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Offenbach am Main, 14. Juni 2017 – Offenbach wächst. Hatte die Stadt 2011 noch rund 120.000 Einwohner, lebten 2016 bereits 133.000 Menschen hier. Vor allem junge Familien schätzen das Leben in der kleinen Großstadt mit hohem Freizeitwert. Eine erfreuliche Entwicklung, für Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß aber auch eine Herausforderung. Auf Basis der aktuellen Bevölkerungsentwicklung hat das Stadtschulamt den zu erwartenden Schulraumbedarf bis 2023/24 ermittelt: Schon jetzt wird es eng an den Offenbacher Schulen, entsprechend groß ist der Handlungsbedarf. Wurden in den letzten Jahren durchschnittlich 1200 Kinder eingeschult, sind es in diesem Schuljahr knapp 1400, Tendenz steigend. Der Auftrag an den Magistrat ist klar: „Damit die Stadt Offenbach Kindern auch langfristig gute Bildungschancen eröffnen kann, muss Raum geschaffen werden. Wir brauchen zusätzliche Räume und das relativ schnell.“

Mehr Grundschüler und langfristig mehr Gymnasiasten

Zur Deckung des kurz- und mittelfristigen Raumbedarfs sind flexibel einsetzbare Klassenraummodule denkbar, „langfristig ist das allerdings keine Lösung“, erklärt Weiß. Insgesamt 55 solcher Module müssten sukzessive bis 2024 an den unterschiedlichen Schulen gestellt werden, um der wachsenden Anzahl von ABC-Schülern und langfristig auch Gymnasiasten gerecht zu werden. Denn auch an den drei Offenbacher Gymnasien wird es eng, für das neue Schuljahr haben Albert-Schweitzer-Schule, Leibnizschule und Rudolf-Koch-Schule jeweils um einen Zug erweitert, nehmen also jeweils eine weitere Klasse auf. Aber bereits im kommenden Jahr sind die Kapazitäten ausgeschöpft.

Während die Fehlbedarfs-Prognosen für Gymnasien bei sechs Klassen im Jahr 2022/23 liegen, fehlen an den Gesamtschulen 2019 voraussichtlich fünf und in den folgenden Jahren zwei Klassen. Keinen Fehlbedarf wird es voraussichtlich in den Haupt- und Realschulen geben, trotz wachsender Schülerzahlen in der Bachschule ist der Trend zum Gymnasium ungebrochen. Bei der Wahl der Schulform gibt der Klassenlehrer eine Empfehlung ab, letztlich aber entscheiden die Eltern. „Diesen Elternwunsch können wir auch erfüllen. Auch bei der Wahl der konkreten Schule versuchen wir nach Möglichkeit die Wünsche zu berücksichtigen “, erklärt der Leiter des Städtischen Schulamtes Thomas Löhr, was aber nicht immer funktioniert: „Dann entscheidet das Los.“

Neues Angebot auf dem Weg zum Abitur

„Ich halte zudem die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an der Edith-Stein-Schule für erforderlich. Derzeit wechseln Absolventen der Gesamt- und Realschulen zum größten Teil an die Rudolf-Koch-Schule. Mit einer gymnasialen Oberstufe an der Edith-Stein-Schule können diese Schülerinnen und Schüler künftig dort das Abitur anstreben. Gleichzeitig wird die Rudolf-Koch-Schule dadurch räumlich entlastet, so dass die Sekundarstufe I dort verstärkt werden kann“, stellt Weiß dar.

Schulsanierungsprogramm hat wachsenden Bedarf teilweise schon mitgedacht

Mit dem 2007 gestarteten Schulbauprogramm sollten alle Offenbacher Schulen fit für die Zukunft werden. An 16 der insgesamt 27 Grund- und weiterführenden Schulen gab es Gesamt- und Teilsanierungen sowie Einzelmaßnahmen. Mit der Hafenschule entstand eine neue Grundschule. In vielen Fällen wurden im Zuge der Sanierung die Schulen auch gleich erweitert. Aber die Bevölkerung wächst schneller als angenommen. „Der Siedlungsdruck, insbesondere in den Ballungsgebieten, hat zugenommen, damit ist Offenbach nicht alleine.“

Um den wachsenden Raumbedarf zu decken, plädiert Weiß für eine weitere innerstädtische Grundschule sowie ein weiteres Gymnasium. Ob als Neubau oder im Bestand müsse geprüft werden, sagt Weiß und verspricht: „Es gibt keine Denkverbote, wir sind für alles offen.“ So wäre für den zukünftig wachsenden Bedarf der Rudolf-Koch-Schule beispielsweise eine Nutzung der Fröbelschule nach deren Umzug in den Neubau an der Mühlheimer Straße eine Option. Ob auch Gebäude der Hochschule für Gestaltung (HfG) hierfür in Frage kommen, ist wegen des offenen Zeitpunkts für einen Neubau im Hafen nicht einschätzbar. Und wenn 2018 die Erschließung und Vermarktung des Baugebietes Bieber-Nord beginnt, müsse auch dort schnell eine Grundschule in modularer Bauweise errichtet werden, „denn die Mauerfeldschule ist dicht“.