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© Stadt Offenbach
Offenbacher Produktionsschulen stehen seit fast 20 Jahren für den gelungenen Ansatz, Theorie und Praxis zu verzahnen und damit Jugendlichen, die keinen Abschluss in der Schule geschafft haben, eine zweite Chance für eine Ausbildung zu geben. Über die Perspektiven für die berufliche Bildung, die Anforderungen an Fachkräfte in Produktionsschulen und ihre weitere Entwicklung informiert eine neue Broschüre mit dem Titel „Das Leben geht nie linear“.

Offenbach war eine der ersten Städte mit einer Produktionsschule. Das Modell wird inzwischen in vielen Regionen als erfolgreicher Weg zur Förderung benachteiligter Jugendlicher praktiziert. Im Start-Projekt der Stadt und in der Produktionsschule der Initiative Arbeit des Bistums Mainz arbeiten die Jugendlichen in kleinen Betrieben, erstellen dort Produkte und Dienstleistungen für den Markt, werden dabei aber intensiv pädagogisch gefördert. Durch die enge Kooperation mit Berufsschulen ist es auch möglich, den Hauptschulabschluss nachzuholen.

Zur Vertiefung der bundesweiten Fachdiskussion und Information für alle Interessierten hat das Amt für Arbeitsförderung der Stadt eine Broschüre herausgebracht. „Das Leben geht nie linear“ heißt der Band. Darin geht es um Perspektiven für die berufliche Bildung, die Anforderungen an Fachkräfte in Produktionsschulen und ihre weitere Entwicklung. Jutta Roitsch, langjährige Ressortleiterin der Frankfurter Rundschau, hat Pädagogen und Anleiter in den Produktionsschulprojekten aufgesucht und mit ihnen über Anforderungen und Erfolgsrezepte der pädagogischen Arbeit gesprochen.

Die Interviews zeigen die Höhen und Tiefen der alltäglichen Arbeit. Die persönliche Seite, die Beziehungen zu den Schülerinnen und Schülern, die Leidenschaft der handelnden Personen, die praktische Arbeit im Betrieb als Motivation und Triebfeder für Entwicklung, all das wird eingehend besprochen. Auch über Grenzen der pädagogischen Arbeit und den Bedarf an fachlicher Weiterentwicklung und politischer Reform wird nachgedacht. Fachartikel zum Ansatz der Produktionsschulen und ein langes Interview mit dem bekannten Bildungsforscher Professor Martin Baethge von der Universität Göttingen runden die Veröffentlichung ab.

„Ausbildung ist ein Menschenrecht“, kommentiert Baethge und fordert mehr Bereitschaft zu Innovation und Engagement, damit wirklich alle Menschen dieses Recht auch realisieren können. Insbesondere müssten die verschiedenen Glieder der „Bildungskette“ von der Kommune über die Schule bis in die Betriebe der Wirtschaft besser miteinander verzahnt werden, damit keine Jugendlichen verloren gehen und die Gesellschaft nicht unnötig wertvolle Talente vergeudet.

„Mit den Produktionsschulen haben wir in Offenbach vor vielen Jahren Neuland betreten, um benachteiligten Jugendlichen eine Chance zu geben“, kommentiert Stadtrat und Sozialdezernent Dr. Felix Schwenke die Veröffentlichung. „Das Modell hat sich bewährt und wir werden es fortsetzen. Aus den Interviews und Artikeln wird deutlich, dass das Engagement der Pädagogen und Mitarbeiter vor Ort letzten Endes der zentrale Erfolgsfaktor ist. Wir sind glücklich, dass wir in unseren Projekten so viele wirklich sehr engagierte und kompetente Mitarbeiter haben.“

Man müsse aber auch über einzelne Projekte hinausdenken, so Schwenke. Er setzt sich für eine Ausbildungsgarantie für alle Jugendlichen ein. Dafür müsse jeder einen Beitrag leisten, in erster Linie die Unternehmen, aber auch Land, Kommune, Jobcenter und Arbeitsverwaltung könnten durch gute Schule und ein wirksames Übergangsmanagement dazu beitragen, dass der Schritt in Ausbildung und Beruf wirklich allen Jugendlichen gelingt. „Die Produktionsschulen haben gezeigt, dass man auch Jugendliche mit vielen Handicaps zum Ausbildungserfolg führen kann. Das müssen wir verbreitern und gemeinsam mit der Wirtschaft weiter entwickeln.“

Die Broschüre „Das Leben geht nie linear“ kann beim Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration der Stadt Offenbach (Berliner Straße 100, 63065 Offenbach am Main) bezogen werden. E-Mail: produktionsschuleoffenbachde