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Stadt Offenbach

Magistrat macht Weg für Neubau des Emmy-Noether-Gymnasiums frei

15.08.2025

Mit dem Projekt- und Vergabebeschluss hat der Magistrat in seiner letzten Sitzung grünes Licht für den Neubau des Emmy-Noether-Gymnasiums gegeben. Jetzt müssen nur noch die Stadtverordneten am 28. August zustimmen. „Es ist das größte Schulbauprojekt seit Jahrzehnten für Offenbach. Rund 1.500 Schülerinnen und Schüler und 100 Lehrkräfte werden hier künftig modern und zukunftsorientiert lernen und arbeiten. Wir bauen hier nicht nur Klassenräume, sondern Zukunft“, sagt Planungs- und Baudezernent Paul-Gerhard Weiß. Die Stadt Offenbach investiert etwa 128 Millionen Euro in das Bauvorhaben. Nach dem Klinikum handelt es sich im Hochbau um das zweitgrößte Investitionsvolumen in der Geschichte Offenbachs. Bereits 2023 gründete die Stadt die Emmy-Noether-Schule als viertes Gymnasium. Die Schülerinnen und Schüler sind aktuell in der ehemaligen Fröbelschule untergebracht. 

Der fünfgeschossige Neubau entsteht auf nur 10.000 Quadratmeter Grundstücksfläche. „Jeder Quadratmeter wird effizient genutzt“, so Weiß. Eine Besonderheit bei dem geplanten Gebäude sind die Dachterrassen, die als Pausenflächen genutzt werden können. „Durch die Einbindung der Dächer gewinnen wir wertvolle Flächen zurück. So entstehen für die Schülerinnen und Schüler besondere Orte zum Lernen oder Erholung in den Pausen“, erklärt Weiß. Das Amt für Planen und Bauen möchte gemeinsam mit der Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH (OPG) im November 2025 mit den Bauarbeiten starten. Der Schulneubau bildet die erste Neubaumaßnahme auf dem brachliegenden ehemaligen Güterbahnhofsgelände. Die Fertigstellung des Gymnasiums ist für Ende 2028 geplant. 

Gymnasium mit MINT-Schwerpunkt

Das neue Gymnasium wird bis zur Klassenstufe 10 sechszügig und ab der Klassenstufe 11 bis zur Jahrgangsstufe 13 fünfzügig geführt. Dafür entstehen insgesamt 51 Klassenräume. Zusätzlich gibt es zehn Fachräume für Biologie, Chemie und Physik. Diese verteilen sich auf die ersten drei Obergeschosse. Für einen hohen Praxisanteil im Unterricht werden in vier naturwissenschaftlichen Fachräumen die erforderlichen Praktikumsbereiche integriert. 

Außerdem zählen zur Ausstattung die Werk- und Kunsträume im Untergeschoss. Für das Darstellende Spiel und den Musikunterricht sind im Erdgeschoss multifunktionale, zum Teil verdunkelbare Räume vorgesehen. Die Räume für Darstellendes Spiel können für Aufführungen zur Aula hin geöffnet werden.

Eine Mensa, die täglich etwa 1.080 Mahlzeiten in drei Schichten ausgeben kann, runden das Angebot für einen Ganztagsbetrieb von 7.30 bis 17 Uhr gemeinsam mit Bibliothek und einer Aula ab. Zusätzlich erhält die Schule eine Dreifeldsporthalle, welche auch außerschulisch von Sportvereinen genutzt werden kann. Dazu wird es einen separaten Zugang mit direktem Anschluss an die Tiefgarage geben.

Ein Schulhof auf mehreren Ebenen

Durch die intensive Einbindung der Dachflächen entstehen etwa 8.500 Quadratmeter Pausenfläche für die Schülerinnen und Schüler. Das oberste Dach bietet neben haustechnischen Anlagen naturnahe Rückzugsorte für Insekten, Vögel und Wildblumen. Auf den darunterliegenden Dachebenen entstehen ruhige Lerninseln, ein grünes Klassenzimmer und ein Schulgarten. Außerdem finden sich dort Bewegungsangebote wie Tischtennisplatten und eine sogenannte Calisthenics-Anlage, die Übungen an Geräten mit eigenem Körpergewicht ermöglicht. Über der Sporthalle kann die Fläche durch mobile Möbel auch für Versammlungen genutzt werden. Ein „grüner Rahmen“ aus Kletterpflanzen gliedert die Flächen und eröffnet mit gezielten Sichtfenstern Ausblicke auf das neue Quartier und den Park.

Barrierefreiheit

Alle Hauptbereiche, inklusive der Dachterrassen sind über Aufzüge und barrierefreie Wege erschlossen. Kontrastreiche Beläge, taktile Strukturen, Rückzugsbereiche sowie sensorisch unterstützende Pflanzkonzepte sorgen für die Orientierung und das Wohlbefinden. Zwölf barrierefreie Sanitärräume, Pflegeausstattung und normgerechte Ausstattung in der Sporthalle runden den inklusiven Anspruch des Gebäudes ab. Die Notrufsysteme sind visuell und akustisch wahrnehmbar. Insgesamt übertrifft das Gebäude die gesetzlichen Mindestanforderungen an Barrierefreiheit – insbesondere in Bezug auf die komplexe Erschließung, die sensorische Orientierung und die barrierefreie Rettung – und schafft so einen inklusiven Bildungsraum. Ein Blindenleitsystem wird weiter geprüft.

Nachhaltige Bewirtschaftung

Das Schulgebäude wird im KfW-40-Standard errichtet. Das bedeutet, dass die Schule im Vergleich zu anderen Gebäuden 60 Prozent weniger Energie benötigt. Um diesen Standard zu erzielen, entsteht an der Schule eine Photovoltaikanlage. Außerdem sorgen ein hybrides Heizsystem aus Luft-Wasser-Wärmepumpe und Fernwärme sowie eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung für den minimalen Energieverbrauch. 

Das begrünte Dach wird eigenständig durch das gespeicherte Regenwasser versorgt. Restliches Regenwasser auf dem Grundstück wird mithilfe einer Zisterne gespeichert und über automatisierte Bewässerungssysteme den Grünanlagen zugeführt. Dies spart der Stadt Offenbach hohe Unterhaltskosten.

Komplexes Bauvorhaben erfordert smarte Baulogistik

Der Bau der Schule ist für die Stadt Offenbach das anspruchsvollste Hochbauprojekt seit Jahrzehnten. Wenig Platz, parallele Bauprojekte durch die Entwicklung des Quartiers 4.0 sowie strenge Vorschriften zu Lärm, Staub und Licht zählen zu den größten Herausforderungen in der Baulogistik. Um einen reibungslosen Bauablauf sicherzustellen, wurde ein entsprechendes Logistikkonzept entwickelt. Dazu gehören ein elektronisches Zutrittssystem für bis zu 300 Arbeitskräfte in Spitzenzeiten und ein Online-Anmeldesystem mit Zeitfenstersteuerung für täglich bis zu 80 LKW und Transportbewegungen. Außerdem werden Artenschutzmaßnahmen für die Zauneidechsen umgesetzt. 

Stadt investiert in Bildung

Die Stadt Offenbach am Main investiert seit 2007 kontinuierlich in moderne Schul- und Kitagebäude. Grund sind steigende Schülerzahlen und das Ziel, optimale Lernbedingungen für die kommenden Generationen zu schaffen. Mit anteiliger Unterstützung von Bund und Land sind seit 2007 bis heute bereits über 404 Millionen Euro in den Neubau sowie die Sanierung von Schulen und Kindertagesstätten geflossen. Heute lernen rund 50 Prozent der rund 18.700 Schülerinnen und Schüler in komplett neuen oder vollständig sanierten Schulgebäuden. Weitere 20 Prozent besuchen teilsanierte Einrichtungen, 15 Prozent gehen in Schulen, die aktuell umgebaut oder erweitert werden. Von insgesamt 2.472 Kitakindern in städtischen Einrichtungen gehen 80 Prozent in neue oder vollständig sanierte Kindertagesstätten. Derzeit sind Bauprojekte im Wert von rund 321 Millionen Euro für Schulen in Planung oder im Bau. 

Das Hochbaumanagement des Amts für Planen und Bauen verantwortet als Eigentümervertretung und Bauherr die Maßnahmen. Es übernimmt die planerische Ausrichtung und Entwicklung der Projekte. Für die Projektsteuerung aller Sanierungs- und Neubauprojekte beauftragt der Magistrat die OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Offenbach. Im Auftrag der Stadt setzt die OPG viele Projekte der Stadtentwicklung um. Dazu gehören, neben der Projektsteuerung für den Bau und die Sanierung von Schulen und Kitas, die Entwicklung und Vermarktung des Hafenareals und des Innovationscampus. 

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