Inhalt anspringen

Stadt Offenbach

Kommunale Altenplanerin Heidi Weinrich geht in den Ruhestand

14.09.2022

Seit 1998 ist Heidi Weinrich im Dienst für die Stadt Offenbach und setzt sich für ein lebenswertes Älterwerden ein. Jetzt verlässt die 1956 in Südafrika geborene kommunale Altenplanerin die Stadtverwaltung und geht selbst in den Ruhestand – engagiert bleibt sie aber weiter.  

Sozialdezernent Martin Wilhelm: „Heidi Weinrich war als Altenplanerin immer nah an den Menschen. Sie hat mit ihrer Arbeit Brücken geschlagen zwischen den Generationen, war Vermittlerin und geschätzte Expertin bei allen Akteurinnen und Akteuren der Seniorenarbeit. Ich weiß, dass Frau Weinrich das Thema „Bewegung im Alter“ immer wichtig war. Sie hat sich sehr dafür eingesetzt, dass Seniorinnen und Senioren selbstbestimmt und aktiv bleiben und Bewegungsangebote erhalten. Damit hat sie nicht nur die Menschen in Offenbach, sondern auch einiges in unserer Stadt bewegt.“

Für die Zukunft der älteren Menschen in Offenbach wünscht sich Heidi Weinrich, dass die Politik sie nicht vergisst, auch wenn es aktuell viele andere dringende Themen gibt. Nur so kann die Stadt zu einer lebenswerten Kommune für Ältere werden. Dabei muss sich die Aufmerksamkeit weiterhin und künftig verstärkt auf ältere Menschen mit Migrationsgeschichte, auf das Thema Altersarmut, die Wohnsituation sowie die wachsende Zahl von Demenzerkrankten richten. Und ganz wichtig, so Weinrich: „Ältere sollen in Bewegung bleiben und die vielfältigen Angebote in der Stadt nutzen. Denn wer rastet, der rostet.“

Schon zu ihrer Schulzeit beschäftigte sich Weinrich mit dem Thema „Älterwerden“. Als wegweisenden Fund bezeichnet sie selbst die kürzlich wiederaufgetauchte Deutsch-Facharbeit aus ihrer Zeit an der Rudolf-Koch-Schule in Offenbach. Bereits 1975 schrieb Heidi Weinrich über „Die Lebenssituation des alten Menschen in der Großstadt“ und griff Themen wie die Zunahme älterer Menschen, Wohnen, Einsamkeit, Isolation und die Wichtigkeit einer erfüllenden Aufgabe im Alter auf. Heute sieht Weinrich diese frühe Orientierung als Zeichen, dass die Stelle als kommunale Altenplanerin nur folgerichtig gewesen sein kann.

Nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester, dem Studium der Soziologie und verschiedenen Tätigkeiten als wissenschaftliche Mitarbeiterin, unter anderem in der Pflegeforschung, trat Weinrich im Jahr 1998 in den Dienst der Stadt Offenbach – zunächst als Sozialplanerin mit dem Fokus auf den Erhalt und die Verbesserung der Lebensbedingungen älterer Menschen in Offenbach. Bis 2005 war Weinrich auch für den jährlichen Sozialhilfe-Geschäftsbericht zuständig. Noch als Sozialplanerin legte die studierte Soziologin und Gerontologin 2002 die erste umfassende Altenplanung für die Stadt Offenbach unter dem Leitmotiv „Älterwerden in Offenbach: Aktiv – Lebenswert – Solidarisch“ vor. Im Zuge dessen und mit der Einrichtung der städtischen Homepage baute sie gemeinsam mit der vhs die erste Website für Ältere, das „Seniornet 55+“, auf. Nur drei Jahre später übernahm Weinrich im Auftrag des Sozialdezernats die Projektleitung zur Neuordnung der Sozialen Hilfen in Offenbach. Diese war mit der Neustrukturierung und der Kommunalisierung der Förderung sozialer Hilfen in Hessen notwendig geworden. 2009 richtete das Sozialdezernat unter der Leitung der damaligen Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Birgit Simon die Stelle der „Kommunalen Altenplanung“ ein und betraute Heidi Weinrich mit der Aufgabe der kommunalen Infrastrukturplanung für ältere Menschen. 13 Jahre erfüllte Weinrich diesen Posten sehr engagiert und mit viel Herz. Unter ihrer Leitung wurde 2017 der Altenplan erstmals als festgelegte Bedarfsplanung für ältere Menschen fortgeschrieben und verabschiedet. Noch in diesem Jahr, 2022, erschien die erste Offenbacher informative Printbroschüre für Seniorinnen und Senioren „Bewegt älter werden in Offenbach“ – diese ist ein Ergebnis des großen Projekts der Bundeszentrale für gesundheitlich Aufklärung „Bewegt älter werden in Offenbach“, welches Weinrich nach Offenbach holte und leitete.

„Wir danken Heidi Weinrich für ihren jahrelangen und unermüdlichen Einsatz zum Wohle der älteren Menschen in Offenbach. Wenn ihr ein Projekt am Herzen lag und sie dieses realisieren wollte, ist sie auch ungewöhnliche Wege gegangen. Übergeordnetes Ziel bei allen Aktionen und Projekten war dabei immer die Verbesserung der Lebensqualität und der Erhalt der Selbständigkeit von Seniorinnen und Senioren durch gesundheitliche Prävention und Bewegung. Mit dieser Grundhaltung hat sie 24 Jahre lang die kommunale Altenarbeit in Offenbach gestaltet und viel bewegt. Das war und ist ein Glück für die älteren Menschen in dieser Stadt“, so die stellvertretende Leiterin des Personalamtes, Beate Röschmann.

Heidi Weinrich prägte das moderne Altersbild in Offenbach maßgeblich: Altern als eigenständige Lebensphase, in der Verantwortung selbstbestimmt übernommen wird. Das Alter wird nicht mehr als ein nur von Defiziten geprägter Lebensabschnitt gesehen, sondern ist reich an vielfältigen Möglichkeiten. Dabei sieht Weinrich die Prävention als Voraussetzung für ein selbstbestimmtes und aktives Altern – dieser rote Faden zieht sich durch ihr gesamtes Berufsleben. „Mein planerischer Arbeitsansatz richtete sich immer nach den Prinzipien Prävention, Partizipation, Kommunikation und Kooperation. Nur wenn wir den Hilfebedarf auf lange Sicht verringern, dabei Bürgerinnen, Bürger und Expertinnen sowie Experten einbeziehen, Angebote schaffen und die Akteure vernetzen, ebnen wir den Weg zu einem selbstbestimmten und aktiven Altern. Dafür habe ich mich immer eingesetzt.“

Einen aktiven Lebensstil lebt Heidi Weinrich persönlich vor – als passionierte Radfahrerin, dienstlich wie privat, besucht sie auch mehrmals in der Woche das Sportstudio. Nach Weinrich ist Bewegung zentral für Altern in guter Lebensqualität. So engagierte sich Weinrich für die Errichtung des Bewegungsparcours in Tempelsee sowie für den Ausbau von Bewegungsangeboten in Seniorentreffs. Auch das durch Weinrich geführte Groß-Projekt „Bewegt älter werden in Offenbach“ bietet Seniorinnen und Senioren ab 60 Jahren zahlreiche Angebote, um in Bewegung zu bleiben.

Ihr stetiger Einsatz galt auch dem Erhalt und der Weiterentwicklung der Seniorentreffs in Offenbacher Quartieren, um Begegnung zu ermöglichen und somit der Vereinsamung entgegen zu wirken. An der Gründung des Freiwilligenzentrums und der Koordinierungsstelle für Seniorenarbeit im Sozialamt war Heidi Weinrich ebenfalls aktiv beteiligt.

Die überzeugte Netzwerkerin – dabei ist Vernetzung eine zentrale Aufgabe von kommunaler Altenplanung – rief eine Vielzahl von Projekten ins Leben, um alle Akteure der Seniorenarbeit in Offenbach zusammen zu bringen. Dazu gehörten unter anderem die Projekte „Vernetzung der Gesundheitsversorgung“ zwischen ambulanten und stationären Pflege- und Betreuungseinrichtungen, das „Netzwerk Pflege Stadt und Kreis Offenbach“ mit Vertreterinnen und Vertretern der ambulanten und stationären Pflege sowie der Sozial- und Altenplanung und seit 2018 das Netzwerk „Versorgung älterer Menschen in Offenbach“ mit Akteuren aus Pflegeinstitutionen, Bürgerinnen und Bürgern, dem Bereich Integration, der Ärzteschaft, Kliniken, Heimen, Selbsthilfegruppen und dem Gesundheitsamt. Hinzu kamen städtische Projekte aus den Bereichen Stadtplanung, Verkehr, Sport, Inklusion und Gesundheit, in denen Weinrich die Bedürfnisse der Seniorinnen und Senioren stets einbrachte. 

Tue Gutes und rede darüber: Heidi Weinrich initiierte und organisierte zahlreiche Aktionstage und Ausstellungen rund um das Thema „Gutes Altern“. In bester Erinnerung sind Weinrich besonders die Veranstaltung „Da ist Bewegung drin“, ein Bewegungstag rund um die Stadtkirche mit Vorträgen, Ausstellung und Angeboten zum Thema „Gutes Altern durch Bewegung“, die Fotoausstellung „Liebe und Alter“ in der Stadtkirche sowie die Senioreninfobörsen 2011 und 2013 geblieben. Weinrichs umfassende Vortragstätigkeit zum Thema „Älterwerden“ und „Altenplanung“ begleiteten sie ihr gesamtes Berufsleben.

In naher Zukunft wird Weinrich erstmal reisen und die griechische Inselgruppe der Kykladen erkunden – ohne Plan und Termine. „Danach werde ich mein eigenes Bewegungsprogramm intensivieren, mehr lesen und meinen Freunden viel Zeit widmen“, so Weinrich. Dennoch bleibt das Engagement im sozialen Bereich: Als Initiatorin und Wegbegleiterin des gemeinschaftlichen und generationsübergreifenden Wohnens „Lebenszeiten e.V.“ in der Weikertsblochstraße freut sich Heidi Weinrich auf weitere gemeinschaftliche Wohnprojekte, die sie in Zukunft begleiten wird. Im Rahmen ihrer Vorstandstätigkeit im „Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen“ hat sie bereits einen Einsatz in der Bismarckstraße 118 am historischen Stellwerk gehabt. So wird Weinrich das wichtige Thema „gemeinschaftliches und generationsübergreifendes Wohnen“ weiter voranbringen können. Zudem hofft sie als ausgebildete Alltags-Fitness-Testerin für Seniorinnen und Senioren zukünftig in den Offenbacher Seniorentreffs den einen oder anderen Test durchführen zu können.



Fachstelle für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung

Das Sozialamt erreichen Sie unter der Rufnummer 069 80653584.

Die Fachstelle vereint vier Anlaufstellen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, die Ansprechpersonen finden Sie unter den unten stehenden Links.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise