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Gruppenbild vor der Leinwand mit einer Präsentation
Projektvorstellung „vhs Offenbach - Mein Ort für Bildung“, v.l.n.r.: Stadtrat und Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß, Nikolaus Mayer vom Institut für Soziale Arbeit an der Hochschule IUBH Duales Studium am Standort Frankfurt, vhs-Leiterin Dr. Gabriele Botte und Projektleiterin Erika J. Schimpf © Stadt Offenbach

Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Erst recht in einer wachsenden Stadt wie Offenbach mit aktuell 136.000 Einwohnern, von denen rund 62 Prozent einen Migrationshintergrund haben. Darum, dass vor allem Neubürger aus anderen Ländern schnell ankommen können, kümmern sich zahlreiche Ämter und Einrichtungen in der Stadt. Erste Adresse zur Überwindung von Sprachbarrieren allerdings ist die Volkshochschule, die über langjährige Erfahrung verfügt und mit einer Vielzahl von Kursangeboten auch über den Spracherwerb hinaus Integration fördert. Denn beim gemeinsamen Kochen, Sport oder auch bei anderen Bildungsangeboten lassen sich die erworbenen Deutschkenntnisse konkret anwenden und vertiefen. Theoretisch. Denn tatsächlich findet sich nur ein geringer Anteil der Bürger mit Migrationsanteil im umfangreichen Kursangebot wieder. „Idealvorstellung wäre, dass sich die 62 Prozent auch in den Kursen wiederfinden“, so Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß bei der Vorstellung des Projektes am Montag, 29. Oktober 2018. Damit sich das ändert, hat die vhs das ergebnisoffene Projekt „vhs Offenbach – Mein Ort für Bildung“ gestartet, in dem Antworten gefunden werden sollen, wie Menschen während und nach einem Deutschkurs auch für andere Angebote begeistert werden können, ob sie das überhaupt interessiert oder wie diese Angebote gestaltet werden müssten.

„Wir wollen Migrantinnen und Migranten den Einstieg in Lebenslanges Lernen erleichtern und haben Dank der Mittel aus dem Hessischen Weiterbildungspakt in Höhe von 309.000 Euro nun die Möglichkeit dazu, herauszufinden, wie wir diesen eine bessere Teilhabe an unseren Angeboten ermöglichen können“, erklärt vhs-Leiterin Gabriele Botte. Immerhin führte die vhs alleine im vergangenen Jahr insgesamt 27.462 Unterrichtseinheiten verteilt auf 359 Deutschkurse mit insgesamt 6.720 Teilnehmereinschreibungen durch, hinzu kamen unzählige Vorträge, Workshops und viele Kursangebote in den Bereichen Beruf, Sprachen, Gesellschaft, Kultur und Gesellschaft.  
Wie passgenaue Weiterbildungsangebote aussehen können, soll in den kommenden Monaten erarbeitet und auch erprobt werden. Bis 31. Dezember 2020 läuft das am 1. April 2018 gestartete Projekt.

„Wo steht ihr und wo können wir euch abholen?“

In einem ersten Schritt führte Projektleiterin Erika J. Schimpf in Kooperation mit Prof. Dr. Nikolaus Meyer vom Fachbereich für Soziale Arbeit an der Hochschule IUBH Duales Studium am Standort Frankfurt in der vierten Maiwoche (22.-25.Mai)  diesen Jahres eine repräsentative Umfrage unter 756 Deutschkursteilnehmerinnen und -teilnehmern in 35 Kursen durch. In anonymisierten Fragebögen mit 33 Fragen die in sechs Sprachen vorlagen waren, wurde unter anderem nach Alter, Geschlecht, Herkunft, der aktuellen Lebenssituation sowie dem, durchaus auch subjektiv eingeschätztem Bildungsabschluss, gefragt. Letzteres, erläutert Meyer, begründe sich aus den unterschiedlichen Bildungssystemen der Herkunftsländer: „Nicht in allen der in den Kursen vertretenen 64 Geburtsländer endet die Schulzeit nach 12 Jahren zwangsläufig mit dem Abitur wie wir es in Deutschland kennen.“ Diesen Bildungsabschluss gaben 22 Prozent an, der Anteil der Befragten mit einem mittleren Bildungsabschluss lag dabei bei 30 Prozent, ebenso viele gaben ein absolviertes Studium an. Nur 6 Prozent verfügten demnach über keinen Abschluss.

Obwohl das Gros der Teilnehmer zwar Interesse für weitere Bildungsangebote bekundete, lag der Anteil derjenigen Befragten, die über das Deutschangebot weitere Kursangebote kannten nur bei 17 Prozent (Fremdsprachen) beziehungsweise 13 Prozent (Gesellschaft und Kultur). Als Hürden zur Teilnahme nannten die Befragten mangelnde Deutschkenntnisse, fehlende Programminformationen, aber auch nicht ausreichende finanzielle Mittel. Die fehlenden Kenntnisse über das Gesamtangebot der vhs hängen möglicherweise auch mit der Verweildauer zusammen, lediglich 5,6 Prozent kamen vor über drei Jahren das erste Mal an die Volkshochschule; dahingegen nahmen 58 Prozent der Deutschlerner/-innen erst in den letzten zwölf Monaten an ihrer ersten vhs-Veranstaltung teil.

Dr. Botte würde sich wünschen, „dass sich die Menschen auch nach der Deutschlernphase an die vhs erinnern.“ Ob und wie dies gelingen kann, wird sich im Rahmen des Projektes zeigen, dass Raum zum Experiment bietet. „Wir können Ideen entwickeln und ausprobieren“, bestätigt auch Projektleiterin Schimpf, „das Projekt ist ergebnisoffen.“ Hat aber eine Leuchtturmfunktion, schließlich, weiß vhs-Leiterin Botte, „die Fragen beschäftigen auch andere.“

2. November 2018