Symposium 2010: Kreativität und Stadtentwicklung
Offenbach, den 18.11.2010, letzte Bearbeitung: 10.01.2011Das 8. Symposium des Projekts Hafen Offenbach fand am Dienstag, 16. November, in den Räumlichkeiten des Kulturcafés Hafen 2 statt. Rund 70 Teilnehmer zog das diesjährige Symposium mit dem Titel „Der ‚wilde Osten’ der Rhein-Main-Region – Kreatives Entwicklungspotenzial kennt keine Grenzen“ in den Hafen, der schon heute der Kreativbranche Raum für neue Ideen bietet. Begrüßt wurden die Gäste von Horst Schneider, Oberbürgermeister der Stadt Offenbach am Main, und Daniela Matha, Geschäftsführerin der OPG Projektverwaltungsgesellschaft mbH und der Mainviertel Offenbach GmbH & Co. KG. Im Anschluss diskutierten hochkarätige Referenten in zwei aufeinander folgenden Podien.
Von der Industriebrache zum Kreativzentrum
Der Themenfokus des ersten Podiums lautete „Regionale Standortentwicklung als Werttreiber“ und legte den Schwerpunkt auf die Frage, wie Wertschöpfungspotenziale frühzeitig erkannt werden können und welcher Strategien und Maßnahmen es bedarf, um Wachstumsbranchen, wie zum Beispiel die Kreativwirtschaft, im Kontext nachhaltiger Stadtentwicklung auf vorhandenen Flächen anzusiedeln. Michael Schwarze-Rodrian, Leiter des Fachbereiches Standortentwicklung und Investorenservice der Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH, eröffnete das erste Podium mit einem Impulsbeitrag, der einen Einblick in die Positionierung und Standortentwicklung des Ruhrgebietes gab, dessen Transformationsprozess maßgeblich auf die Kultur- und Kreativwirtschaft als tragende Werttreiber setzt. (Beitrag als Download am Fuße der Seite)
Den Brückenschlag vom Ruhr- ins Rhein-Main-Gebiet schlugen seine Gesprächspartner Sabine Süß, Vorstand der Schader-Stiftung in Darmstadt, und OPG-Geschäftsführerin Daniela Matha sowie Dr. Robert Winterhager, AS&P Albert Speer & Partner GmbH, Projektleiter der vielbeachteten Studie „Frankfurt für alle“ (2009).
Erhalt durch Umnutzung: Standortentwicklung am Beispiel der „Metropole Ruhr“
Der Vergleich der strategischen Bemühungen der Ruhr- und der Rhein-Main-Region zur Standortentwicklung zeigte, dass es trotz struktureller Unterschiede Parallelen gibt. Der Wandel einer industriell gewachsenen Struktur in neue, urbane Stadtquartiere ist sowohl an der Ruhr als auch am Main bereits in vollem Gange: Exemplarisch dafür steht dort das Weltkulturerbe Zollverein in Essen, ein Industriedenkmal, bei dem von Stilllegung keine Rede sein kann: Mit dem Ende des Zechen- und Kokereibetriebs 1993 begann nach dem Prinzip „Erhalt durch Umnutzung“ die schrittweise Eroberung des Geländes durch die Kreativwirtschaft. Heute ist der Zollverein das Kreativzentrum des Ruhrgebietes geworden, das 1.000 Arbeitsplätze bietet und 800.000 Besucher pro Jahr anlockt.
Aufbruch und Wandel im Hafen Offenbach
Auch der Hafen Offenbach steht für den Wandel: Mit der Umnutzung des Hafens holen sich die Offenbacher den Fluss zurück in die Stadt – schon jetzt ankert hier Kreativität in Form von Kunstprojekten und kulturellem Leben und nach Angaben von Daniela Matha soll diese Entwicklung auch weiterhin gefördert werden. Durch die Absicht der ABG Frankfurt Holding, auf dem Hafengelände Wohnungen zu errichten und dem geplanten Neubau der Hochschule für Gestaltung (HfG) wird aus einer Vision nun Wirklichkeit, weil man Trends frühzeitig erkannt und bereits bei der Zwischennutzung vor allem die sogenannte „creative class“ eingebunden hat.
Von der Industrie- zur Wissensgesellschaft: Leben im urbanen Raum
Wie solche Projekte gelingen und welche Bedeutung einer regionalen Standortdiskussion zukommt, damit beschäftigt sich auch Sabine Süß, Vorstand der Schader-Stiftung in Darmstadt, die ihren Schwerpunkt auf das Thema „Leben in urbanen Gesellschaften“ setzt. Urbane Räume entstehen immer häufiger durch Umnutzung vorhandener Strukturen – die Konversion ehemals industriell genutzter Gebiete bietet dabei besonders viele Möglichkeiten. Denn hier findet sich genügend Raum, um erfolgserprobte Strategien und Maßnahmen anwenden zu können – und dies oft, so auch im Falle Offenbachs, in Innenstadtnähe.
Grenzenlose Kreativität in Rhein-Main
Das Potenzial des Hafens Offenbach als zukünftiges Kreativzentrum der Rhein-Main-Region erkannte Dr. Robert Winterhager gemeinsam mit seinen Kollegen von Albert Speer & Partner bereits Anfang 2009: Als Projektleiter der Studie „Frankfurt für alle“ identifizierte er Kultur- und Kreativwirtschaft als wichtige Werttreiber innerhalb der Region, die es durch gezielte Maßnahmen der Stadt- und Standortplanung zu fördern gilt. Das Projekt Hafen Offenbach ist Teil dieser regionalen Überlegungen die an Stadtgrenzen nicht haltmachen und die im Rahmen der Podiumsdiskussion besprochen wurden.
Kreativität im urbanen Kontext
Professor Kai Vöckler, der die Stiftungsprofessur „Kreativität im urbanen Kontext“ der HfG Offenbach seit diesem Wintersemester innehat, eröffnete die zweite Podiumsrunde, die unter dem Titel „Auf dem Weg zur kreativen Wissensregion“ Beispiele und Erfahrungsberichte gelungener Ansiedlungen der Kreativwirtschaft an unterschiedlichen Standorten zur Diskussion stellte. Seine Ausführungen zu Projekten in Berlin und Hamburg gaben spannende Impulse auch für die Entwicklung des Hafenareals, das durch den Neubau der HfG zum Zugpferd eines Kreativclusters werden kann. (Beitrag als Download am Fuße der Seite)
Seine Gesprächspartner, Dr. Marco Bontje, der am Institute for Metropolitan and International Development Studies der Universität Amsterdam unter anderem zum Thema Metropolregionen forscht, Professor Bernd Kracke, Präsident der HfG Offenbach, und Jürgen Amberger, Leiter des Amtes Wirtschaftsförderung des Magistrats der Stadt Offenbach, konnten in diesem Zusammenhang Erfahrungen und Projektbeispiele ergänzen, die zeigen, dass städtebauliche Maßnahmen und gezielte Aktivitäten der Wirtschaftsförderung einen großen Beitrag zur Erhöhung der Attraktivität eines Standortes für die ‚creative class’ haben können.
Europaweite Beispiele und Erfahrungen
Dr. Marco Bontje berichtete in diesem Zusammenhang von seinen Erfahrungen aus dem EU-Projekt ACRE (Accomodating Creative Knowledge), in dem die Voraussetzungen und planerisch lenkbare Stimuli für die Ansiedlung der als Zukunftsbranche begriffenen Kreativwirtschaft auf europäischer Ebene untersucht werden. Der Weg zu einer ökonomisch nachhaltig erfolgreichen Wissensregion führt dabei nicht an der Kreativ- und Kulturwirtschaft vorbei – Dr. Bontje sprach in diesem Zusammenhang von Beispielen aus seiner wissenschaftlichen Praxis in Amsterdam und München die verdeutlichten, welche Rolle der Stadtentwicklung bei der Ansiedlung der kreativen Zukunftsbranche zukommt.
Urbane Flächenentwicklung braucht Partizipation
Professor Kracke, Präsident der Hochschule für Gestaltung, ankert mit Projekten bereits im Hafen Offenbach: Regelmäßig stellen Studierende und Absolventen dort ihre Werke aus – nicht nur bei der Luminale, sondern auch im Hafen 2 und in der gegenüberliegenden Ölhalle. Für ihn macht gerade das Industrieflair die Attraktivität des Hafens für Kreative und Künstler aus, der zu einem Design- und Kunstnukleus in der Region Rhein-Main werden kann.
Aufbruch in die Zukunft: Kreativzentrum Rhein-Main im Hafen Offenbach
Die Podiumsrunden wurden, wie bereits in den vergangenen Jahren, von Mechthild Harting, Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung moderiert. Daniela Matha, OPG und Mainviertel-Geschäftsführerin, freute sich über die vielseitigen Beiträge in den Gesprächsrunden: „Die Referenten haben mich in der Überzeugung bestätigt, dass unser Fokus, der von Anfang an auf der gezielten Förderung der Kreativwirtschaft im Hafen lag, der richtige ist. Denn der Hafen Offenbach bietet bereits heute viele Möglichkeiten für kreative Nutzungen, die es für die Zukunft auszubauen und zu entwickeln gilt.“
Der beabsichtigte Neubau der HFG im Offenbacher Hafen ist daher ein konsequenter Schritt für die Arealentwicklung und die Entwicklung des „wilden Ostens“ in der Rhein-Main-Region.
Projekt Hafen Offenbach
Mit einer Gesamtfläche von 256.00 m2 stellt das Projekt Hafen Offenbach das größte am Wasser gelegene Entwicklungsareal im Rhein-Main-Gebiet dar. Das Gebiet wird in drei Bauabschnitten erschlossen und entwickelt. Im März 2009 haben die Erschließungsarbeiten im ersten Bauabschnitt begonnen und die Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding GmbH plant Eigentums- und Mietwohnungen in attraktiver Wohnlage. Bis 2020 soll das Projekt vollständig realisiert sein.
Im Hafen Offenbach entsteht ein Mix aus Wohn- und Büronutzung. Die Bebauung soll mit regenerativer, CO2-neutraler Fernwärme aus Biomasse sowie aus Ökostrom entwickelt werden.
Die Projektverantwortung trägt seit dem Jahr 2000 die Mainviertel Offenbach GmbH & Co. KG, eine Tochter der SOH Stadtwerke Offenbach Holding GmbH.
Offenbach.de
Stadtwerke Offenbach Holding
Energieversorgung Offenbach AG
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