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Symposium 2009 zur Rolle der Stadtplanung im Kontext der Clusterbildung

Offenbach, den 30.11.2009, letzte Bearbeitung: 10.01.2011

Das 7. Symposium des Projekts Hafen Offenbach fand am 24. November im Hafen Offenbach, in den Räumlichkeiten des Hafen 2, statt. 45 Teilnehmer kamen zu der Veranstaltung mit dem Titel „Stadtentwicklung als Katalysator zur Clusterbildung – Die Rolle der Stadtplanung bei der Initiierung von Unternehmensnetzwerken“. Begrüßt wurden sie von Oberbürgermeister Horst Schneider, Joachim Böger, Geschäftsführer der Stadtwerke Offenbach Holding GmbH (SOH), und Dieter Lindauer, Geschäftsführer der Offenbacher Projekt Verwaltungsgesellschaft mbH (OPG).

Hochkarätige Referenten kamen zu dem Symposium im Hafen Offenbach.
Hochkarätige Referenten kamen zu dem Symposium im Hafen Offenbach.

Auch für das diesjährige Symposium konnte das Projekt Hafen Offenbach wieder hochkarätige Referenten gewinnen.

Die Einführung gestaltete Dr. Gerrit Stratmann, Leiter der Geschäftsstelle TechnologieTransferNetzwerk Hessen der Hessen Agentur, der einen allgemeinen Einblick in das Thema Cluster gab und von den hessischen Netzwerken sowie der Unterstützung durch die Hessen Agentur berichtete. Stratmann erläuterte die Vorteile für Unternehmen, die in Clusterstrukturen eingebunden sind: die Anzahl der Produkteinheiten steige ebenso wie die Nummer von Patentanmeldungen, zudem fänden wesentlich häufiger gemeinsame Projekte von Forschungseinrichtungen und Entwicklern statt.

Fortschreitende Professionalisierung und neue Themenfelder
Anschließend stellte Holger Floeting vom Deutschen Institut für Urbanistik die Bedeutung von Clustern in der Wirtschaftspolitik dar und informierte über die Erfahrungen anderer Bundesländer. Er lobte die wachsende Vielfalt von Initiativen und Netzwerken als Reaktion auf den technologisch-ökonomischen Strukturwandel. Zusammenfassend stellte er fest, dass sich die Handhabung von Clusterbildungen zwar zunehmend professionalisiere, ein verstärktes Engagement der Wirtschaft sowie die langfristige und nachhaltige Unterstützung von Netzwerkbildungen jedoch erforderlich wären. Floeting forderte ausdrücklich dazu auf, sich von allgemeinen Begrifflichkeiten zu lösen und neue, themenspezifische Felder für die Clusterbildung zu erschließen. Als Standort der Hochschule für Gestaltung (HfG) sehe er für Offenbach diesbezüglich ein großes Potential.

Hand in Hand: Stadtplanung und Wirtschaftsförderung
Den Übergang von der Theorie zur Praxis behandelte Prof. Dr. Ing. Silke Weidner, Lehrstuhlleiterin Stadtmanagement an der Technischen Universität Cottbus: Sie sprach zur Rolle der Stadtplanung im Kontext Clusterbildung und führte die Möglichkeiten und Instrumente zur Einflussnahme der Planer auf. Für die Bildung von Clustern reichten die Instrumente der klassischen Planung häufig nicht aus, so Weidner. Sie müssten durch neue, teils informelle Verfahren ergänzt werden. In diesem Zusammenhang erläuterte sie die schwierige Zusammenführung der dynamischen Planung eines Clusters mit der langwierigen Planung von Bebauungen. Anhand von unterschiedlichen Beispielen zeigte sie Lösungsansätze für diesen Konflikt auf, machte jedoch gleichzeitig deutlich, dass es aufgrund der variierenden Rahmenbedingungen nur Einzelfallentscheidungen geben könne.

Für die Entwicklung von Clustern identifizierte sie Wirtschaftsförderung und Stadtplanung als wichtigste Akteure. Zugunsten eines gemeinsamen Vorgehens von Wirtschafts- und Planungslogiken wären hier die Auflösung der klassischen Aufgabenverteilung und ein koordiniertes Vorgehen notwendig. Doch auch die Stadtpolitik müsse sich frühzeitig positionieren und attraktive Rahmenbedingungen für Unternehmen schaffen.

Gelungenes Beispiel: Toni-Areal Zürich
Wolfgang Annighöfer, Leiter Finanzen der kantonalen Bildungsdirektion des Kantons Zürich, Schweiz, arbeitet maßgeblich an der Konzeption des Projekts Toni-Areal mit und stellte die einzelnen Entwicklungsschritte vor. Ziel sei es, die derzeit 44 Hochschulstandorte in Zürich auf vier zu reduzieren, um Synergieeffekte zu schaffen. Dafür werde das rund 100.000 Quadratmeter große Gebäude einer ehemaligen Milchverarbeitungs-Fabrik umgebaut. Eindrucksvoll präsentierte Annighöfer die geplanten Änderungen der Industriearchitektur und verwies auf die Bedeutung von Atmosphäre für die Arbeit von Künstlern und Kreativen. Etwa 70 Prozent der Fläche sollen ab 2013 von der Hochschule genutzt und rund um die Uhr für die Studenten geöffnet sein. Gleichzeitig werden einzelne Räumlichkeiten wie Theater oder Kinosäle auch für öffentliche Nutzungen zur Verfügung stehen.

Nutzerfreundlich: ScienceCity Frankfurt Riedberg
Aus der Sicht eines Standortnutzers beschrieb Prof. Dr. Theo Dingermann, Institut für Pharmazeutische Biologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Vorzüge der ScienceCity Frankfurt Riedberg. Insbesondere lobte er die frühzeitige und konsequente Kommunikation mit den Anwohnern der angrenzenden Wohnsiedlungen, die einen entscheidenden Beitrag an der Integration des Campus in die Nachbarschaft gehabt habe. So wäre derzeit sogar ein Gymnasium in den Hörsälen untergebracht, dessen Räume nicht rechtzeitig zu Schuljahresbeginn fertig geworden wären, berichtete Dingermann.

Entwicklungspotential: Kreativbranche im Hafen Offenbach
Die anschließende Podiumsrunde mit den Referenten und OPG-Geschäftsführer Dieter Lindauer leitete, wie bereits in den vergangenen Jahren, Mechthild Harting, Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Lindauer zeigte sich erfreut über die Vorträge: „Die Referenten haben bestätigt, dass wir mit dem geplanten Nutzungsmix aus Wohnen, Arbeiten und Freizeit den richtigen Ansatz bei der Entwicklung des Hafengeländes verfolgen. Zudem bietet das Quartier gute Voraussetzungen und Entwicklungspotentiale, Kreative und deren Branchen anzusiedeln. Dieser Trend ist bereits heute bei der Zwischennutzung zu spüren, und wir werden diese Entwicklung gezielt unterstützen.“ Außerdem, ergänzte Lindauer, werde man sich bemühen, die gelebte Nachbarschaft mit der nördlichen Innenstadt Offenbachs und den nahe gelegenen Frankfurter Stadtteilen zu intensivieren.

Begleitend zum Symposium stellten Studenten des Dessau Institutes of Architecture Studien zum Hafengebiet aus, die im Sommersemester 2009 unter der Leitung von Prof. Alfred Jacoby und Prof. Gunnar Hartmann entstanden waren.


Projekt Hafen Offenbach

Mit einer Gesamtfläche von 256.000 m² stellt das Projekt Hafen Offenbach das größte am Wasser gelegene Entwicklungsareal im Rhein-Main-Gebiet dar. Das Gebiet wird in drei Bauabschnitten erschlossen und entwickelt. Im März 2009 haben die Erschließungsarbeiten im ersten Bauabschnitt begonnen. Bis 2020 soll das Projekt vollständig realisiert sein.

Im Hafen Offenbach entsteht ein Mix aus Wohn- und Büronutzung. Die Bebauung soll mit regenerativer, CO2-neutraler Fernwärme aus Biomasse sowie aus Ökostrom entwickelt werden. Die Projektverantwortung trägt seit dem Jahr 2000 die Mainviertel Offenbach GmbH Co. KG, eine Tochter der SOH Stadtwerke Offenbach Holding GmbH.

weitere Bilder: Interessiert verfolgte das Publikum die Ausführungen.
Interessiert verfolgte das Publikum die Ausführungen.
Die Pause nutzten viele Teilnehmer für anregende Gespräche.
Die Pause nutzten viele Teilnehmer für anregende Gespräche.