Stadt stellt weitere Mittel für Arbeiten an Mathildenschule bereit
20.11.2025
Um die geplante Fertigstellung der Sanierungsarbeiten an der Mathildenschule bis 2028 sicherzustellen, gibt der Magistrat, vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordneten, weitere Mittel frei. Ursprünglich waren 24,5 Millionen Euro geplant. Heute rechnet die von der Stadt beauftragte OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH, einem Tochterunternehmen der Stadtwerke Offenbach, mit Gesamtkosten von rund 49,5 Millionen Euro für Erweiterung und Sanierung. „Die Baupreise sind seit 2018 enorm gestiegen, das ist wie bei so vielen anderen Bauprojekten der Hauptgrund für die erhebliche Anpassung“, erklärt Paul-Gerhard Weiß, Planungs- und Baudezernent. „Bei diesem Projekt gibt es zudem aber einen neuen Kostentreiber. Wegen weiter gestiegener Zahlen von Schülerinnen und Schüler sind nun zusätzliche Ausweichräume am Standort notwendig. Dafür benötigen wir 2,38 Millionen Euro mehr“.
Hintergrund zur Kostenexplosion
Dem Projektbeschluss wurde im September 2018 von den Stadtverordneten zugestimmt. Seitdem gab es keine Kostenanpassung durch einen Ergänzungsbeschluss. „Die seit Jahren anziehende baukonjunkturelle Lage und zusätzlichen Herausforderungen sind allerdings deutlich sichtbar und der Magistrat sowie die Stadtverordneten sind sich dem auch bewusst. Daher kommt diese erhebliche Steigerung nicht völlig unerwartet“, betont Weiß.
Hauptgründe für die Kostenexplosion sind die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg. Daraus folgend sind die Preise in der Bauwirtschaft aufgrund sehr hoher Auslastung, des Fachkräftemangels und der Rohstoffknappheit In den vergangenen Jahren auf einem sehr hohen Niveau. Der erwartete Preisabschwung aufgrund aktuell nachlassender Umsätze ist nicht eingetreten, weshalb die Prognosen für Baukosten erschwert werden. Vor diesem Hintergrund sind Planungsbüros oft auch nicht mehr in der Lage, zutreffende Kostenschätzungen abzugeben.
Darüber hinaus entdeckten die eingebundenen Ingenieure und Betongutachter bei der Sanierung des alten Gebäudes unerwartete Probleme. „Es wurden am Stahlbetontragwerk schwere Mängel festgestellt, die aufwendige Sicherungsmaßnahmen erfordern. Dies allein kostet uns rund fünf Millionen Euro“, erklärt Weiß weiter.
Sanierung versus Neubau
Die Stadt stoppte vorübergehend im April 2022 aufgrund der Kostenentwicklung das Projekt. In dieser Unterbrechung prüfte die OPG, ob nur das Notwendigste im Bestand saniert werden kann oder ein kompletter Abriss und Neubau günstiger wäre. Das Ergebnis war eindeutig: Eine Teilsanierung wäre aufgrund des Sanierungsstaus keine nachhaltige Lösung. Ein vollständiger Abbruch würde eine gesamte Auslagerung der Schülerinnen und Schüler an einen Ausweichstandort bedeuten. Zudem wäre ein Abriss eines gesamten Betongebäudes aus Nachhaltigkeitsgründen nicht vertretbar. Somit ist die Gesamtsanierung aufgrund der CO2-Emissionen sowie der Kosten das sinnvollste.
Neue Ausweichräume ab April 2026
Auf dem Schulgelände stellt die Stadt ab April 2026 acht neue Containerklassen auf, die während der Sanierungsarbeiten für die gewachsene Zahl an Schulkindern Platz bieten. Nach der Fertigstellung können diese flexibel an anderen Schulen weiterverwendet werden. Dies ist insbesondere im Hinblick auf die anstehenden Maßnahmen zur Umsetzung des Rechtsanspruches für den Ganztag sinnvoll. „Für die Mathildenschülerinnen und Mathildenschüler bedeutet dies, dass sie ganz normal am Schulalltag auf dem eigenen Schulgelände ohne lange Wege teilnehmen können. Zuvor waren einige Schulklassen kurzfristig in der Containeranlage an der IGS Lindenfeld untergebracht“, erklärt Weiß.
Zeitplan und Finanzierung
Der Erweiterungsneubau ist seit September 2022 in Betrieb. Die Sanierung des alten Schulgebäudes läuft in zwei Abschnitten: Bauteil B soll im dritten Quartal 2026 fertig werden, Bauteil A folgt bis zum dritten Quartal 2028.
Die Finanzierung erfolgt über Kredite. Ursprünglich geplante Fördermittel wurden wegen der Verzögerungen auf andere Projekte umgeschichtet. Das Projekt wird über den GEO Grüner Eigenbetrieb Offenbach (GEO) abgewickelt, der nachhaltige Infrastrukturprojekte mit einem "grünen Schuldschein" finanziert. Im GEO bündelt die Stadt zentrale Infrastrukturprojekte aus den Bereichen Bildung und Hochwasserschutz, die nachweislich einen positiven Beitrag für Umwelt, Klima und Gesellschaft leisten und sich damit für diese nachhaltige Finanzierungsform qualifizieren.
Stadt investiert in Bildung
Die Stadt Offenbach am Main investiert seit 2007 kontinuierlich in moderne Schul- und Kitagebäude. Grund sind steigende Kinderzahlen und das Ziel, optimale Lernbedingungen für die kommenden Generationen zu schaffen. Mit anteiliger Unterstützung von Bund und Land sind seit 2007 bis heute bereits über 409 Millionen Euro in den Neubau sowie die Sanierung von Schulen und Kindertagesstätten geflossen. Heute lernen über 60 Prozent der rund 18.800 Schülerinnen und Schüler in komplett neuen oder vollständig sanierten Schulgebäuden. Weitere 15 Prozent besuchen teilsanierte Einrichtungen, 5 Prozent gehen in Schulen, die aktuell umgebaut oder erweitert werden. Von insgesamt etwa 2.300 Kitakindern unter 6 Jahren in städtischen Einrichtungen gehen rund 80 Prozent in neue oder vollständig sanierte Kindertagesstätten. Derzeit sind Bauprojekte im Wert von rund 265 Millionen Euro für Schulen in Planung oder im Bau.
Das Hochbaumanagement des Amts für Planen und Bauen verantwortet als Eigentümervertretung und Bauherr die Maßnahmen. Es übernimmt die planerische Ausrichtung und Entwicklung der Projekte. Für die Projektsteuerung aller Sanierungs- und Neubauprojekte beauftragte der Magistrat die OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Offenbach. Im Auftrag der Stadt setzt die OPG viele Projekte der Stadtentwicklung um. Dazu gehören, neben der Projektsteuerung für den Bau und die Sanierung von Schulen und Kitas, die Entwicklung und Vermarktung des Hafenareals und des Innovationscampus.