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Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß bei der Begrüßung<br />Bild 2: Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß, Jugenddezernentin Sabine Groß mit Cornelia Lehr, Hessisches Kultusministerium (vordere Reihe, 1. von rechts) und Susanne Meißner, Staatliches Schulamt (hintere Reihe, 2. von links) mit weiteren Referenten und den Moderatoren des Fachnachmittags. © Stadt Offenbach
Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, will der Bund ab dem Jahr 2025 einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für alle Grundschulkinder einführen.
Um Erfahrungen und Informationen auszutauschen und über Elternbedarfe und Praxisbeispiele zu informieren, luden das Staatliche Schulamt und die Stadt Offenbach zum Fachnachmittag „Ganztag macht Schule – Perspektiven ganztägiger Bildung an Offenbacher Grundschulen“ im November ins Rathaus ein. Zu diesem Termin erschienen mehr als 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Grundschulen, schulischen Förder- und Betreuungsvereinen, Horten und der Schulkindverpflegung. 

Susanne Meißner, Leiterin des Staatlichen Schulamtes, stellte in ihrer Begrüßung fest, dass in Offenbach bereits viele Erfahrungen zum Thema Ganztag an Schulen gesammelt wurden. „Mit mehr Lern- und Förderzeiten im Ganztag sollen die Bildungschancen der Kinder verbessert werden. Das ist für eine Großstadt wie Offenbach auch pädagogisch geboten.“ Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß berichtete über kommunale Herausforderungen: Mit dem Schulbausanierungsprogramm verfolge die Stadt das Ziel, Schulen für den Ganztag „fit“ zu machen. „Aufgrund der Schulneubauten kommen wir hier aber nicht in dem Tempo voran, wie wir uns das wünschen“, berichtete Weiß. Die Stadt fördere finanziell darüber hinaus ganztägige Bildungsangebote, wie Betreuungsangebote oder Hausaufgabenhilfe. Und die neue „Servicestelle Ganztag“ des Stadtschulamts unterstützt Schulen bei der Administration des Ganztags. 

Betreuungsbedarfe Offenbacher Eltern 

Ergebnisse einer Elternbefragung präsentierte Beatrice Ploch, Mitarbeiterin der Volkshochschule/Fachstelle Bildungskoordinierung und Beratung. Sie hatte im Schuljahr 2018/19 Bedarfe von Offenbacher Eltern mit Kindern in Klasse eins und zwei erfragt. Von den Eltern, die den Fragebogen beantworteten (1.619), hatten 69 Prozent nach Schulschluss einen Betreuungsbedarf. Eine parallel bei den Offenbacher Grundschulen in öffentlicher Trägerschaft durchgeführte Bestandsaufnahme zeigte, dass für 46 Prozent der dortigen Kinder in Klasse eins bis vier ein Platzangebot besteht, sei es in einer Ganztagsschule/Ganztagsklasse oder als Platz in der schulischen Nachmittagsbetreuung. Nimmt man die außerschulische Hortbetreuung dazu, besteht für 55 Prozent dieser Schülerschaft ein Platzangebot. Dieses Ergebnis lässt darauf schließen, dass 14 Prozent des Betreuungsbedarfs noch nicht gedeckt sind. „In dieser Rechnung allerdings ist nicht berücksichtigt, dass die Nachfrage nach festen Plätzen in den Klassen drei und vier erfahrungsgemäß abnimmt, und Kinder dann mehr zeitlich begrenzte AG-Angebote besuchen“, so Ploch.

61 Prozent der Grundschulen in Hessen arbeiten ganztägig

Über die Entwicklung der ganztägig arbeitenden Schulen in Hessen informierte Cornelia Lehr vom Hessischen Kultusministerium. „61 Prozent der Grundschulen sind mittlerweile im hessischen Ganztagsprogramm“, berichtete sie und stellte dessen drei Profilstufen vor:

• Profil 1: mit frei wählbaren Angeboten an mindestens drei Tagen bis 14:30 Uhr 
• Profil 2: mit frei wählbaren Angeboten an fünf Tagen bis 16/17 Uhr
• Profil 3: „gebundene“ Ganztagsschule mit verbindlichem Angebot an fünf Tagen

Ein weiterer Baustein des Ganztagsprogramms speziell für Grundschulen und Grundstufen von Förderschulen ist der „Pakt für den Nachmittag“, der im Schuljahr 2015/16 startete. Die Stadt Offenbach ist seit dem Schuljahr 2016/17 dabei. Mit dem Pakt erhalten die Betreuungsbedarfe der Eltern ein stärkeres Gewicht. „Das Kultusministerium ist im Pakt für die Zeit bis 14:30 Uhr verantwortlich, für die Zeit von 14:30 bis 17 Uhr und für das Ferienangebot die Kommunen mit ihren Kooperationspartnern“, erklärte die Referatsleiterin für ganztägig arbeitende Schulen. 

Erfahrungen aus Offenbach: Grundschule Buchhügel (Profil 3)

In einem anschließenden Praxisblock zeigten Katrin Hebeisen, Leiterin der Grundschule Buchhügel und ihre Stellvertreterin, Angelika Madeja, wie der Ganztag im Profil 3 ablaufen kann. „Seit dem letzten Schuljahr bieten wir allen 420 Schülerinnen und Schülern ein verbindliches Angebot bis 15 Uhr“, erläuterte Hebeisen. Nach dem Mittagessen folgen Bewegungs-, Spiel- und Entspannungsangebote, die von Lehrkräften, ehrenamtlich tätigen Eltern oder Vereinen angeboten werden. Bis 15 Uhr schließen sich für die ersten und zweiten Klassen Lernzeiten und für die Klassen drei und vier regulärer Unterricht sowie eine einstündige Lernzeit an. Bei Bedarf erhalten Kinder in der Zeit von 15 bis 17 Uhr eine Betreuung durch den Internationalen Bund (aktuell 60 Kinder). 

Erfahrungen aus Offenbach: Beethovenschule (Ganztagsklassen) 

Rhythmisierung, eine am Lernen orientierte Abfolge von Unterricht, Lernzeiten, Entspannung, ist auch für die Offenbacher Ganztagsklassen grundlegend. Sie werden in Offenbach an fünf Grundschulen mit dem Eigenbetrieb Kindertagesstätten Offenbach (EKO) angeboten und vom Kultusministerium im genannten Pakt für den Nachmittag gefördert. In den Ganztagsklassen erhalten damit fast 700 Kinder bis 17 Uhr einen schulischen Bildungstag mit Ferienangebot. Das Besondere: Eine Lehrkraft und zwei Hort-Erzieherinnen arbeiten in einer Ganztagsklasse zusammen. Gabriele zur Bonsen, Schulleiterin und Brigitte Hardrick, Leiterin der Kita 25 berichteten über die Umsetzung an der Beethovenschule. Dort laufen zwei Klassen pro Jahrgang als Ganztagsklassen. „Natürlich ist die Arbeit in einem multiprofessionellen Team aus Lehrkräften und Erzieherinnen herausfordernd. Damit sie gelingt ist die Bereitschaft zur Kooperation auf Augenhöhe, Offenheit und gemeinsame Entwicklung notwendig“, so zur Bonsen. Hardrick ergänzte: „Erzieherinnen haben aufgrund der Ausbildung einen anderen Blick auf das Kind, was für die Zusammenarbeit aber sehr gewinnbringend ist.“ 

Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Hessen unterstützt

„Es gibt nicht den Königsweg, jede Schule muss das für sie passende Konzept finden“, erläuterte Astrid Lütkenhaus von der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Hessen. Die Agentur berät Schulen, die in den Ganztag einsteigen oder ihr Ganztags-Profil weiterentwickeln möchten. Sinnvoll sei es, als Schule Schwerpunkte zu setzen und zum Beispiel zu fragen: Soll der Ganztag für die gesamte Schülerschaft oder nur für einen Teil verpflichtend sein? Wie und wann werden Unterricht, Entspannung, Lernzeit organisiert (Rhythmisierung)? „Ganztag ist ein Weg, der sich verändert und der nie zu Ende ist“, so Lütkenhaus.

Veranstaltet wurde der Fachnachmittag vom Staatlichen Schulamt und der Stadt Offenbach. Vorbereitet wurde er von Katrin Hebeisen, Leiterin Grundschule Buchhügel, Thomas Löhr, Amtsleiter Stadtschulamt, Beatrice Ploch und Kai Seibel, Volkshochschule/Fachstelle Bildungskoordinierung und Beratung.


Bildinformation:

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Fotos: Stadt Offenbach

Für Rückfragen: Volkshochschule, Kai Seibel, Leiter Fachstelle Bildungskoordinierung und Beratung, Tel. 069 / 8065-3153, E-Mail: kai.seibeloffenbachde

Offenbach am Main, 20. Dezember 2019
Bildungsdezernent Weiß begrüßt die Anwesenden
© Stadt Offenbach
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