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Ein guter Vorsatz für das neue Jahr? Wie wäre es mit dem Realschulabschluss? Am 6. Februar starten die ersten zwei Realschulklassen für Erwachsene an den Gewerblich-Technischen-Schulen (GTS). Anmeldungen sind noch bis Ende Januar möglich.
Schachspieler Gewerblich-Technische-Schule
© georg-foto.de

Nachfrage ist groß

Die Gründe, weshalb so mancher die Schule ohne einen Abschluss verlassen hat, sind vielfältig. All jenen, denen in der Jugend Durchhaltevermögen oder Motivation fehlte, möchte die Stadt Offenbach mit dem neuen Angebot an den Gewerblich-Technischen-Schulen (GTS) entgegenkommen. „Wir wissen, dass der Bedarf da ist“, erklärt Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß. Auf rund 2.000 erwachsene Schüler schätzt er das Potenzial in der Stadt ein. Denn knapp 100 Jugendliche sind es jedes Jahr, die die Offenbacher Schulen trotz der zahlreichen Anstrengungen der Bildungsträger ohne Abschluss verlassen. „Dabei handelt es sich nicht nur um Schulverweigerer, sondern meist um junge Menschen, die aus persönlichen oder familiären Gründen, den Bildungsanschluss verpasst haben“, so Weiß weiter, „und die wir weder mit Förderkursen noch zusätzlichen Angeboten erreicht haben.“

Entsprechend heterogen sind beispielsweise auch die Klassen in den Weiterbildungskursen der Volkshochschule zusammengesetzt, in denen Erwachsene auf dem zweiten Bildungsweg nachholen, was sie in jungen Jahren versäumt haben. Pia Glück, als Programmbereichsleiterin bei der vhs Offenbach zuständig für Schulabschlüsse, weiß, dass viele, die mit dem Abschluss die eigene berufliche Perspektive verbessern wollen, erst einmal die Kursgebühr scheuen. Knapp 1.750 Euro kostet der einjährige Kurs, aber die Nachfrage ist groß. „Deshalb sind wir froh, Interessenten jetzt auch an die GTS weiterverweisen zu können.“

Die Motivation muss stimmen

Im Gegensatz dazu ist das viersemestrige Angebot der GTS kostenlos. Es richtet sich an alle ab 18 Jahren, die die Vollzeitschulpflicht erfüllt und noch keinen Realschulabschluss haben, bisher aber von den Gebühren abgeschreckt wurden. Ein Eignungstest soll beiden Seiten Aufschluss über die Motivation der Interessenten geben. „Die Motivation muss stimmen“, erklärt der stellvertretende Leiter der GTS, Robert Börner, und Schulleiter Johannes Leist ergänzt: „Die Interessenten müssen versichern, dass sie die Schule ernsthaft besuchen und den Abschluss schaffen wollen.“

Auch wenn die Zeit zwischen Genehmigung und Schulbeginn im Februar kurz ist, gehen beide nicht davon aus, dass Plätze in den neuen Klassen leer bleiben. „Es hat lange gedauert, das Kultusministerium vom Bedarf zu überzeugen. Aber dann ging alles sehr schnell“, erklärt Schulleiter Johannes Leist. Mitte November war „die Tinte trocken“, erst seitdem kann die Schule das neue Angebot kommunizieren.

Praxisnahe Ausbildung

Das Curriculum ist vorgegeben, neben den klassischen Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch, Historisch-Politische Bildung stehen Arbeitslehre und Informationstechnik auf dem Stundenplan. „Vor allem bei Mathematik und Informationstechnik können die Schüler von den Netzwerken der Schule profitieren und an berufliche Zusammenhänge anknüpfen“, so Leist weiter.

Die GTS kooperieren als Berufsschule mit zahlreichen Unternehmen und verfügen daher auch über eine gewisse Praxisnähe und weiterführende Kontakte. „Wir sind schon jetzt, wie man so schön sagt, breit aufgestellt und versuchen, aktuelle Entwicklungen im Blick zu behalten“, ergänzt Börner, der die GTS auch als Spiegel für den Strukturwandel in der Stadt sieht: „Früher hatten wir rund 2.600 Schülerinnen und Schüler aus unserem Einzugsgebiet. Es konnten fünf Parallelklassen mit Industriemechanikern gebildet werden, heute gibt es nur noch eine Industriemechanikerklasse. Aber eben mehr Spezialisierungen, wie die Klassen, in denen die Lufthansa bei uns Luftfahrttechniker ausbilden lässt.“

Passgenaues Angebot auch für alleinerziehende Frauen

Das neue Angebot wird auch die Zusammensetzung der Schülerschaft verändern, sind sich beide sicher. Schon jetzt zeichnet sich ein großes Interesse von Frauen ab, berichtet Leist: „Das ist für eine Schule wie die unsere mit einem technischen Schwerpunkt eher ungewöhnlich.“ Die Erhöhung des Frauenanteils ist durchaus gewollt. Damit auch alleinerziehende Frauen den Realschulabschluss nachträglich erwerben können, findet der Unterricht jeden Tag in der Zeit von 11 bis 16 Uhr statt.

Interessenten für die neue Klasse melden sich bitte per Mail bei Frau Deck (deckgts-offenbachde) oder informieren sich auf der Homepage www.gts-offenbach.de/bildungsangebot/schule-fuer-erwachsene/

2.1.2017