Alltagsgestaltung
Grundlagen
Auch wenn Sie die wichtigsten Grundlagen für die Tätigkeit als Kindertagespflegeperson bereits im Qualifizierungskurs erarbeitet haben, können diese Bücher Ihnen ggf. noch die eine oder andere Anregung für Ihren Praxisalltag geben.
Alle können Sie im Fachdienst entleihen - wenden Sie sich bei Interesse an die Fachberatung.
Hier haben wir Ihnen einige Buchauszüge zu Kernthemen zusammengefasst.
Eine gute Grundlage für die Betreuung schaffen
Die Eingewöhnungsphase (der Übergang von der Familie in die Tagespflegestelle) ist die bedeutsamste Grundlage für die Gestaltung der Betreuung. Eine erfolgreiche Bewältigung des Übergangs lässt die Persönlichkeit wachsen. „Es steigert das Selbstbewusstsein, etwas Neues geschafft zu haben, man ist stolz und gewinnt Zuversicht in das eigene Handeln. Erfolgreich bewältigte Übergänge führen dazu, dass sich der Mensch künftigen unbekannten Situationen mit der Einstellung nähert, auch diese bewältigen zu können. Einen Übergang als stressbesetzt zu erleben, führt hingegen nicht selten zu Traumata, die wiederum die Entwicklung des Menschen hemmen. Das Unbekannte wird dann als etwas Bedrohliches erlebt, das es dem Menschen zukünftig erschwert, sich auf neue Situationen einzulassen. Ängste entstehen, das Selbstvertrauen sinkt, und häufig werden Vermeidungsstrategien entwickelt. Erlebter Stress führt bekanntlich zu körperlichen Reaktionen, die wiederum ein Unwohlsein auslösen. Der Mensch ist dann damit beschäftigt, wieder ins Wohlbefinden zu kommen. In dieser Phase ist er nur bedingt neugierig auf die Welt.“
aus: "Tagesmutter werden-Tagesmutter sein. Der Praxisratgeber für die professionelle Kindertagespflege – von A wie Anmeldung bis Z wie Zusammenarbeit mit den Eltern" von Ute Bendt + Claudia Erler, S. 91
Einen strukturierten Tagesablauf gestalten
Grundsatz ist „Ich gestalte den Tagesablauf so, dass die Bedürfnisse der Kinder viel Raum finden“
Bei der Gestaltung des Tagesablaufs sollte man daher die Gruppenzusammensetzung bedenken und am besten vom jüngsten/bedürftigsten Kind aus denken.
Es braucht
- Täglich wiederkehrende Phasen und Rituale: diese geben Orientierung um sich sicher und geborgen zu fühlen. Es ist sinnvoll hier Maßnahmen zu schaffen, damit Kinder diese Phasen schnell wiedererkennen können, „damit die Kinder auch ohne viel Zuhören, Abwarten und Überlegen merken, welche Phase nun anbricht“. Dies ist möglich, indem man z.B. immer den gleichen Platz aufsucht, mit gleichen Worten oder Liedern zu etwas einlädt, immer mit einem bestimmten Ritual etwas beendet.
- Wechsel im Tagesverlauf zwischen aktionsreichen Phasen und ruhigeren Phasen: damit Kinder lernen, ihr Verhalten passend zu ihren Bedürfnissen auszurichten, müssen Erwachsene hier steuernd unterstützen. Eine Zeit mit vielen interessanten Angeboten kann die Kinder lange fesseln, sie aber schnell in die Reizüberflutung bringen, daher sollte nach einer dynamischen, intensiven Phase immer eine ruhigere Phase folgen.
- Möglichkeiten für einzelne Kinder, sich aus gemeinsamen Aktionen oder Phasen zurückzuziehen: es kann sein, dass das einzelne Kind ein Bedürfnis hat, was der aktuellen Phase der Gruppe gerade entgegengesetzt ist. Das Kind muss die Möglichkeit erhalten, dem eigenen Bedürfnis jederzeit nachgehen zu können. „Trotz klarer Zeitabläufe für die Gruppe muss es einzelnen Kindern immer möglich sein, nach Bedarf zu essen, zu trinken, sich schlafen zu legen. Die gemeinsame Tagesgestaltung ist kein Pflichtprogramm, sondern ein Angebot für die Kinder."
aus: "Das Praxisbuch für Tagesmütter - Betreuen, Fördern, Bilden. Grundlagen, Handreichungen und Arbeitshilfen für die Tagespflege" von Antje Bostelmann + Michael Fink, S. 14/15
Die Gruppenzusammensetzung beachten
Altersgemischte Gruppen können Vorteile haben: für jüngere Kinder, dass sie vom Entwicklungsvorsprung der älteren Kinder lernen; für ältere Kinder, dass sie soziale Kompetenzen beim Helfen oder Trösten von jüngeren Kindern entwickeln
Kinder haben aber je nach Alter unterschiedliche Bedürfnisse, die es zu berücksichtigen gilt:
- 0-6 Monate: brauchen sehr engen Bezug mit viel Körper- und direktem Blickkontakt, sind noch vollkommen auf Aufmerksamkeit der Bezugsperson angewiesen. In den kurzen Phasen der Aufmerksamkeit können Anregungen durch Lieder, Fingerspiele oder Gegenstände (z.B. zum Tasten oder Rasseln) gegeben werden.
- 6-12 Monate: brauchen sehr engen Kontakt mit Bezugspersonen in Sicht- und Hörweite, die Sicherheit bietet, um von dort aus den Raum zu erkunden. Entsprechend sollte genug Raum zum sicheren freien Bewegen vorhanden sein sowie die einfühlsame Anwesenheit der Bezugsperson, die Informationen und Gefühle einordnen hilft und respektiert, wenn das Kind Nähe und wenn es Distanz sucht. Zusätzliche Anregungen bieten z.B. Bilderbücher.
- 12-24 Monate: brauchen Präsenz der Bezugsperson und aufmerksames Zuhören mit Blickkontakt für ihre sprachlichen Artikulationen. Anregung bietet die Erweiterung des Raums nach draußen mit neuen motorischen Impulsen und Auseinandersetzung mit neuem Material wie Sand, aber auch Stiften und kleinen gemeinsamen Spielen in der Gruppe.
- 24-36 Monate: Die Bezugsperson ist noch zur zeitweisen Rückversicherung wichtig, aber es benötigt nicht mehr den permanenten direkten Kontakt. Die Kindergruppe wird zunehmend wichtiger, die Bezugsperson ist dabei wichtiger Begleiter beim Einüben von sozialem Miteinander und konstruktiver Konfliktlösung. Anregungen bieten neben dem Spiel auch das Einbinden/Partizipieren in alltägliche Aufgaben.
Die Empfehlung der Deutschen Liga für das Kind für den Kindertagespflegeperson-Kind-Schlüssel liegt bei Kindern bis 6 Monaten bei 1:1, zwischen 6 und 12 Monaten bei 1:2, zwischen 1 und 2 Jahre bei 1:3 und zwischen 2 und 3 Jahren bei 1:5. Je jünger die Kinder in der Gruppe sind, desto kleiner sollte die Gesamtgruppe also sein.
Kindertagespflegepersonen sind auch Bindungspersonen, die Qualität der Beziehung zwischen Kind und Kindertagespflegeperson wirkt sich auf das Wohl des Kindes aus. „Tageskinder, die sich sicher fühlen, zeigen in jedem Alter, dass sie lernen und begreifen möchten. Sie nehmen neugierig auf, was um sie herum passiert. Sie probieren aus, wie sie Gegenstände beeinflussen, wenn sie sie werfen, rollen, kippen. Sie erkennen Gesetzmäßigkeiten und erleben, was das bewirkt, was sie tun. Das können sie, ohne angeleitet zu werden. Kinder bilden sich selbst, wenn sie emotional im Gleichgewicht sind. Wenn sie eine Pause von Lernreizen brauchen, das Bedürfnis nach Ruhe haben oder sich von einer Situation überfordert fühlen, signalisieren sie das, indem sie sich vom Spiel abwenden und Sicherheit bei der Tagespflegeperson suchen."
„Wichtig für die pädagogische Arbeit mit Kindern unter drei Jahren ist es, zu verstehen, dass sie je nach Alter unterschiedlich entwickelte Möglichkeiten haben, die eigenen Bedürfnisse zu artikulieren. Nur mit diesem Verständnis und einer einfühlsamen Haltung gegenüber jedem einzelnen Kind können Sie ihm angemessen gerecht werden.[…] Nur, wer selbst entspannt ist und zufrieden, ist in der Lage, sensibel auf die Bedürfnisse von Kindern einzugehen, die nonverbal gezeigt werden. Deshalb ist es für die Betreuung sehr junger Kinder von Bedeutung, dass ihre Kindertagespflegeperson sich nicht im Dauerstress einer Überforderung befindet, die durch zu viele Kinder oder ungünstige Rahmenbedingungen entsteht.“
aus: "Qualitäts-Check in der Kindertagespflege" von Petra Römling-Irek, Hilke Waßmuth, S. 34-35
Planvoll Handeln
Kindertagespflegepersonen betreuen Kinder beruflich, also professionell. Professionelles Handeln ist planvolles Handeln. Die folgenden Fragen können Ihnen bezogen auf jegliche Bereiche der Kindertagespflege (Kinder, Eltern, Raumgestaltung etc.) helfen, planvoll zu handeln.
- „Welche Ausgangslage finde ich vor (Situationsanalyse)?
- Welche Herausforderungen sind damit verbunden?
- Was möchte ich wie tun, um diese Herausforderungen zu meistern?
- Worauf muss ich dabei achten?
- Welche Schritte nehme ich mir vor, und in welcher Reihenfolge?
- Was benötige ich dazu?
- Wie kann ich überprüfen, inwiefern meine geplanten und anschließend umgesetzten Aktivitäten erfolgreich waren?“
Auf das Ziel der Förderung der kindlichen Entwicklung bezogen kann man z.B. versuchen sich die folgenden Fragen so konkret wie möglich zu beantworten:
- „Welchen Entwicklungsstand weisen die betreuten Jungen und Mädchen auf, welche Besonderheiten nehme ich beim einzelnen Kind wahr?
- Inwiefern kann ich die Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen und fördern, welche konkreten Maßnahmen bieten sich an?
- Wie will ich meine Impulse setzen, und was muss ich dabei beachten?
- Welche Vorbereitungen (zum Beispiel räumlich) muss ich treffen?
- Was benötige ich an Material, Technik, Raum und Zeit etc.?
- Wie kann ich Schlussfolgerungen ziehen, ob die Kinder meine Angebote annehmen konnten und entsprechende Lernerfahrungen gesammelt haben?“
Dabei bedeutet planvolles Handeln nicht ein enges Ausrichten an minutiös geplanten Aktivitäten, die genauso und nicht anders zu laufen haben. Es meint vielmehr Vorüberlegungen zu treffen, diese aber anzupassen bzw. zu verändern, wenn sich die Ausgangssituation verändert hat.
Ein Angebot sollte also nicht nur das geplante Ziel (z.B. Förderung der Feinmotorik) im Blick behalten, sondern es muss sich auch an Interesse/Lernthema sowie Kompetenzen/Lerntempo der Kinder ausrichten, wenn ein Lernerfolg eintreten soll. Beispiel: „Wenn zwei Kinder malen und die Tagespflegeperson als Ziel das Ergebnis „Blume“ formuliert hat, wird sie beide Arbeiten der Kinder danach bewerten, wie sie das gewünschte Ziel erkennbar umgesetzt haben. Wenn sie als Ziel den Weg ‚Erfahrungen mit Wasserfarben und Pinsel‘ formuliert hat, kann sie zulassen, dass die Kinder unterschiedliche Methoden entwickeln und dass sie selbst entscheiden, welche Farben sie wie einsetzen, wie viel Farbe sie benutzen, wie sie mischen, wie sie den Pinsel halten.“
Zur Planung gehört auch die Reflexion: „Wenn Sie Ihre pädagogische Arbeit nicht reflektieren, also nicht überprüfen, wann Ihnen etwas gut gelungen ist und wann nicht und welche Ursachen das hat, dann können Sie sich nicht selbst weiterentwickeln. Wer macht schon gern Fehler, aber Fehler als Chance für das eigene Wachsen zu sehen, ist ein Merkmal professioneller pädagogischer Arbeit.“
aus: "Tagesmutter werden-Tagesmutter sein. Der Praxisratgeber für die professionelle Kindertagespflege – von A wie Anmeldung bis Z wie Zusammenarbeit mit den Eltern" von Ute Bendt + Claudia Erler, S. 76-80
Ernährung
Ernährung ist ein elementares Thema in der Kindertagespflege und oft auch für Eltern sehr wichtig. Einige Grundlagen, für die kindgerechte Ernährung in Ihrer Pflegestelle finden Sie z.B. hier.
Den Blick auf pädagogische Fragestellungen in der Essenssituation wirft der folgende Text:
Die Verbraucherzentrale bietet mit ihrer Vernetzungsstelle eine fachkompetente Unterstützung für Fragen der Verpflegung auch für Kindertagespflegestellen. Sie beraten und stellen Informationen bereit.
unterwegs sein
Bewegung ist ein Grundbedürfnis von Kindern. In der Wohnung gibt es meist nur begrenzten Raum. Neben Spaziergängen bieten Spielplätze zusätzliche motorische Anregungen. Welche Spielplätze der Stadt es bei Ihnen in der Umgebung gibt, können Sie hier sehen.
Ausflüge zu besonderen Attraktionen bieten oft einen hohen Anreiz für alle Beteiligten. Hier die beliebtesten Ausflugsziele der Kindertagespflegepersonen.
Lesen
Im Bereich der Sprachförderung kommt neben dem Sprechen mit und Zuhören von Kindern dem (Vor-)Lesen mit Kindern eine große Bedeutung zu.
Es gibt zahlreiche Anregungen, die einer Kindertagespflegeperson helfen können, passende Bücher zu finden.
Einige Bücher vom "Lesestart 1-2-3" haben wir im Fachdienst auch noch vorrätig und können diese kostenlos verteilen - bei Interesse sprechen Sie uns gern an.
Wenn Sie Bücher ausleihen statt kaufen möchten oder mit Ihren Kindern an Veranstaltungen zur Leseförderung (wie die Bücherbärchen) teilnehmen möchten, sind Sie bei der Kinderbibliothek Offenbach richtig.
Der Bundesverband Kindertagespflege hat zudem einige Bilderbücher erstellt, die helfen können, mit Kindern (und ggf. auch Eltern) ins Gespräch über den Alltag in der Pflegestelle zu kommen.
Kreativität
Kreativität fördert Selbstbewusstsein, Selbstwirksamkeit, Problemlösekompetenz usw. Wie Sie diese fördern können, wird in diesen Artikeln aufgezeigt.
Hier stellen wir Infos zusammen, die von Kindertagespflegestellen empfohlen werden.
Reflexion
Die (Selbst-)Reflexion des pädagogischen Angebotes in der Pflegestelle ist eine Voraussetzung für gute Qualität und eine Grundlage für die eigene Arbeitszufriedenheit.
Vor einigen Jahren haben einige Kindertagespflegepersonen in Offenbach ein "Handbuch" entwickelt, bei dem Vorlagen mit Fragen für den eigenen Reflexionsprozess erarbeitet wurden. Diese finden Sie hier ebenso wie Arbeitsbögen zur Selbstreflexion des BVKTP.