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Kinder beim Schreiben
© klimkin/pixabay.com
Offenbach wächst. Vor allem junge Familien schätzen die Stadt wegen ihrer zentrale Lage inmitten des Rhein-Main-Gebietes, ihres urbanen Charakters, hohem Freizeitwert sowie guten Kinderbetreuungsangeboten für Kleinkinder und Kinder bis sechs Jahren. Danach allerdings wird es inzwischen eng, denn die Beliebtheit Offenbachs als Zuzugsort bekommen langsam die Grundschulen und dann, mit entsprechender Verzögerung, die weiterführenden Schulen zu spüren. „Die Stadt wächst schneller als im Schulentwicklungsplan 2013 vorgesehen, die Kinder sind da und wir müssen jetzt nachjustieren.“ Der Aus- und Umbau der bestehenden Schulen sowie der Neubau von zwei Grundschulen und eines Gymnasiums sollen daher schnell vorangetrieben werden. So sieht es die Fortschreibung des Schulentwicklungsplans vor, die Bildungsdezernent Paul- Gerhard Weiß und Stadtschulamtsleiter Thomas Löhr am 27. November vorstellten. Fortschreibung weil das Hessische Kultusministerium die Genehmigung im September 2015 mit der Auflage verknüpfte, diesen innerhalb von drei Jahren mit der Inklusion zu erweitern.

Schulbündnis für Inklusive Beschulung auf den Weg gebracht

„Bei Neubauten wird natürlich auf die Barrierefreiheit geachtet“, erklärt Weiß, „aber bei nicht allen Bestandsgebäuden lässt sich diese einfach herstellen.“ Manchmal auch gar nicht, wie das Beispiel Albert-Schweitzer-Schule zeigt: Dort sind sowohl Nebengebäude und Turnhalle barrierefrei zugänglich, mobilitätseingeschränkte Schüler und auch Lehrer scheitern allerdings beim Zugang zum Hauptgebäude. Rampen oder Aufzüge lassen sich dort nicht anbringen und in den Nebengebäuden sind die naturwissenschaftlichen Fächer untergebracht. Möglich ist dort die inklusive Beschulung in den Förderschwerpunkten Sprachheilförderung, emotionale und geistige Entwicklung. Gefördert werden können zudem Fähigkeiten im Sehen, Hören und Lernen. Ähnlich sieht es bei der Anne-Frank-Schule und der Bachschule aus. Baulich gut aufgestellt hingegen sind die Beethovenschule und die Edith-Stein-Schule. Trotzdem hat sich seit dem Erlass einiges getan und werden zunehmend mehr Schülerinnen und Schüler inklusiv beschult: 116 waren es noch im Schuljahr 2014/15, 153 bereits 2016/17. Koordiniert werden die Angebote vom regionalen Beratungs-und Förderzentrum (rBFZ), dessen Aktivitäten nun unter dem Dach der Ludwig-Dern-Schule gebündelt werden. Außerdem wurde Anfang 2018 das Inklusive Schulbündnis Offenbach gegründet, das unter der Leitung der Schulaufsichtsbehörde die Standorte für den inklusiven Unterricht festlegt und die Landesmittel verwaltet.

Offenbacher Schullandschaft neu organisiert   

Eng verzahnt mit dem Wachstum der Stadt ist auch das 2007 gestartete Schulsanierungsprogramm, mit dem Offenbacher Schulen zukunftsfähig gemacht werden sollen. Das heißt, die erste Hälfte der Schulen ist bereits in einem sehr guten Zustand.  „Das bestätigen auch Lehrer die von auswärts zu uns kommen“, so Weiß. Bei der zweiten Hälfte gibt es unterschiedlichste Mängel, die durch Einzelmaßnahmen behoben werden sollen und für die der Kämmerer jährlich 2 Millionen Euro bereit hält.
„Die Bevölkerung wächst rasant, die Kinderzahlen gehen hoch und der Trend hält an.“ 2008 besuchten 1150 Schülerinnen und Schüler die Grundschulen in Offenbach, wenn der Trend anhält werden es im Schuljahr 2024/25 1.650 Grundschüler sein. Für Bildungs- und Stadtplanungsdezernent Weiß geht es daher vordringlich darum, neue Kapazitäten zu schaffen. Deshalb  sind an einigen Schulen bauliche Erweiterungen geplant, so sollen die Mathildenschule und die Humboldtschule um je einen Zug, die Geschwister-Scholl-Schule um zwei Züge, die Ernst-Reuter-Schule um je einen Grundschul- sowie einen Sek-I-Zug  und die Bachschule zur zweizügigen Grundschule erweitert werden. Im Zuge der Erweiterungen wird die Offenbacher Schullandschaft neu organisiert: So werden Mathilden- und Bachschule in verbundene Grund- und integrierte Gesamtschulen umgewandelt und wird die Leibnizschule ab dem Schuljahr 2019/20 als neunjähriges Gymnasium geführt.
Etwas Entspannung für die bestehenden Gymnasien verspricht die geplante Sanierung der Edith-Stein-Schule, die  genutzt wird um diese im Zuge der baulichen Maßnahmen als gymnasiale Oberstufe auszubauen. „Bisher reichten die Schülerzahlen für eine solche Oberstufe nicht aus, jetzt ist sie möglich und schulpolitisch auch sinnvoll“, erklärt Weiß. Die Rudolf-Koch-Schule, an deren Oberstufe bisher die meisten zum Abitur strebenden Absolventen der Gesamtschulen wechselten, könne ihre Oberstufe künftig durch eine gestärkte Mittelstufe selbst füllen.
Neugebaut werden soll außerdem eine dreizügige Grundschule in Bieber-Nord sowie ein sechszügiges Gymnasium. Eine Fläche haben die beiden gemeinsam mit den Stadtplanern bereits ausgeguckt, „zentral gelegen und gut angebunden, was auch den Lehrern gefallen dürfte“, so Weiß, auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs direkt an der S-Bahn Offenbach-Ost. Wenn alles gut geht, soll der Bebauungsplan bereits im Frühjahr in die entsprechenden Gremien gehen, nötig ist zudem eine Ausnahmegenehmigung des Regierungspräsidiums da sich das Grundstück in der Lärmschutzzone befindet.  

Offenbach am Main, 3. Dezember 2018