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Bildschirm mit digitalen Unterrichtsmaterialien
Diital ist die Ludwig-Dern-Schule gut aufgestellt. © Stadt Offenbach
„Das hast Du sehr, sehr gut gemacht“, lobt Antje Pfau die Zwölfjährige Elya nachdem diese ein paar Sätze vor der Klasse vorgelesen hat. Auch Achmed wird für seinen Vortrag gelobt und Alessandro applaudiert. Motivation und das „Ich-kann-Was—Gefühl" vermitteln sind wichtiger Teil ihrer täglichen Arbeit, berichtet Pfau, die seit mehr als 20 Jahren als Förderlehrerin an der Ludwig-Dern-Schule, in allen Fächern mit viel Geduld, Energie und Leidenschaft unterrichtet.

Früher galt die Schule als „Dummenschule“ und hatte einen schlechten Ruf, das hat sich gewandelt. Heute heißt es „ich gehe gern´ zur Ludwig-Dern“ und das habe auch mit dem vor einigen Jahren errichteten Neubau zu tun, meint die Lehrerin. Rund 200 Kinder besuchen die Schule mit Schwerpunkt Lernen in der Grund- und Mittelstufe. Hier bekommen sie den Raum, der ihren individuellen Fähigkeiten und ihrem Lerntempo entspricht. Daher nimmt sich Pfau die Zeit, die es braucht, einen Zusammenhang verständlich zu erklären.

„Wir wollen Neugier bei den Kindern wecken und Ängste bekämpfen.“ Schließlich haben alle ihrer Schülerinnen und Schüler bereits eine Schulbiographie, die in den meisten Fällen mindestens mit Frustration zu tun hat. Denn hinter dem Begriff „Lernverzögert“ verbergen sich nicht nur ein anderes Tempo, sondern vielfach eben Teilleistungsschwächen wie Legasthenie, Dyskalkulie, ADHS oder sprachliche Defizite.

„Die Kinder hier sind nicht blöd, die merken in der Regelschule oder auch im Elternhaus, dass sie eigentlich schneller und besser sein sollten. Hier haben sie eine Chance, Spaß am Lernen zu finden und ihren Weg gehen zu können.“ Der führt an der Ludwig-Dern-Schule bis zur Berufsorientierung in der 7. Klasse und dann in die in Kooperation mit der Edith-Stein-Schule realisierte Hauptschulklasse.

Ohne Teilhabeassistenten geht es nicht

Pfau kennt die Eigenarten ihrer Sechstklässler sehr genau und kann auf jeden reagieren. Besonders jetzt, da auch hier die Klassen coronabedingt halbiert sind und statt der üblichen 14 Kinder nur sieben am Unterricht teilnehmen.

Klassenlehrerin Antje Pfau und Teilhabeassistentin Katja Rarichs im Einsat
Klassenlehrerin Antje Pfau und Teilhabeassistentin Katja Rarichs im Einsatz © Stadt Offenbach

Der zwölfjährige Alper ist Risikopatient und daher per Tablet von zuhause zugeschaltet, Katja Rarichs vermittelt zwischen dem Schüler und Pfau. Rarichs begleitet den Schüler als Teilhabeassistentin, normalerweise besucht sie mit ihm gemeinsam den Unterricht, stuppst ihn an und unterstützt ihn, wenn seine Konzentration oder sein Interesse abnimmt. Eigentlich betreut sie zwei Schüler in der 6b, durch die Aufteilung nun 1:1.

„Ohne Teilhabeassistenten wäre Unterreicht teilweise gar nicht möglich“, erklärt Pfau. Insgesamt sieben solcher Assistentinnen und Assistenten gibt es an der Ludwig-Dern-Schule, die mit Fingerspitzengefühl und Geduld betreuen. „Aber auch einer guten Portion Humor“, ergänzt Rarichs, „der hilft, wenn die Situation verfahren ist“. Wenn sich also einer ihrer beiden Schüler ärgert und damit kurz davor ist, den Unterricht zu sprengen, kann sie intervenieren und ihn wieder ins Unterrichtsgeschehen zurückholen. Jetzt allerdings ist es ein bisschen schwieriger, weil sie räumlich getrennt sind.

Allerdings funktioniert das online-Arbeiten doch gut und auch Alper hat eine Menge gelernt, sagt er: „Ich kann die App öffnen, gebe mein Passwort ein und bin da.“ Auf dem LED-Bildschirm, gemeinsam mit Antje Pfau und auf einem dritten Bildschirm dem behandelten Arbeitsblatt.

Kontakt mit Kindern ist an einer Förderschule elementar

In puncto technischer Ausstattung könne man sich nicht beklagen, erklärt Schulleiterin Ulla Rühl: „Wir profitieren vom Digitalpakt, das W-LAN funktioniert ruckelfrei und dann gibt es noch Kollegen, die IT-Kenntnisse mit Fachwissen zu verbinden wissen.“

Trotzdem sei Präsenzunterricht in jedem Fall vorzuziehen, der Kontakt mit den Kindern ist bei der Arbeit an der Förderschule elementar. „Deshalb haben Kollegen ihren Schülerinnen und Schülern während der Schließzeit Arbeitsmaterialien nach Hause gebracht und natürlich auch während der Zeit Kontakt gehalten.“ Damit ließ sich mit der Wiederaufnahme des Schulbetriebs zwar schnell wieder anknüpfen, aber wie in allen anderen Schulen auch eben nur mit reduziertem Stundenplan und halbierten Klassen.

Gemeinsam mit dem Kollegium hat sie schon mehrere Szenarien entwickelt, wie Unterricht auch nach den Sommerferien gut stattfinden kann. „Wenn es sein muss, auch digitaler. Aber wir möchten unsere Schüler schon lieber bei uns haben."

10. Juli 2020