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Wer sich beruflich verändern muss oder möchte, ist bei der Kommunalen Weiterbildungsberatungsstelle webb gut beraten. Seit 1995 gibt es die Anlaufstelle in den Räumen der vhs für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Selbstständige, Wiedereinsteiger, kurzum für alle, die Beratung und Orientierung für ihren beruflichen Neustart benötigen.

Bereits seit zwanzig Jahren arbeitet Pia Hamm für die Kommunale Weiterbildungsstelle und hat in der Zeit schon etliche Berufsbiographien begleitet. „Meist werden Erfolgsgeschichten geschrieben, aber“, erklärt die Diplom-Pädagogin und Coach, „natürlich gibt es auch frustrierende und desillusionierende Momente.“

Hilfe zur Selbsthilfe

Wenn der Berufswunsch und der bisherige Bildungsweg, die Abschlüsse und Qualifikationen nicht passen und beispielsweise Frauen nach der Kinderpause den beruflichen Neueinstieg als Erzieherinnen machen möchten, sind den meisten die Anforderungen nicht bekannt. „Viele denken, dass sie doch schon hinreichend Erfahrungen mit den eigenen Kindern gesammelt haben und sind dann überrascht, wenn ich ihnen sage, dass die Ausbildung fünf Jahre dauert.“ Wenn die Motivation und auch die finanziellen Möglichkeiten stimmen, muss das aber kein Ausschlusskriterium sein. Hamm will Hilfe zur Selbsthilfe geben und kennt die in Frage kommenden Unterstützungsmöglichkeiten. Wer zu ihr kommt, hat in der Regel nur ein diffuses Bild über die berufliche Veränderung, sagt sie, daher mache sie meistens erst einmal eine Bestandsaufnahme, bevor sie mit der Klientin oder dem Klienten nach individuell passenden Möglichkeiten schaut. Ein bis zwei Sitzungen dauert ein Beratungsgespräch normalerweise, in dem Hamm einen Weg durch den oftmals unübersichtlich erscheinenden Berufs- und Weiterbildungsdschungel aufzeigt. Natürlich vertraulich, unabhängig und kostenlos.

Welche Möglichkeiten gibt es und wie komme ich da hin? Was bringe ich mit oder was muss ich mir noch aneignen? Welche finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten gibt es? Wer kann weiterberaten? Bei einer beruflichen Neuorientierung stellen sich zahlreiche Fragen, aber, ist der Anfang erstmal gemacht ist, weiß Hamm, beantworten sich viele von selbst. Auch aus eigener Erfahrung, „meine Biographie ist alles andere als stringent“, gibt sie lachend zu: Nach dem Studium vier Jahre Pressearbeit in der Filmbranche, dann folgte mit der Arbeit in einem Aussiedlerwohnheim mit Kindern und Jugendlichen der erste Schwenk, bevor sie sich im Jahr 2000 als Qualifizierungsberaterin in Offenbach bewarb.

Qualifizierung auch und erst recht in Zeiten der Krise

Dort war 1995 auf Initiative von Matthias Schulze-Böing, heute Geschäftsführer der MainArbeit, Kommunales Jobcenters Offenbach, das Programm zur „Orientierung und Beratung von Arbeitskräften“ mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Hessen gestartet, um den Strukturwandel der Stadt abzufedern. Mit einem Mal brauchte es weder Chemiefacharbeiter noch Feintäschner und sollte den Beschäftigten aus kleinen und mittleren Unternehmen, denen die Arbeitslosigkeit drohte, Hilfestellung bei einer beruflichen Neuorientierung gegeben werden. Die Beratungsstelle wurde bereits damals an der Volkshochschule, zu der Zeit in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof in der Kaiserstraße 7, als besonders leicht zugänglichem Ort für Bildung und Beratung angesiedelt.

Das Angebot wurde verstetigt, und im Juli 2008 ging webb in die „Hessische Leitstelle zur Qualifizierungsberatung An- und Ungelernter“ über. Neben der Beratung zur beruflichen Qualifikation gehörte jetzt auch das Thema Lebenslanges Lernen zu den Schwerpunkten, um die Bildungsbereitschaft und das Qualifikationsniveau in Offenbach zu erhöhen. „2008 war insofern spannend und herausfordernd, als dass wir gerade das Platzen der sogenannten Internetblase hinter uns hatten und nach der Goldgräberstimmung jetzt auch viele Internetprogrammierer, Webdesigner oder Beschäftigte aus der Werbung in die Beratung kamen“, erinnert sich Hamm. „Seinerzeit setzte ein wahrer Unterbietungswettbewerb ein, das heißt, dass viele gut qualifizierte Arbeitnehmer auf Jobsuche waren und wir das natürlich auch hier spürten.“ Hilfreich sei nicht nur zu dieser Zeit die unmittelbare Nähe zur vhs Offenbach gewesen, auf deren Kursangebote, aber auch auf das dortige Selbstlernzentrum sie unmittelbar verweisen konnte. Vice versa hilft ihr die gemeinsame Adresse auch heute noch, denn Hamm stellt sich und das Angebot der Weiterbildungsstelle webb regelmäßig in Deutschkursen vor und wirbt für ihre Beratung. Konsequenterweise gehört webb seit 2012 zur vhs, seit 2015 hat Hamm auch die Bildungsberatung für den Hessencampus in der vhs übernommen. Neben Einzelgesprächen bietet Pia Hamm auch Gruppenberatungen an und führt Informationsveranstaltungen und Workshops, auch gemeinsam mit Partnern wie dem Frauenbüro oder der Agentur für Arbeit, durch.

Aus ihrer eigenen Biographie weiß sie, „Selbsterfinden ist möglich. Es braucht Glück, aber vor allem Menschen, die beraten und unterstützen. Dann ist fast alles möglich.“

Rund 6.000 Einzelberatungen hat sie in den letzten Jahren durchgeführt und viele berufliche Wege mitangestuppst. Sorge, dass ihr einmal die Arbeit ausgeht, muss sie sich nicht machen, schon jetzt haben sich die ersten Berufstätigen wegen coronabedingter Schließungen bei ihr gemeldet.

Interview mit Pia Hamm

Pia Hamm vom webb
Berät vertraulich, unabhängig und kostenlos: Pia Hamm von der Kommunalen Weiterbildungsstelle webb/HC Bildungsberatung. © Stadt Offenbach/David Strassburger

Pia Hamm, Jahrgang 1959, studierte Pädagogik, arbeitete beim Film und mit Kindern und Jugendlichen und berät seit 2000 in der Beratungsstelle. Die gebürtige Frankfurterin lebt in Mainz und arbeitet gerne in Offenbach.

Sie sind quasi das Gesicht der Weiterbildungsberatung, werden Sie auch auf der Straße von Klienten angesprochen?

Ja, meistens kennt mich die Person und will mir erzählen, was sie unternommen hat.

Die Beratungen erfordern Fachkompetenz und Fingerspitzengefühl und nicht jede Bildungsbiographie verspricht eine Berufskarriere. Da fließen sicher auch ab und zu Tränen?

Ja, eine gute Beraterinnenausbildung ist deshalb sehr wichtig, um angemessen reagieren zu können. Ich habe unter anderem einen Abschluss als Coach (FH).

Aber es gibt sicher auch schöne Erfolgsgeschichten?

Ja, die gibt es und ich freue mich immer, wenn ich davon erfahre. Von außen betrachtet sind die Erfolge nicht immer spektakulär, aber für die betreffende Person sind sie ein Meilenstein. Jemand, der schlechte Erfahrungen mit Lernen gemacht hat, beendet erfolgreich einen Kurs und gewinnt Selbstvertrauen. Eine Frau findet mit Mitte 50 noch ihren Wunschjob, was ihr niemand zugetraut hat. Oder jemand hat nach dem Beratungsgespräch den Mut, mit dem Chef über seine Wünsche zu sprechen.

In 20 Jahren wächst man zusammen. Wieviel webb steckt in Ihnen beziehungsweise umgekehrt?

Als „gemeinsames Persönlichkeitsmerkmal“ würde ich an erster Stelle Offenheit nennen. webb steht allen Bürgerinnen und Bürgern offen und ich als Person gehe offen und unvoreingenommen auf die Menschen zu. Und ich finde, das passt prima zur Stadt Offenbach, die ich in den 20 Jahren auch immer als offen für neue Ideen erlebt habe.

Was würden Sie Ihren Klienten wünschen?

Ich würde mir eine größere Durchlässigkeit im Bildungssystem wünschen, mehr Möglichkeiten für Mütter und Väter in Teilzeit zu arbeiten und ein altersunabhängiges Bafög für alle, die einen Berufsabschluss nachholen, eine Ausbildung oder ein Studium machen möchten.

Vielen Dank!

29. Juli 2020