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Kinder basteln „Main-Souvenire“ aus Recyclingstücken

Offenbach, den 08.04.2010, letzte Bearbeitung: 14.04.2010

„Möchten Sie ein ‚Main-Souvenir’?“, fragt der zwölfjährige Vladimir eine Fußgängerin und weist stolz auf seinen Bauchladen. In der Kiste befinden sich Fundstücke, die er in den letzten zwei Wochen zusammen mit den anderen Kindern am Offenbacher Mainufer gesammelt und kunstvoll weiter bearbeitet hat. Zur Auswahl stehen zum Beispiel alte, mit Blumen und Gras geschmückte Flaschen und Kronkorken, aus dem Main geangelte Gummiringe oder Dosen, die mit viel Farbe und Phantasie zu Ketten und Anhängern umgestaltet wurden. Die Passantin, eine englischsprachige Touristin, ist begeistert von dem Angebot und zögert nicht, einen verschönerten Korken zu kaufen. Ein weiterer Fußgänger ersteht eine kleine Glasflasche, die mit original Offenbacher Mainwasser gefüllt ist.

Gruppenbild am Main
Gruppenbild am Main

Es ist Freitag, 9. April 2010, und der letzte Tag der Osterferienaktion „KiKuMa - KinderKunst am Mathildenplatz - und KiKuGo - KinderKunst am Goetheplatz - gehen auf Reisen und treffen sich am Mainufer“. An diesem Abschlussnachmittag bieten die Kinder ihre „Main-Souvenire“ an und stellen die in den letzten zwei Wochen aus Müll und Weggeworfenem gefertigten Werke aus. Viele Eltern sind auch gekommen und bestaunen die Ergebnisse, die am Main entlang aufgebaut sind.

Treffpunkt war jeden Nachmittag um 13 Uhr am Waggon auf dem Kulturgleis am Main. Täglich drei Stunden lang herrschte dort buntes Treiben. Bereits von weitem war die Gruppe der täglich bis zu 20 Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren zu erkennen. Die Kids, die teilweise schon vorher an Ferienaktionen wie KiKuMa, KiKuGo oder KiKuReDo - KinderKunstRecyclingDorf - teilgenommen hatten, waren gemeinsam kreativ und haben viel selbst gestalten können.

So fertigten die Kinder aus aneinander geknüpften, durchsichtigen Plastiktüten, in die Fundstücke und selbst gemalte Bilder eingefügt sind, eine „Main-Decke“. Verschiedene Kollagen dokumentieren die Recyclingarbeit der jungen Künstler. Dinge, die andere Leute rücksichtslos weggeworfen haben, darunter Dosen, Flaschendeckel oder Zigarettenschachteln, haben die Kinder auf Holzbretter genagelt und bepinselt. Darüber hinaus fertigten sie ein „Main-Buch“ an. Das Buch ist eine Zusammenstellung aus verschiedenen Bildern und Beiträgen aller Kinder. So finden sich darin viele bunte Seiten, auf die gefundene Sachen geklebt wurden. Tamara (11 Jahre) hat das Gemeinschaftsgefühl der Ferienaktion am besten gefallen. „Ich finde es gut, dass so viele Kinder mitmachen und zusammenarbeiten“, bemerkt Tamara. Die neunjährige Antonia mag besonders den Aspekt des Recyclings: „Wir machen aus Müll und alten Sachen etwas Neues.“

„Die Kinder waren sehr aufmerksam“, so Brigitte Holtermann, Betreuerin der Gruppe und Diplom-Designerin. „Sie haben wahrgenommen und gesammelt, was andere Leute wegwerfen, und daraus neue Dinge gemacht. Unser Ziel war es, ihnen nahe zu bringen, bewusster und liebevoller mit dem Main umzugehen.“ Zusammen mit zwei Studentinnen der Hochschule für Gestaltung (HfG) kümmerte sich Holtermann um die Kinder und gab fachmännische Anleitung beim Malen und Basteln.

Highlight war für die Kinder nach Angaben von Holtermann das Papierschöpfen. Altpapier wurde in Schnipsel gerissen und dann in Mainwasser eingeweicht. Mit selbst gebauten Rahmen aus Fliegengittern wurde die Masse dann geschöpft, dünn ausgelegt und getrocknet. Das neue tapetenartige und grob strukturierte Papier konnte nach dem Trocknen für weitere Malarbeiten und Kollagen genutzt werden.

Wenn mal nicht gemalt oder gehämmert wurde, recherchierten die Kinder und dokumentierten zum Beispiel, wie viele Bänke es am Mainufer gibt oder auch wie viele Passanten oder Radfahrer vorbeikamen. Dabei wurden sie immer mit einem kleinen Nachmittags-Imbiss, bestehend zum Beispiel aus Schoko- oder Rosinenbrötchen und Getränken, im Waggon verpflegt.

Die Osterferienaktion lief unter dem Dach des Projektes „Besser Leben in Offenbach“ und wurde von der Stadtwerke Offenbach Holding GmbH (SOH) in Zusammenarbeit mit der Jugendkunstschule Offenbach umgesetzt. In den Räumen der nah gelegenen Jugendkunstschule verbrachten die Kinder auch einen Nachmittag, als es draußen regnete und Spielen und Werkeln am Main nicht möglich war. Barbara Meyer, Leiterin der Jugendkunstschule, empfing die Kinder in der Herrnstraße 61, wo sie beim Töpfern von Hundefiguren viel Spaß hatten.
Einen weiteren verregneten Nachmittag verbrachten die Kinder im Waggon am Kulturgleis. Die Zeit wurde für das Anfertigen der „Main-Decke“ genutzt. Somit waren immer Rückzugsmöglichkeiten bei schlechtem Wetter gegeben. Im Ganzen hat die Gruppe es mit dem Wetter aber gut getroffen, so dass sie die meiste Zeit im Freien an der frischen Luft verbringen konnte.

Darüber hinaus stand ein Ausflug auf dem Programm. Die Kinder besuchten den ESO Wertstoffhof in der Dieselstraße und erhielten dort eine Führung. Nachdem sie gesehen haben, dass manche Menschen unachtsam ihren Müll am Main liegen lassen, wurde ihnen beim ESO gezeigt, wie der Müll richtig getrennt, entsorgt und recycelt wird. Von den großen Baggern, die das Metall quetschten, und den riesigen Schaumstoffbergen waren die Kinder sehr beeindruckt und haben dazu noch viel gelernt. Zum Schluss des Besuchs wurde die Gruppe noch auf der Lastenwaage gewogen. Alle Kinder und Betreuer hatten ein Gewicht von insgesamt zirka 740 Kilogramm.

Da die Kinderferienaktionen im Rahmen des Projektes „Besser leben in Offenbach“ bei Kindern und Eltern so gut ankommen, plant die SOH bereits die nächste Auflage. „Im Sommer wird - nach dem riesigen Erfolg im letzten Jahr - zum zweiten Mal „KiKuReDo“ im Neubaugebiet An den Eichen in Waldheim stattfinden“, so Sabine Süßmann, Projektleiterin von „Besser leben in Offenbach“ bei der Stadtwerke Offenbach Holding. „Diesmal bieten wir sogar ein sechswöchiges Ferienprogramm, bei dem die Kinder von morgens bis nachmittags in der freien Natur spielen und gestalterisch aktiv werden können. Anmeldungen für den gesamten Zeitraum oder einzelne Ferienwochen sind bereits jetzt möglich.“
Wer Fragen hat oder weitere Auskünfte zu „KiKuReDo“ oder zum Projekt „Besser leben in Offenbach“ wünscht, kann Frau Süßmann unter der Telefonnummer 069/ 84 00 04 - 156 kontaktieren.

weitere Bilder: Vladimir und die anderen Kinder bieten ihre "Main-Souvenire" im Bauchladen an - zum Kauf oder Tausch. Eine Touristin greift gerne zu.
Vladimir und die anderen Kinder bieten ihre "Main-Souvenire" im Bauchladen an - zum Kauf oder Tausch. Eine Touristin greift gerne zu.
Auch der sieben Jahre alte Lenny hat sich einen Bauladen umgeschnallt.
Auch der sieben Jahre alte Lenny hat sich einen Bauladen umgeschnallt.
In zwei Wochen fertigten die Kinder aus Müll und anderen Fundstücken verschiedene Kollagen.
In zwei Wochen fertigten die Kinder aus Müll und anderen Fundstücken verschiedene Kollagen.
Das "Main-Buch" ist ein Gemeinschaftswerk aller Kinder.
Das "Main-Buch" ist ein Gemeinschaftswerk aller Kinder.
Hier arbeiten gerade Tamara (links) und Antonia (rechts) daran.
Hier arbeiten gerade Tamara (links) und Antonia (rechts) daran.
Gruppenfoto auf dem Waggon am Kulturgleis.
Gruppenfoto auf dem Waggon am Kulturgleis.
Am Waggon aufgehängt, kann man die "Main-Decke" besichtigen.
Am Waggon aufgehängt, kann man die "Main-Decke" besichtigen.
Die Kinder haben selbst Altpapier recycelt. Das neue Papier haben sie für weitere Bilder verwendet.
Die Kinder haben selbst Altpapier recycelt. Das neue Papier haben sie für weitere Bilder verwendet.
An einem verregneten Nachmittag sind in der Jugendkunstschule diese Hundefiguren aus Ton entstanden. Einige sind leider zerbrochen.
An einem verregneten Nachmittag sind in der Jugendkunstschule diese Hundefiguren aus Ton entstanden. Einige sind leider zerbrochen.