HfG-Studentin präsentierte Bushaltestelle als Objektkunst
Offenbach, den 09.07.2007Zum „Rundgang“, der alljährlichen Werkschau der Hochschule für Gestaltung, funktionierte die Studentin Naomi Werner eine Bushaltestelle, die in Offenbach normalerweise als Ersatzhaltestelle bei Umleitungen eingesetzt wird, zum Kunstobjekt um.
Die Bushaltestelle stand inmitten der Aula der Hochschule für Gestaltung (HfG), genau zwischen Treppenaufgang und Flur. Statt eines Fahrplanes hing eine Kurzgeschichte im Schaukasten. „Zweimal um die Welt“, lautete die Überschrift.
Die Geschichte erzählt, wie Naomi Werner das Zug- und Busfahren in verschiedenen Städten erlebt hat: In ihrer Schulzeit in Nürnberg, in den japanischen Städten Yokohama und Tokio oder im Rhein-Main-Gebiet. Ihre „ganz eigene Lebensgeschichte“ hat sie für das aktuelle Semester im Texter-Kurs „School of Text“, umgesetzt, der von Dozentin Dasa Szekely geleitet wird. „Seit ich denken kann, bin ich gependelt“, erzählt die 27-Jährige, die im Schwerpunkt Bildhauerei studiert. „Irgendwann habe ich die Kilometer zusammengezählt und festgestellt, dass ich
umgerechnet schon zweieinhalb Mal um die Welt gefahren bin.“
Anlässlich des „Rundgangs“ bekam sie, wie die anderen Kommilitonen aus dem Texter-Kurs, genau einen Quadratmeter Platz, um ihren Aufsatz wirksam zu präsentieren. Also rief Naomi Werner kurzerhand bei der Offenbacher Verkehrs-Betriebe GmbH an und fragte, ob sie sich eine Bushaltestelle ausleihen könne. Wenige Tage und eine anstrengende Transporttour später stand das - recht schwere – Wunschobjekt in der Aula der Hochschule. Dort konnten Kunstinteressierte am vergangenen Wochenende in der „Lebensgeschichte“ Naomi Werners schmökern. Ein bis zwei Minuten brauchte man, nicht viel länger als zum Studieren des Fahrplans. „Das passte gut“ findet die junge Frau. „Denn eine solche Situation verweist auf den Text und lädt gleichzeitig zum Lesen ein.“
Naomi Werner, die in Darmstadt zu Hause ist, verbringt noch immer viel Zeit in Öffentlichen Verkehrsmitteln. Täglich fährt sie mit Bus und Bahn nach Offenbach. Und das obwohl sie einen eigenen PKW hat. „Autofahren ist mir zu stressig und zu teuer“, erklärt sie. „Im Zug oder im Bus kann ich die Zeit viel besser nutzen.“ Während der Fahrten zur Hochschule verbringe sie viel Zeit mit Lesen. Auch die ein oder andere Hausarbeit habe sie auf diese Weise schon vorbereitet. Rund drei Semester wird Naomi Werner noch von Darmstadt zur Hochschule für Gestaltung pendeln. Möglicherweise bleibt sie auch danach dem RMV treu. „Ich möchte gerne in der freien Kunst Fuß fassen“, sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht: Wenn´s geht im Rhein-Main-Gebiet.
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