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Sait Özcan bildet in den Mobilfunkläden seines Unternehmens, der Kon-Tel GmbH junge Menschen zu Verkäufern, Kaufleuten im Einzelhandel und Kaufläuten für Groß- und Außenhandel aus. Susan Kazda, Mitarbeiterin der KAUSA Servicestelle im Amt für Arbeitsförderung hat sich mit ihm über seine Erfahrungen mit der Ausbildung unterhalten.
Sait Özcan kam 1979 nach Deutschland, kehrte für das Studium in die Türkei zurück und lebt seit Ende der 1980er Jahre wieder in Deutschland. Zunächst arbeitete er bei der türkischen Tageszeitung Millkiyet als Journalist und am Frankfurter Flughafen.
Sait Özcan mit Mitarbeitern in seinem Mobilfunkladen
Sait Özcan mit Mitarbeitern in seinem Mobilfunkladen © Stadt Offenbach

Dann erfüllte er sich den Traum vom eigenen Laden. Zunächst eröffnete er ein kleines Ladenlokal mit Geschenkartikeln, Schmuck und CDs aus der Türkei. Mittlerweile ist der Unternehmer seit 23 Jahren mit seiner eigenen Firma im Mobilfunkgeschäft aktiv, hat mehrere Filialen gegründet und bereits 12 junge Menschen in kaufmännischen Berufen ausgebildet.

Wie sind Sie denn zum Ausbilder geworden?
Nachdem ich meinen ersten Laden eröffnet hatte, bin ich zur IHK gegangen und habe gesagt, dass ich ausbilden will. Das war damals nicht möglich. Mir hat die Ausbildereignungsprüfung gefehlt und es gab noch andere Hürden. Aber ich habe nicht aufgegeben und schließlich hat es geklappt. Durch eine Kooperation mit einem Meisterbetrieb habe ich meinen ersten Auszubildenden bekommen. Ich habe parallel dazu die Ausbildereignungsprüfung gemacht und dann lief alles fast wie von selbst. Sogar das Land Hessen hat Ende der 90er Jahre kleinere Unternehmen unterstützt, damit sie mehr ausbilden. 

Da mussten Sie ja doch einiges dafür tun.
Ja, das stimmt. Wir kleinen Unternehmen mussten damals dafür kämpfen als Ausbilder anerkannt zu werden. Ich habe Unternehmensvereine und Kulturvereine motiviert und gesagt, wir müssen was tun, wir müssen was verlangen. Wenn uns die Bürokratie zu viel ist, dann müssen wir dafür kämpfen, dass sich etwas ändert. Das haben wir damals in den 90er Jahren gemacht und es geschafft. Ich habe keinen Meisterbrief gemacht. Ich habe in Deutschland überhaupt nicht gelernt. Aber ich habe diesen Ausbilderschein geschafft. Es ist möglich, man muss nur dran bleiben. Ein Netzwerk braucht man auch. Man muss wissen, an wen man sich wenden kann, es geht nichts über den persönlichen Kontakt!

Was ist denn Ihre Motivation auszubilden?
Ich denke, es ist für ein Unternehmen von der ökonomischen Seite betrachtet wichtig, regelmäßig Nachwuchs auszubilden. Auch wenn ein Azubi dem ausbildenden Betrieb viel Arbeit macht und es auch nicht immer einfach ist, mit den jungen Menschen zusammenzuarbeiten, ist es wichtig auszubilden. Ich als Unternehmer will nicht nur Geld verdienen, das sowieso, aber dabei gleichzeitig der Gemeinde helfen. Wir müssen den jungen Leuten eine Chance geben. Wenn wir das nicht machen, wenn ich das nicht mache, wenn andere das nicht machen, dann bleiben die jungen Leute arbeitslos und ohne Ausbildungsplatz. Mein Hauptziel war immer nicht nur Geld verdienen, sondern auch jungen Menschen zu helfen. Wenn jeder von uns so denkt, dann bleiben weniger junge Leute ohne Ausbildung.

Wie wählen Sie denn Ihre Auszubildenden aus?
Die meisten Azubis haben zunächst ein Praktikum bei mir gemacht. Dabei konnte ich feststellen, ob der Jugendliche geeignet ist oder nicht. Gecheckt habe ich, ob der Jugendliche sauber und ordentlich ist, wie er mit den Kunden umgeht und ob er Potenzial zum Verkaufen hat. Aus der Gruppe meiner Praktikanten habe ich mir dann die besten ausgesucht.

Sie gucken eher auf den Menschen als auf die Noten?
Genau, es gibt Jungs, die in der Schule schlecht sind, im Unterricht schlecht sind, also theoretisch schlecht sind, die aber praktisch gut sind und die auch gut verkaufen und gut mit Kunden kommunizieren können. Schwächen in den Schulfächern kann man verbessern, persönliches Verhalten zu ändern ist schwerer.

Gab es denn auch Schwierigkeiten mit den Jugendlichen, die Sie eingestellt haben?
Natürlich gab es Probleme, die jungen Leute hatten Probleme zu Hause, oft kamen Anrufe von der Schule, dass mein Azubi zu häufig und unentschuldigt fehlt.  Das Thema war immer da, das kann man auch nur schwer ändern. Wir haben dann mit den Jungs gesprochen und ihnen ins Gewissen geredet. Wenn das nicht geklappt hat, haben wir auch eine schriftliche Mahnung geschrieben. Meistens hat sich dann das Verhalten geändert. Man muss eben am Ball bleiben.

Können Sie anderen Unternehmen noch sagen, welche Vorteile sie durch Ausbildung haben?
Finanziell kann ein Unternehmen sparen, das ist schon mal der erste Punkt. Man muss aber Zeit und Energie aufwenden, um den jungen Menschen die praktische Seite des Berufs beizubringen. Nach drei Jahren haben sie einen Mitarbeiter, der bei ihnen gelernt hat, der sich mit dem Unternehmen auskennt. Er kennt das Konzept und kann auch in der Zukunft als Mitarbeiter gut arbeiten. Sie haben dann eine Fachkraft an der Hand, der sie alles beigebracht und gezeigt haben. Der Junge war optimal in der Ausbildung, den stelle ich jetzt als Mitarbeiter ein, dann wird er meine rechte Hand oder mein Abteilungsleiter, das ist eine super Sache.