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Deutschunterricht beim DeutschSommer 2015
Deutschunterricht beim DeutschSommer 2015 © Stadt Offenbach am Main

Baran hat die Krone auf. In seinen Händen hält er ein Blatt, auf dem das Wort „fliegen“ steht. Links und rechts von ihm stehen noch vier weitere Kinder, die ebenfalls Blätter halten, auf denen Satzteile stehen. „Warum hat Baran die Krone auf?“, fragt die Deutschlehrerin Angela Gangemi. „Was ist fliegen für ein Wort?“, bohrt sie weiter. Maria weiß es: „Es ist ein Tuwort, ein Verb.“ „Das Verb hat die Krone auf, weil es immer an der gleichen Stelle im Satz steht“, erklärt die Deutschlehrerin den 16 Schülerinnen und Schülern. Es stehe immer an der zweiten Position im Satz. Das Verb sei daher der König im Satz.

Um das gerade Gelernte zu üben, teilt die Lehrerin die Kinder anschließend in Vierergruppen ein. Larisa, Selina, Noah und Naris haben eine Arbeitsgruppe gebildet. Sie sollen aus vier Satzteilen, die auf Kärtchen stehen, mehrere Sätze bilden. Noah legt den ersten Satz: „Tom schmiert sich auf die Zahnbürste Mamas Gesichtscreme“. Jedes der vier Kinder schreibt den Satz in sein Heft. Anschließend bilden sie zusammen einen neuen Satz mit den gleichen Satzteilen. Er lautet: „Mamas Gesichtscreme schmiert sich Tom auf die Zahnbürste.“ Naris erinnert daran, dass das Verb immer an zweiter Stelle stehen muss.

Bürgermeister Peter Schneider mit Kindern beim DeutschSommer 2015
Bürgermeister Peter Schneider mit Kindern beim DeutschSommer 2015 © Stadt Offenbach am Main

„Ferien, die schlau machen“

Baran, Maria und die anderen Kinder sind weder Klassenkameraden noch findet der Deutschunterricht an einer Grundschule statt. Sie sind vielmehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer des sechsten Offenbacher DeutschSommer und befinden sich im Schullandheim Wegscheide. In der ersten Programmwoche erhalten die Kinder Besuch vom Bürgermeister Peter Schneider und dem städtischen Schulamtsleiter Thomas Löhr. Der DeutschSommer ist ein Projekt der Stadt Offenbach und richtet sich an Drittklässler mit einem besonderen Förderbedarf in der deutschen Sprache. Gefördert wird das Projekt von der Erhard-Kunert-Stiftung, der Städtischen Sparkasse Offenbach, der Ippen-Stiftung, der Bürgerstiftung Offenbach und der Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe. 

Unter dem Motto „Ferien, die schlau machen“ nehmen in diesem Jahr 31 Kinder aus 9 Offenbacher Schulen in den ersten Wochen der Sommerferien an dem Programm teil. Am Vormittag erhalten sie zwei Stunden Deutschunterricht und zwei Stunden sprachintensiven Theaterunterricht in kleinen Schülergruppen mit bis zu 16 Kindern. Unterrichtet und betreut werden die in der Regel neunjährigen Kinder von sieben Sprach-, Theater- und Sozialpädagoginnen und -pädagogen.

Baran erzählt, dass er sich auf das Wochenende freut, weil er dann seine Eltern wieder sieht. Elham dagegen vermisst seine Eltern nicht. Heimweh hätte er nur in den ersten Tagen gehabt. Die meisten Kinder seien zum ersten Mal so lange von den Eltern getrennt, weiß der Projektleiter Jörg Muthorst. Daher sei die Lern- und Ferienfreizeit eine Herausforderung für viele Kinder. Jeweils am Freitagnachmittag ginge es zurück nach Offenbach. Denn am Wochenende sind die Mädchen und Jungen zu Hause. Trotz Heimweh sind die Kinder von den Lern-Ferien begeistert. „Der DeutschSommer ist cool und spannend“, sagt Maria. Sie hat am Vortag ein Schiff gebaut, auf dessen Segel genau dieser Satz steht. Sie freut sich schon auf den Nachmittag, dann möchte sie ein Gespenst basteln.

Theaterunterricht beim DeutschSommer 2015
Theaterunterricht beim DeutschSommer 2015 © Stadt Offenbach am Main

Affenzeit am Nachmittag

Um Gespenster geht es auch im anschließenden Theaterunterricht. Die Kinder erarbeiten zusammen mit der Theaterpädagogin Janina Blohm-Sievers ein kleines Theaterstück auf Grundlage des Kinderromans „Gespensterjäger auf eisiger Spur“ von Cornelia Funke. Der Theaterunterricht beginnt mit einem Körper- und Stimmen-Warm-up sowie einem Gespenster-Spiel. Wenn die Theaterlehrerin „Eisgespenst“ ruft, müssen die Kinder wie vereist stehen bleiben. Ruft sie „Riesengespenst“ hocken sich die Kinder schnell auf den Boden. Erschallt das Wort „Minigespenst“ springen die Kinder in die Höhe, so als wollten sie über das Gespenst drüber hüpfen. Wer nicht rechtzeitig reagiert, scheidet aus. Obwohl das erst der vierte DeutschSommer-Tag ist, beherrschen die Kinder das Spiel so gut, dass die Theaterexpertin zwei weitere Gespenster einführen muss. Beim „Feuergespenst“ rennen die Kinder an die Wand und beim „Zeitgeist“ bewegen sie sich in Zeitlupe. Etwa zehn Minuten dauert das Spiel, am Ende bleiben Noah und Larisa als Gewinner übrig. Danach beginnt der eigentliche Unterricht, bei dem die Kinder sich unter anderem in Gespenster hineinfühlen und diese darstellen sollen.

„Am Nachmittag haben wir dann Affenzeit“, freut sich Noah. Damit sei gemeint, dass die Kinder frei spielen dürfen. „Es gibt aber auch verschiedene Nachmittagsangebote“, erläutert die neunjährige Larisa. Und erklärt, dass die Kinder zum Beispiel basteln oder musizieren können. „Gestern wollten wir auch einen Ausflug zum Bach machen“, erzählt Larisa. Aufgrund der schlechten Wetterprognosen sei das jedoch vertagt worden. „Vielleicht gehen wir ja heute zum Bach“, hofft sie.

Viele der Freizeitangebote am Nachmittag seien ebenfalls darauf ausgerichtet, die Sprachkompetenz der Kinder zu erhöhen, erläutert Jörg Muthorst. Die Schülerinnen und Schüler können eine Wandzeitung gestalten, einen Brief an ihre Eltern schreiben oder einen Rap texten.