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v.r.n.l.: Schulleiterin Karin Marré-Harrak, Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß, Reinigungskraft Mirjeda Balin, Stadtschulamtsleiter Thomas Löhr und Claudia Lisch, bei der GMB zuständig für das infrastrukturelle und kaufmännische Gebäudemanagement © Stadt Offenbach

Schulschließungen quasi über Nacht, Hausaufgabenverteilung per E-Mail und seit einigen Wochen der Versuch wieder etwas Normalität in den Schulalltag zu bringen: „Die Corona-Pandemie war nicht vorhersehbar und es ist toll, wie schnell und flexibel alle reagiert haben“, betont Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß. Vor allen in den Schulen, in denen Kinder gerne und viel die Köpfe zusammenstecken, gemeinsam Sport betrieben, musiziert und auf den Schulhöfen zusammengestanden wird, musste vieles neu gedacht werden, um das Infektionsrisiko beim Lernen zu senken. „Das ist auch für uns als Schulträger ein enormer Brocken. Zwar können wir nicht den Schulbetrieb oder Unterricht organisieren – da entscheidet der Kultusminister – aber mit der Verantwortung für Räume, Ausstattung, Reinigung und Hygienemaßnahmen sowie der Unterstützung bei Betreuung und Essen haben wir wichtige Aufgaben.“ Gemeinsam mit Stadtschulamtsleiter Thomas Löhr machte er sich in der Schillerschule ein Bild vom Hygienekonzept und sprach auch über die Zeit nach der Sommerschließzeit.

Hohe Reinigungsintervalle senken das Infektionsgeschehen

„Im März ging erst einmal alles Holterdipolter, seitdem haben wir viel ausprobiert und neue Wege beschritten“: Karin Marré-Harrak leitet die Schillerschule im Nordend, ihre Schülerschaft ist so bunt wie das Viertel selbst. Rund 1.000 Schüler besuchen die Integrierte Gesamtschule normalerweise, nach der Schließung der Schule am Anfang der Corona-Pandemie standen sie und ihr Kollegium wie alle vor der Herausforderung, den Schulalltag nach neuen Regeln neu zu organisieren. Dazu gehörte neben neuen Stundenplänen, Reduzierung der Klassengröße und Unterricht im Schichtbetrieb auch die Umsetzung eines belastbaren Hygienekonzeptes. Dies geschah im Schulterschluss und enger Abstimmung mit dem Stadtschulamt, dem Gesundheitsamt und der für die Verwaltung der Schulgebäude zuständigen GBM. Claudia Lisch ist dort für das infrastrukturelle und kaufmännische Gebäudemanagement zuständig, für sie bedeutete Corona „anfangs einen Riesenstress“. Denn die Erhöhung der Reinigungsintervalle wurde schnell zur Beschaffungsfrage, erzählt sie. So sei die GBM personell zwar glücklicherweise gut aufgestellt und auch die Abstimmung mit Kooperationspartnern habe reibungslos funktioniert, aber „der Markt für Desinfektionsmittel war zwischenzeitlich so gut wie leer und waren Pumpsprayer Mangelware.“ Zudem ließ die gestiegene Nachfrage die Preise deutlich steigen. Auf schätzungsweise 120.000 bis 140.000 Euro monatlich beziffert sie die Mehrkosten, die die zusätzlichen Reinigungsintervalle in den 30 Offenbacher Schulen durch Corona kosten.

Dafür werden die Klassenräume jetzt täglich grundgereinigt und Handgriffe sowie Tische und Stühle zweimal täglich desinfiziert. Mirjeda Balin arbeitet als Reinigungskraft bei der GBM und ist jeden Tag in der Schillerschule unterwegs. Hektisch wird es für sie vor allem in den Übergangszeiten, denn der neue Stundenplan sieht eine zusätzliche Reinigung der Klassenräume beim Wechsel der Klassen vor. Balin, selbst dreifache Mutter, findet die Intensivierung der Reinigung zum Schutz der Kinder richtig und hofft, dass ihre Kolleginnen an den anderen Schulen genauso gewissenhaft arbeiten wie sie. „Dass sie jeden Tag hier ist, finde ich schon für das subjektive Sauberkeitsempfinden gut“, bestätigt auch Marre-Harrak.

Wichtiger Schub durch Digitalpakt

Die Aufteilung der Klassen und die Organisation in neuen Einheiten und Zeitfenstern waren anfangs eine Herausforderung, inzwischen funktioniert der Schulbetrieb wieder ganz gut, berichtet die Schulleiterin: „Wir haben vier Eingänge und vier Schulhöfe hier, die Aufsichten sind gewährleistet und gemeinsam mit dem Kollegium wurde ein Fahrplan entwickelt, an den nach den Sommerferien angeknüpft werden kann.“ Daran wurde lange gefeilt und getüftelt, so dass die wesentlichen Inhalte des Lehrplans in Präsenzstunden, ergänzt mit der Nutzung des Onlineportals der Hessischen Lehrkräfteakademie vermittelt werden können.

„Es gibt ein brennendes Interesse der Lehrkräfte an Online-Formaten“, bestätigt Thomas Löhr, Leiter des Stadtschulamtes, den Trend: „Corona fordert uns alle auf, neue Wege zu beschreiten. Vor allem in Puncto Digitalisierung gibt es gerade einen enormen Schub.“ Hier hat die Stadt Offenbach schon einen Teil ihrer Hausaufgaben gemacht, so wurden in den letzten Jahren alle Schulen mit W-LAN ausgestattet. Jetzt werden die Server mit Office 365 inklusive Microsoft-Teams ausgerüstet, so dass alle Schülerinnen und Schüler mit der gleichen Software arbeiten und auch Videokonferenzen stattfinden können. Außerdem kann aus Mitteln des Digitalpakts Präsentationstechnik in den Klassenräumen verbaut werden.

Weil aber nicht alle Kinder über einen Computer oder ein Tablet verfügen, hat sich die Stadt um zusätzliche Finanzmittel aus dem Bundeshaushalt bemüht. Zwei Millionen Euro stehen jetzt für den Erwerb von Endgeräten zur Verfügung, damit können rund 3.000 Tablets angeschafft werden. „Verteilt werden diese nach Sozialindizes, aber“, betont der Bildungsdezernent, „auch nach der pädagogischen Bedürftigkeit. Da vertrauen wir auf die Lehrerinnen und Lehrer. Aber insgesamt sind wir bisher gut durch die Krise gekommen und werden an und mit ihr wachsen.“

Kurzfristige Sommercamps

Dabei, dass die Kinder nach den Sommerferien wieder gut anknüpfen können, helfen auch zusätzliche pädagogische Angebote in den Schulen während der Sommerferien. So hat das Land Hessen unlängst zusätzliche Mittel für die Durchführung von zweiwöchigen Sommercamps in den Schulen bereitgestellt, in denen Schülerinnen und Schüler mit Lehr- und Honorarkräften Schulstoff nachholen und eventuelle Lücken füllen. Natürlich ist dabei auch Raum für Spiel und Spaß. Bisher bieten die Mathildenschule und die Schillerschule diese internen Sommercamps an, die meisten Plätze sind hier bereits vergeben. „Das Angebot und die Initiative des Landes ist toll“, findet Weiß, „kam aber leider sehr kurzfristig. Die meisten Schulen und auch Eltern haben bereits für die Ferien geplant. Ich würde mich aber freuen, wenn noch weitere Sommercamps angeboten werden. So oder so versuchen wir, mit gemeinsamen Anstrengungen und trotz der Ausfälle während des letzten Schulhalbjahres kein Kind zurückzulassen.“

26. Juni 2020