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Stadt Offenbach

Vom Hochbau in die Tiefe: Anna Heep verabschiedet sich nach über 20 Jahren

03.08.2026

Wer Anna Heep in den vergangenen Jahren besuchen wollte, musste hoch hinaus. Bis zuletzt lag ihr Büro im 15. Stock des Stadthauses. Künftig zieht es sie in die entgegengesetzte Richtung. Nach über 20 Jahren bei der Stadt tauscht Anna Heep, Bereichsleiterin des städtischen Hochbaumanagements und stellvertretende Amtsleiterin, ihre Baupläne gegen Tauchflasche und Flossen. Im Ruhestand möchte die leidenschaftliche Taucherin endlich wieder häufiger abtauchen – ein Hobby, das zwischen Baustellen, Terminen und politischen Gremien oft warten musste.

„Es gab immer interessante Projekte. Deshalb bin ich geblieben – auch wenn der Anfang hart war“, erzählt Heep rückblickend. „Jetzt freue ich mich darauf, mehr Zeit für das Tauchen zu haben und mich endlich gezielt für den Schutz der Meere einsetzen zu können.“ Trotzdem fällt ihr der Abschied nicht leicht. „Die veränderten Rahmenbedingungen und die damit verbundene Neuorientierung machen mir die Entscheidung einfacher, aber das Team und die Projekte werde ich vermissen“, so Heep.

Im November 2004 wechselte die Architektin mit 41 Jahren als Bereichsleiterin für die städtischen Liegenschaften ins Rathaus. Sie kam aus der freien und „glitzernden“ Architektenwelt in die Verwaltung, wo sie auf neue, teils andere Abläufe traf.

Hinzu kam ihre persönliche Situation: Ihr Sohn war gerade drei Jahre alt. Trotzdem entschied sie sich für den Schritt in eine Führungsposition. „Die Klischees und Rollenbilder waren damals noch sehr festgefahren. Viele haben nicht geglaubt, dass ich als Mutter und mit meinem Alter noch einen guten Job finde. In manchen Momenten habe ich das auch geglaubt“, erinnert sie sich heute. Doch am Ende setzte Heep sich gegen rund 240 Bewerberinnen und Bewerber durch. 

Vor allem die Sanierung und der Neubau von Schulen und Kitas prägten ihre Arbeit und die Stadt nachhaltig. Mit dem Start des Bildungsbauprogramms im Jahr 2006 begann Offenbach eine große Investitionsoffensive. Über 675 Millionen Euro flossen seitdem in den Neu-, Um- und Ausbau von Schulen und Kindertagesstätten. Von rund 2.300 Offenbacher Kitakindern unter 6 Jahren gehen 81 Prozent in neue oder vollständig sanierte Einrichtungen. Bei den etwa 18.800 Schülerinnen und Schülern sind es rund 60 Prozent. 2015 machte sie eine Weiterbildung zur Schulbauberaterin bei der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft.

Besonders stolz blickt sie auf den Neubau der Hafenschule sowie auf die Sanierungen und Erweiterungen der Waldschule Tempelsee und Rudolf-Koch-Schule. Heep betont zu den letzten beiden Projekten: „Diese Gebäude prägen unsere Stadt bis heute. Es war uns wichtig, ihren architektonischen Charakter aus den 1950er Jahren zu erhalten.“ Für sie war Baukultur nie nur ein Fachbegriff. „Kommunen haben eine Vorbildfunktion. Gute Architektur macht eine Stadt lebenswerter und erzählt etwas über ihre Geschichte.“

Wer mit Anna Heep zusammenarbeitete, erlebte sie als pragmatische Problemlöserin. „Wir haben bei jeder Aufgabe überlegt: Wie können wir sie gut, schnell und wirtschaftlich lösen.“ Das bewies sie unter anderem beim Bildungsbauprogramm. Die Sanierung sowie Erweiterung am Berufsschulzentrum Buchhügel und der Neubau der Beethovenschule sollten im Rahmen eines ÖPP-Verfahrens (Öffentlich-Private Partnerschaft) umgesetzt werden. Für die Stadt war das Verfahren allerdings Neuland. Heep baute kurzerhand gemeinsam mit einem externen Beraterteam die notwendigen Strukturen auf, um beide Projekte zwischen 2010 und 2013 zu realisieren. 

Gleichzeitig setzte sie sich für einfachere Verwaltungsabläufe ein. So entstand 2005 unter ihrer Mitwirkung ein Rahmenvertrag mit der städtischen EEG, heute OPG – Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH, über die Umsetzung von Hochbaumaßnahmen am kommunalen Gebäudebestand. Damit konnten beispielsweise die dringenden Baumaßnahmen im Schul- und Kitabereich deutlich schneller und unbürokratisch umgesetzt werden. Auch beim beschleunigten Planungsverfahren für das größte Schulbauvorhaben in der Geschichte Offenbachs, der Neubau der Emmy-Noether-Schule, setzte sie wichtige Impulse. Ihr Ziel war es stets Projekte voranzubringen – ohne dabei Rechtssicherheit und Sorgfalt, auch im finanziellen Sinne, aus dem Blick zu verlieren.

Seit 2017 war sie stellvertretende Leiterin des Amtes für Planen und Bauen. Während längerer Abwesenheiten übernahm sie zeitweise auch kommissarisch allein die Amtsleitung. Seit ihrem Start wuchs das kleine Team von drei Mitarbeitenden auf 11 Architektinnen und Architekten sowie zwei Mitarbeitenden im Immobilienmanagement an. „Es ist ein tolles Team. Die Zusammenarbeit hat mir immer sehr viel Freude gemacht. Ich wünsche mir sehr, dass es auch unter einer neuen Bereichsleitung so weitergeht“, so Heep.

Die nächste Entdeckungstour führt sie nun nicht mehr auf Baustellen. Statt Baupläne stehen Tauchpläne auf dem Programm, statt Besprechungen Korallenriffe. Nach mehr als 20 Jahren, in denen sie die Stadt mitgestaltet hat, freut sie sich nun darauf, die Welt unter Wasser weiter zu entdecken.

 

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