Republik zu bekommen." Damit fasst die Leiterin der Regionalen Projektleitstelle Elektromobilität zusammen, was als Bilanz der Podiumsdiskussion gelten kann: Das Zusammenspiel einer Vielzahl von Beteiligten ist nötig, um der neuen Technologie die nötige Durchschlagskraft zu geben, so dass sie sich erfolgreich im Markt etablieren kann.
Die Besetzung des Podiums ermöglichte einen breiten Blickwinkel auf alle möglichen Facetten der Zukunft von Elektromobilität. Neben Staatssekretär Rainer Bomba vom BMVBS diskutierten Alfred Clouth, Präsident der IHK-Offenbach, Volker Hoff, Vize-Präsident Regierungsbeziehungen der Adam Opel AG, Jörg Lunkenheimer, Geschäftsbereichsleiter Marketing und Innovation vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und Anja Georgi, Leiterin der Projektleitstelle Rhein-Main die Umsetzungsmöglichkeiten von elektromobilen Angeboten in den kommenden Jahren.
Wichtig sind nach Meinung der Podiumsdiskutanten beispielsweise Förderprogramme – wie etwa die Fortsetzung der Modellregion, deren Projektleitstelle eine Förderzusage des BMVBS bis mindestens Ende 2013 bereits erhalten hat – oder auch die ab Mitte 2012 startenden Schaufensterregionen. Neben der finanziellen Förderung – es wurde beispielsweise auch diskutiert, ob über Kaufanreize ein höherer Absatz von Elektroautos erreicht werden kann – spielt aber auch die ideelle und strukturelle Unterstützung der Politik für die Thematik Elektromobilität nach Ansicht aller Diskutanten eine zentrale Rolle. Ferner sei es eine wichtige Aufgabe, alle möglichen Spieler in das Thema zu integrieren und im Gespräch miteinander zu bleiben: Seien es die öffentliche Hand, Unternehmen und Betriebe, Hersteller und die Automobilindustrie, Forschung und Wissenschaft und die Bürgerinnen und Bürger als "Endverbraucher".
Die rege Diskussion des Podiums zeigte in Summe eine Reihe von Handlungsfeldern auf, die es in den kommenden Jahren gilt, gleichwertig zu bearbeiten und vorauszutreiben. So herrschte Einigkeit darüber, dass die produzierende Industrie – sowohl die Autoindustrie als auch die Batterie- und Brennstoffzellentechnologie – am Tisch der Entscheider bleiben muss und in die Entwicklung einzubeziehen ist. Außerdem muss es nach Ansicht von Rainer Bomba "Regulierung und Deregulierung" seitens der Politik geben, denn insbesondere im Bereich Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum gebe es noch viele offene Fragen was gesetzliche Genehmigungsverfahren betreffe. Ferner ginge es nicht nur darum, die Elektromobilität allein zu fördern, sondern auch Alternativen wie Hybrid- oder Wasserstoffantrieb in die Betrachtung mit einzubeziehen oder die Optimierung von Verbrennungsmotoren weiter voranzutreiben.
Anja Georgi forderte von allen Beteiligten "den Mut, Neues auszuprobieren und es zu vertreten." Sie sieht als dringendste Aufgabe der kommenden Jahre, ein funktionierendes System von Mobilitätsdienstleistungen aufzubauen, in das alle Formen von Mobilität – auch Elektromobilität – integriert sind und das einen barrierearmen Zugang hat.
Ähnliche Ziele hat auch der Rhein-Main-Verkehrsverbund. Dessen Prokurist und Geschäftsbereichsleiter Jörg Lunkenheimer bestätigte die in Teilen bereits umsetzungsreifen Bestrebungen des RMV, eine Mobilitätskarte zu kreieren, die vom ÖPNV bis zum Elektroleihfahrzeug die Nutzung einer Vielzahl von Mobilitätsdienstleistungen einfach und bequem von der Abwicklung bis zur Abrechnung macht.
Alfred Clouth bekräftigte den positiven Einfluss der neuen Technologien auf den Arbeitsmarkt. Seiner Ansicht nach sind die produzierende und die forschende Wirtschaft wichtige Arbeitgeber, die die Zukunftsfähigkeit einzelner Regionen aber auch des ganzen Landes stärken. Er wünsche sich vor allem in Ballungsräumen wie dem Rhein-Main-Gebiet deutlich mehr Elektrofahrzeuge um die Lebensqualität zu erhöhen, den Klimaschutz voranzutreiben und vor allem Lärm- und Abgasemissionen deutlich zu senken.
Volker Hoff berichtete vom Erfolg des Opel Ampera und von den vielfältigen Anstrengungen, die in Kauf genommen wurden, um dieses Elektrofahrzeug mit Range-Extender (Generator zur Verlängerung der Reichweite) zur Marktreife zu bringen und nun liefern zu können. Gleichzeitig kündigte er an, dass es bereits zahlreiche Überlegungen gebe, insbesondere die Ladung im halböffentlichen Raum in greifende Geschäftsmodelle zu gießen.
Einigkeit herrschte bei der Einschätzung der noch offenen Probleme bei der Weiterentwicklung der Technologie. Zum einen wurde die noch ausstehende Normierung und Standardisierung beispielsweise von Ladesteckern oder Akkus genannt. Eine außerdem zu beachtende Problemstellung sei es, dass man sich mit der Fokussierung auf den Antrieb mit Lithium-Ionen Batterien erneut in eine einseitige Abhängigkeit begebe: Nun nicht mehr von Erdöl oder anderen fossilen Brennstoffen sondern von Lithium. Hier gelte es, nicht nur auf einen Mix von Mobilität nach individuellem Bedarf zu setzen, sondern auch alle denkbaren Formen der Energiezufuhr weiterzuentwickeln.
Offenbach.de
Stadtwerke Offenbach Holding
Energieversorgung Offenbach AG
Artikel drucken
Als PDF anzeigen