Das (vorläufige) Ende des Atomkraftzeitalters
Die Kraftwerk Union (KWU) wurde am 1. April 1969 als Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und der AEG gegründet. Das später von Siemens übernommene Maschinenbauunternehmen plante und baute viele Atomkraftwerke in Deutschland.
1973 wurde der Firmensitz am Kaiserlei gebaut, in dem 60 Meter hohen Turm an der Berliner Straße 303 und dem 1974 hinzugekommenen 75 Meter hohen Gebäude an der Berliner Straße 295 arbeiteten in Zeiten der Hochphase der Kernkraft- und Wiederaufbereitungsanlagen-Planung rund 2.300 Menschen.
Die Suche nach Endlagern für die hochgiftigen Abfälle, die Risiken radioaktiver Strahlung und die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 veränderten das gesellschaftliche Klima. 2004 beschloss die rot-grüne Regierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder den Atomausstieg und beendete damit die Ära der zivilen Kernkraftnutzung in Deutschland.
Die Konsequenzen dieser Entscheidung waren auch in Offenbach spürbar, nach Auftragsrückgängen wurden an dem Standort fast 2.000 Stellen gestrichen. Zuletzt waren in den Bürogebäuden am Kaiserlei noch 1.200 und später etwa 560 Mitarbeitende beschäftigt, bevor die Atomsparte den Standort 2016 endgültig verließ.
Areal als Spekulationsobjekt
An den KWU-Türmen am Offenbacher Kaiserlei haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehrere Investoren und Projektentwickler versucht: So verwaltete die Allianz Immobilien GmbH das Gebäude lange Zeit und erhielt bereits 2010 eine Abbruchgenehmigung als sich keine neuen Mieter finden ließen.
Drei Jahre später, 2013, allerdings erwarb die CG Gruppe das Areal und plante unter dem Namen "New Frankfurt Towers" eine großangelegte Umwandlung und Sanierung der Bürotürme in Wohnungen. 300 Millionen Euro wollte die Gruppe bis 2022 investieren und 835 Mietwohnungen, Büros und Kita in den umgebauten Türmen unterbringen. Zudem waren weitere Neubauten entlang der Strahlenberger Straße geplant, in denen ein Hotel, ein Fitnesscenter mit Hallenbad, Einzelhandelsgeschäfte und Gastronomie untergebracht werden sollten. Das Vorhaben geriet ins Stocken und die CG Gruppe ging 2020 in der neu gegründeten Adler Group auf. Diese geriet 2021 wegen schwerer Vorwürfe von Leerverkäufern, Bilanzbetrug und fingierten Immobilientransaktionen in die Schlagzeilen. Der Verlust des Testats durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG erschwerte der Gruppe den Zugang zum Kapitalmarkt.
Städte setzen auf Neustart
Nach jahrzehntelangem Leerstand und mehreren gescheiterten Investorenplänen einigten sich die beiden Städte Offenbach und Frankfurt auf eine gemeinsame Lösung für das prominente Areal in deren Folge die Adler Gruppe das Gelände Ende 2025 an die Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG verkaufte. Die ABG wird die maroden Hochhäuser komplett abreißen und stattdessen bis 2029 ein neues "Kaiserviertel" mit knapp 1.200 Mietwohnungen und einem Studierendenwohnheim am Kaiserlei errichten. Der übrigens nie ein Kreisel, sondern ein großer Fels im Main war.