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Übergänge vom Kindergarten in die Schule, insbesondere aber von der Schule in den Beruf besser gestalten, Warteschleifen auf Ausbildungsplätze verhindern und einen besseren Zugang zu Qualifizierung. Dies sind nur einige der Ziele, die sich das neu gegründete Bündnis für Bildung in Offenbach gesetzt hat.

Er sei überrascht gewesen, erklärt Walter Hiller von der Stiftung der Software AG, über die Vielfalt der bestehenden Bildungsprojekte in Offenbach: „Jetzt geht es darum, diese besser zu koordinieren, aber auch zu priorisieren.“ Die Stiftung der Software AG ist einer der rund 20 gleichberechtigten Partner, die zukünftig gemeinsam Verantwortung für die Ausbildung und Weiterbildung in der Stadt übernehmen wollen.

In Offenbach gibt es bereits einen Masterplan Bildung und mit Projekten wie dem im Sommer auslaufenden „Lernen vor Ort“, dem „Hessencampus“, dem Bildungsbüro und anderen Anlaufstellen rund um die vhs Initiativen und Angebote, Schulabschlüsse zu erlangen, nachzuholen oder sich weiter zu qualifizieren. „Bildung ist ein Standortfaktor und von uns bereits als Handlungsfeld definiert. Die Strukturen sind gegeben, jetzt geht es darum, diese besser zu vernetzen“, erläutert Stadtrat und Bildungsdezernent Dr. Felix Schwenke.

Letztlich habe nicht nur die Wirtschaft, sondern alle Bündnispartner ein Interesse an gut ausgebildeten jungen Menschen, von denen viele lange auf einen Ausbildungsplatz warten: „Warteschleifen können nicht zufrieden stellen“, meint Birgit Günther von der Agentur für Arbeit. „Ausbildung kostet Geld und eine gute Ausbildung ist die beste Basis für die Zukunft“, ergänzt Uwe Czupalla von der Kreishandwerkerschaft Stadt und Kreis Offenbach. Allerdings hapere es oftmals an den Zugängen beziehungsweise auch an den Erwartungen, insbesondere der Eltern. „Dabei“, so Bernd Sieber von der Handwerkskammer Rhein-Main, „gibt es durchaus Positivbeispiele, dass junge Menschen auch ohne gehobenen Bildungsabschluss eine Chance haben“: Bundesweit besäßen rund fünfzig Prozent der Auszubildenden im Handwerk „nur“ einen Hauptschulabschluss.

Daher gehe es auch darum, das Duale Ausbildungssystem zu stärken und langfristig akademischen Abschlüssen gleichzustellen. Überraschenderweise ist auch für den Zugang zur international renommierten Kreativschmiede in Offenbach, der Hochschule für Gestaltung, nicht der Abschluss, sondern das Talent entscheidend. „Auch wenn wir uns um Bewerber sicher keine Sorgen machen müssen“, erklärt Prof. Kai-Uwe Vöckler, „möchten wir die künstlerisch-gestalterische Ausbildung stärker im Bewusstsein verankern“. Daher ist die HfG ebenso Partner des Bündnisses wie der DGB und die Hessische Berufsakademie, die Goethe-Universität und die Industrie- und Handelskammer Offenbach, die mehr als 1.100 Unternehmen und 3.500 Auszubildende vertritt. Für deren Vertreter Markus Weinbrenner schafft das Bündnis daher eine gute Voraussetzung, um eben beispielsweise Übergänge zu optimieren.

Zweimal im Jahr wollen sich die Vertreter des Bündnisses treffen, um die Bildungslandschaft Offenbach zu diskutieren und gemeinsam zu gestalten. Für die konkrete Umsetzung wurde eine „Arbeitsgruppe Bildungskoordination“ gegründet, die auch Unter-Arbeitsgruppen für bestimmte Teilaufgaben bilden kann. Ebenfalls vereinbart ist eine personelle und finanzielle Kooperation, die Koordination haben derzeit noch die Mitarbeiter des Projektes „Lernen vor Ort“ innen. „Langfristig wäre eine Unterstützung durch das Land Hessen wünschenswert“, meint Wolfgang Rombey. Er hat als Vorsitzender des Schul- und Bildungsausschusses des Deutschen Städtetags bereits andere Kommunen bei der Vernetzung ihrer Bildungsprojekte unterstützt: „In Nordrhein-Westfalen gibt es rund fünfzig Bildungsregionen, in Baden-Württemberg 27 und in Thüringen vier. In Hessen gibt es bisher keine.“