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Stadt Offenbach

Im Porträt: Ingrid Wagner von der Bürgerinitiative Luftverkehr

Einzelpersonen erzählen in einem Kurzinterview von ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit in den Vereinen/Organisationen/Initiativen aus der Stadt Offenbach.

Ingrid Wagner

Das bin ich:

Name: Ingrid Wagner
Familienstand: verheiratet
Beruf: Diplom-Sozialpädagogin
Ehrenamtlich tätig seit: Als Jugendliche in der Schule, bei der evangelischen Kirche, als junge Frau in verschiedenen Schulgremien, in Vereinen und der Familienbildung. Heute 1.Vorsitzende der Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL,) u.a. Vorstandsarbeit bei der Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF), Bürgerinitiative Rumpenheim (BIR), den Freunden des Capitol Theaters Offenbach. Außerdem Mitarbeit in verschiedenen Kommissionen, Netzwerken und Kooperationen.


Angaben zum Verein/zur Organisation/zur Initiative

Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL)
Edith-Stein-Straße 11
63075 Offenbach am Main
Telefon: 069/86781313
infobil-ofde
www.bil-of.de (Öffnet in einem neuen Tab)


Warum engagieren Sie sich in Ihrer Organisation und wie sind Sie dazu gekommen?

Ich engagiere mich gerne. Schon als junge Frau war ich im Eltern-Kind-Bereich sowie als Betreuerin von Jugendfreizeiten aktiv.

Als Mutter interessierte mich eine gesunde Umgebung beziehungsweise Umwelt. Da wir in Tempelsee lebten, konnten meine Familie und ich erfahren, wie Fluglärm und Schadstoffbelastungen uns beeinflussten. Sehr laute Flugzeuge donnerten Tag und Nacht über unser Haus. Jeden Tag mussten wir einen Schmutzfilm von unseren Gartenmöbeln entfernen.

Aus diesem Grund schloss ich mich dem OVF, dem Offenbacher Verein gegen Fluglärm, an. Da dort allerdings nur der Lärm und nicht die Schadstoffe im Blickfeld standen, gründeten einige Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus allen Stadtgebieten Offenbachs die BIL, die Bürgerinitiative Luftverkehr. Diese vernetzte sich später mit vielen Bürgerinitiativen aus dem Rhein-Main-Gebiet und arbeitete eng in verschiedenen betriebswirtschaftlichen, juristischen, medizinischen und politischen Bereichen zusammen.

Alle Engagierten stellten schnell fest, dass wir nicht nur in Offenbach sehr belastet waren. Die Luftfahrtindustrie wuchs immer weiter. Umwelt und Gesundheit waren bei einigen Politikerinnen und Politikern damals jedoch kein Thema.

Es folgten einige Jahre, in denen wir unsere Offenbacherinnen und Offenbacher aufklärten und auf die Gefahren aus der „Nachbarschaft“ hinwiesen. Erst als der Bau der Nordwestbahn am Frankfurter Flughafen diskutiert wurde, zum Beispiel die Rodung des Bannwaldes, wuchs der Widerstand. Versprochene Vorhaben der Luftfahrtindustrie und der Politik wurden nicht eingehalten. Das erzürnte die Bevölkerung, und es gab einen großen Widerstand gegen die Erweiterung des Flughafens.

Später schlossen sich Naturschutzverbände und Kommunen unseren Argumenten an. Es folgten mehrere Gerichtsverfahren. Letztendlich sprach uns das oberste Gericht in Leipzig ein eingeschränktes Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr zu. Das hatte es zuvor noch nicht gegeben.

Das war für uns zwar ein Erfolg. Trotzdem waren wir etwas enttäuscht. Im Nachhinein wussten wir, dass mittlerweile viele neuere Studien nicht mehr in das Urteil eingeflossen waren. Sonst hätten wir bestimmt die gesetzliche Nacht von 22 bis 6 Uhr erstritten.

Heute wissen wir durch zahlreiche wissenschaftliche Publikationen, zum Beispiel die NORAH-Studie, dass besonders Kinder in ihrer Entwicklung verlangsamt werden können. Aber auch viele Erwachsene werden teilweise unbewusst in ihrer Konzentration oder in ihrem Schlaf durch Fluggeräusche gestört. Das gilt sogar für Menschen, die ständig behaupten, der Fluglärm würde ihnen nichts ausmachen.

Ärztliche Untersuchungen haben bewiesen, dass der menschliche Körper bei jedem Überflug vermehrt Cortison ausschüttet. Das kann letztendlich zu verschiedenen Krankheiten führen. Deshalb bin ich der Auffassung, dass sich heute genauso Flughafenbefürworterinnen und Flughafenbefürworter bei uns engagieren können. Denn unsere Gesundheit geht uns alle an.

Welche Ziele verfolgt Ihre Einrichtung und welche Aufgaben gibt es?

Unser Ziel war und ist aus gesundheitlichen und heute auch aus klimatischen Gründen ein absolutes Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr. Außerdem setzen wir uns für Messstellen ein, die nicht nur den Lärm, sondern auch Ultrafeinstaub kontrollieren. So können wir alle Belastungen überprüfen.

Wir müssen uns in unserer Stadt, genauso wie in anderen Gemeinden, für unsere Lebensqualität einsetzen. Hierzu brauchen wir immer Mitglieder jeden Alters, die uns bei der Aufklärungsarbeit helfen und unterstützen. Das kann zum Beispiel bei der Organisation von Veranstaltungen, Flashmobs oder anderen kreativen Aktionen sein.

Wir freuen uns über jede Hilfe. Sei es bei der Beratung zu einem Plakat, bei der Verteilung von Flyern, bei Anregungen zu unserem Internetauftritt und vielem mehr. Ich würde sagen, im gesamten administrativen Bereich, den jeder Verein zu bewältigen hat, kann man Hilfe gebrauchen.

Übrigens war es nie unser Ziel, den Flughafen in Frankfurt abzuschaffen. Trotzdem müssen wir dieses große Unternehmen immer wieder an seine Fürsorgepflicht erinnern. Zum Beispiel gegenüber seiner Belegschaft. Hier arbeiten auch Offenbacher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohne Masken auf dem Vorfeld, trotz erheblicher Feinstaubbelastung. Das geht gar nicht. Diese Menschen dürfen nicht früher erkranken oder sterben müssen.

Es reicht auch nicht, nur Trikots für unsere Vereine zu spendieren. Wir erwarten, dass die zunehmenden Lärm- und Feinstaubbelastungen beachtet werden und darauf reagiert wird.

Insofern gibt es viele Aufgaben für die Bürgerinitiative Luftverkehr. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass es in Offenbach Ruhephasen gibt. Vor allem setzen wir uns für neuere Flugzeuge ein, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Schon vor über 20 Jahren wurde uns lärm- und schadstoffarmes Fluggerät versprochen. Dies muss nun endlich umgesetzt werden. Fraport und die Fluggesellschaften können nicht nur ihren eigenen Profit sehen.

Welche Voraussetzungen muss eine Person mitbringen, um diese Tätigkeit ausüben zu können?

Jede und jeder kann bei uns mitarbeiten, wenn Interesse am Thema Umwelt und Gesundheit besteht. Das reicht schon.

Gibt es ein besonders schönes Erlebnis aus der ehrenamtlichen Tätigkeit, das Ihnen in Erinnerung geblieben ist?

Ja, die gibt es immer wieder. Besonders schön sind die vielen unterschiedlichen Begegnungen mit Offenbacherinnen und Offenbachern, Politikerinnen und Politikern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Mitstreiterinnen und Mitstreitern. Oft teilen Menschen unerwartet unsere Meinung. Viele bedanken sich auch bei uns dafür, dass wir die Entwicklungen am Flughafen seit Jahren kontinuierlich im Auge behalten.

Auch dass wir Unterstützerinnen und Unterstützer finden, die zum Beispiel nicht monatlich kommen, uns aber Geld spenden, bedeutet uns viel. Ebenso fragen Schulen sowie Studentinnen und Studenten nach, ob wir bereit sind, uns vorzustellen und über unsere Arbeit zu erzählen. Das zeigt mir, dass unsere Arbeit wertgeschätzt wird.

Mein schönstes Erlebnis als Pädagogin war, dass wir mit unserer „Bettlakenaktion auf der Rosenhöhe“ in einem holländischen Schulbuch abgedruckt wurden. Darin wurde sehr positiv über unsere Idee und über gewaltfreies Engagement geschrieben. Das ging über unsere Stadt-, Landes- und Staatsgrenzen hinaus.

Darüber konnte und kann sich jede ehrenamtlich engagierte Person freuen, die bei unseren Veranstaltungen geholfen und mitgewirkt hat. Es ist zwar stressig, Aktionen und Veranstaltungen vorzubereiten. Natürlich ist es aber schön, wenn uns dann genügend Menschen unterstützen und helfen.

Deshalb bin ich froh, unseren Verein hier auch vorstellen zu können. Vielleicht gewinnen wir dadurch neue Mitglieder für Projekte.

Natürlich gibt es immer noch Menschen, die ständig meckern und behaupten, wir würden nichts oder zu wenig bewirken. Auch das gehört zu unserem Ehrenamt dazu. Mittlerweile stärken mich persönlich solche Aussagen. Denn in meinem heutigen Alter kann ich sehr wohl sagen: Wer nichts macht, erreicht gar nichts.

Wir alle in unserem Verein freuen uns, neue Mitglieder zu finden. Denn wir verlieren auch ältere Personen, oder einige ziehen wieder weg. Das ist für mich als bekennende Offenbacherin natürlich keine Option. Auch wenn jede Veränderung oder Forderung Zeit braucht, bis sie letztendlich umgesetzt wird.

Ich freue mich trotzdem, mit meinem Stellvertreter Thomas Hesse ständig im engen Austausch zu stehen. Da wir die BIL basisdemokratisch leiten, werden alle Aktivitäten gemeinsam im Team besprochen. Nicht ich, sondern wir alle geben die Stoßrichtung in der BIL an.

Können Sie durch Ihr Engagement etwas Positives mit in Ihr Privatleben nehmen?

Na klar. Ich denke, das konnten Sie schon vorher lesen.

Benötigt die Einrichtung noch weitere ehrenamtliche Unterstützung und an wen können sich die Interessenten wenden?

Wir benötigen immer Unterstützung. Unsere Kontaktdaten sind oben auf dieser Internetseite angegeben.

Vielen Dank, Ingrid Wagner, dass Sie uns einen kurzen Einblick in Ihr Engagement gewährt haben!



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