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Käthe-Kollwitz-Schule mit einem Gerüst umstellt.
Das Hauptgebäude der Käthe-Kollwitz-Schule ist noch von einem Baugerüst umgeben. © SOH
Die Stadt Offenbach muss für die im Juni 2017 begonnene Sanierung und den Umbau ihrer Berufsschule am Buchhügel tiefer in die Tasche greifen. Der noch vor fünf Jahren beim Projektbeschluss zugrunde gelegte Kostenrahmen lässt sich nicht einhalten. Die Gesamtkosten in Höhe von ursprünglich 18,95 Millionen Euro erhöhen sich um 4,5 auf 23,45 Millionen Euro. Der Magistrat hat die zusätzlichen Mittel in seiner Sitzung vom 1. August bewilligt.

Die Ursache der Kostensteigerung an der Käthe-Kollwitz-Schule sei vielschichtig und komplex, erklärt Paul-Gerhard Weiß, Bau- und zugleich Schuldezernent. Gleich mehrere Faktoren hätten eine Rolle gespielt und nicht nur den Kostenrahmen gesprengt, sondern fallweise auch für zeitliche Verzögerungen gesorgt. So hätten gleich mehrere zusätzliche Baumaßnahmen durchgeführt werden müssen, die beim Projektbeschluss im Jahr 2013 nicht vorhersehbar, nun jedoch unabwendbar gewesen seien. Dazu zähle neben der Erneuerung der unterhalb und außerhalb des Schulgebäudes verlaufenden Grundleitung vor allem der erheblich höhere Aufwand bei der Asbestsanierung. Ausbau und fachgerechte Entsorgung asbesthaltiger Bodenbeläge, brandschutztechnischer Einrichtungen und Fassadenplatten samt Brüstungselementen und Fenstern machen ohnehin einen großen Teil der Sanierungsarbeiten aus. Im Zuge der Bauarbeiten wurden Ende 2017 jedoch weitere, bislang unbekannte schadstoffbelastete Bauteile entdeckt, so etwa in vier großen zentralen Installationsschächten, in den Anschlussstreifen zwischen Türzargen und Wänden sowie im Bereich der Anschlussfugen aller leichten Trennwände. Inzwischen sind sämtliche asbesthaltigen Trennwände bei den bereits abgeschlossenen Bauabschnitten entfernt worden.

Sanierung und Umbau der Schule bei laufendem Unterricht erforderten zusätzliche Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des Schulbetriebes. Dazu zählten zum Beispiel die umfangreichen provisorischen Verlegungen von Leitungen. Auch bei der Belüftung habe nachgesteuert werden müssen, weil die Anlage aufgrund der zwischenzeitlich geänderten Normen größer dimensioniert sein musste, erläutert der Stadtrat. Darüber hinaus, so Paul-Gerhard Weiß, habe es aufgrund der boomenden Bauwirtschaft mit ihren vielerorts überlasteten Kapazitäten eine 2013 noch nicht vorhersehbare Steigerung der Baukosten gegeben. „Letztlich sind der Aufwand und die Kosten jedoch gerechtfertigt, damit wir den Schülerinnen und Schülern ein asbestfreies Gebäude mit modernen Unterrichtsräumen zur Verfügung stellen können. Die Schule hat lang genug darauf warten müssen.“

Ziel: praxisgerechte und barrierefreie Räume

Die Käthe-Kollwitz-Schule wird von rund 1.400 Schülerinnen und Schülern besucht. Seit ihrer Eröffnung 1978 ist die berufliche Bildungseinrichtung in der Buchhügelallee 90 noch nie grundsaniert worden. Im Juni 2017 begann die Stadt Offenbach damit, die Schule bei laufendem Unterrichtsbetrieb in drei Bauabschnitten auf den neuesten Stand der Technik, der Energieeinsparung und des Brandschutzes zu bringen und die Räume praxisgerechter aufzuteilen und barrierefrei zugänglich zu machen.
Bis Anfang 2019 soll die Schule saniert und umgebaut sein. Die Projektleitung für dieses umfangreiche und besonders komplexe Sanierungsvorhaben liegt beim Hochbaumanagement des Amtes für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement. Mit der Projektsteuerung und treuhänderischen Bauabwicklung wurde gemäß Stadtverordnetenbeschluss die OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH aus der Stadtwerke-Gruppe durch das Hochbaumanagement beauftragt. Die Bauarbeiten bei laufendem Schulbetrieb stellten für alle Beteiligten eine große Herausforderung dar, erklären übereinstimmend die Leiterin des städtischen Hochbaus, Anna Heep, wie auch OPG-Geschäftsführerin Daniela Matha, die in diesem Zusammenhang von einer „besonders anspruchsvollen Aufgabe“ sprechen. Das Projektmanagement sei unter diesen Umständen sehr aufwändig und oft könnten die Baufirmen nur „mit angezogener Handbremse“ arbeiten, um den Unterricht nicht zu stark zu beeinträchtigen.

Käthe-Kollwitz-Schule mit einem Gerüst umstellt.
Der Eingangsbereich der Käthe-Kollwitz-Schule auf dem Buchhügel. © SOH

Schichtunterricht für den Übergang

Die städtischen Vertreterinnen des Bauherrn Stadt Offenbach wie auch der OPG bedanken sich bei den Schulleitungen sowohl der Käthe-Kollwitz-Schule als auch der benachbarten Theodor-Heuss-Schule wie auch beim Stadtschulamt für deren gute Kooperation. Die Käthe-Kollwitz-Schule behilft sich für die Dauer der Arbeiten mit Schichtunterricht und Ausgliederungen vor allem in die Theodor-Heuss-, aber auch in die Buchhügel-, Bach- und Anne-Frank-Schule. Auch die Theodor-Heuss-Schule hat Schichtunterricht eingeführt, um der Käthe-Kollwitz-Schule Räume zur Verfügung stellen zu können. Der besondere Dank gilt aber auch den Schülerinnen und Schülern und dem Lehrpersonal, die bei der Sanierung im laufenden Betrieb doch einige leider unvermeidliche Unannehmlichkeiten aushalten mussten und bis zum Projektabschluss auch noch aushalten müssen.

„Wir sind jetzt aber auf einem guten Weg“, versichert Stadtrat Paul-Gerhard Weiß. Nach anfänglicher Verzögerung schreite das Projekt zügig voran. Der Zeitverlust im ersten Bauabschnitt lasse sich größtenteils durch geänderte Bauabläufe auffangen. Wenn die Witterung mitspiele, könnten Sanierung und Umbau der Berufsschule im ersten Quartal 2019 abgeschlossen sein.
Die Mehrkosten der Schulsanierung, in deren Gesamtfinanzierung anteilig für energetische Maßnahmen auch Mittel aus dem Kommunalinvestitionsprogramm (KIP) des Bundes einfließen, sollen durch eine Zwischenfinanzierung gedeckt werden. Die Stadt will dafür Investitionsmittel anderer Bauvorhaben nutzen, die augenblicklich noch nicht realisiert werden. „Die Mehrkosten der Käthe-Kollwitz-Schule haben keine Konsequenzen für die noch ausstehenden Schulbausanierungsprojekte“, versichert Dezernent Paul-Gerhard Weiß. Alle noch kommenden Bauvorhaben würden aber im Zuge der fortschreitenden Planungen geprüft, ob die jeweils kalkulierten Kosten der aktuellen Marktlage entsprechen.

2.8.2018