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Yavuz Erciyes bildet in seinem Lebensmittelladen nahe dem Offenbacher Hauptbahnhof, dem Oktay Markt junge Menschen zu Kaufleuten im Einzelhandel aus. Susan Kazda, Mitarbeiterin der KAUSA Servicestelle im Amt für Arbeitsförderung hat sich mit ihm über seine Erfahrungen mit der Ausbildung unterhalten.
Yavuz-Erciyes vor seinem Lebensmittelladen, dem Oktay-Markt
Yavuz-Erciyes und sein Mitarbeiter vor dem Oktay Markt © Stadt Offenbach

Yavuz Erciyes ist 1978 als Jugendlicher nach Deutschland gekommen. Nach einem Jahr im Deutschkurs besuchte er die 8. Und 9. Klasse und machte seinen Hauptschulabschluss. Danach lernte er bei der Hoechst AG Maschinenschlosser. Schon während der Lehre hat Yavuz Erciyes im Oktay Markt gejobbt, und obwohl die Hoechst AG ihn übernommen hat, blieb er dem Lebensmittelladen treu und nahm dort eine Stelle an. Als der Eigentümer vor zehn Jahren in Rente ging, war Yavuz Erciyes die Nachfolge als Eigentümer sicher und seitdem bildet er auch aus. Bisher haben alle Jugendlichen die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, zwei konnte er danach als Mitarbeiter übernehmen.

Was ist denn Ihre Motivation, junge Auszubildende einzustellen?
Wenn Jugendliche nichts zu tun haben, dann fängt auch der Blödsinn an. Bei mir war es das Gleiche. Als mein Vater mich hier zu meinem Chef gebracht hat, hat er ihm gesagt, er will gar kein Geld für mich. Ich sollte nur hier bleiben, ehrlich. Man hat dann keine Zeit für anderen Blödsinn und man hat mit anständigen Menschen Kontakt. Das ist ein gutes Mittel, selbst ein ordentlicher Mensch zu werden.

Das klingt so, als wollten Sie den jungen Menschen eine Perspektive geben.
Ja, genau, auf jeden Fall. Ich unterhalte mich auch viel mit den jungen Leuten. Einer von meinen Azubis hatte den Realschulabschluss nicht geschafft, und er hatte Angst, die Lehre auch nicht zu schaffen. Der hat hier angefangen, am ersten Tag war er hier, am zweiten Tag ist er nicht gekommen. Und dann habe ich mit ihm geredet, seitdem ist er ganz anders geworden. Ich habe ihm gesagt, es gibt so viele Menschen, die haben eine Lehre, warum sollst du das nicht schaffen. Das ist machbar. Das ist für Menschen gedacht, an bestimmten Tagen arbeiten, an bestimmten Tagen zur Schule gehen, um am Ende eine Prüfung zu schreiben. Du bist auch ein Mensch, du hast auch Hände und Füße, du hast auch einen Kopf, du musst das auch schaffen. Ich habe mit ihm so ein bisschen gesprochen, seitdem läuft es.

Und lief denn immer alles rund oder gab es auch manchmal Probleme mit den Auszubildenden?
Eigentlich nicht. Man muss halt den Jugendlichen ein bisschen entgegenkommen. Das sind junge Menschen, die können mehr Fehler machen als wir und das muss man auch respektieren und über diese Probleme reden, dann löst es sich von alleine. Wie ich es eben erzählt habe, wenn ich ihm eine schriftliche Mahnung gegeben hätte, das hätte nicht so viel geholfen, wie dass ich mit ihm gesprochen habe.

Bei vielen Firmen ist es ja so, wenn ein Azubi am zweiten Tag nicht kommt, bekommt er eine Abmahnung oder manche kündigen sogar direkt.
Ja, genau. Wenn jemand am Anfang so einen Fehler macht, dann wird man skeptisch, wenn er am zweiten Tag das macht, was macht er nach einer Woche oder nach zwei Wochen?! Okay, diese Frage habe ich auch gehabt, aber als ich mit ihm gesprochen habe, habe ich auch gemerkt, dass es klappt. Er ist jetzt die zweite Woche hier, bis jetzt läuft das alles okay.

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