Bildung, Erziehung, Entwicklungsförderung
Hessischer Bildungs- und Erziehungsplan
Das Land Hessen hat mit dem hessischen Bildungs- und Erziehungsplan (BEP) einen Orientierungsrahmen für die Bildung und Erziehung von Kindern von 0 bis 10 Jahren geschaffen.
Dieser soll in allen "Institutionen", in denen Kinder dieses Alters betreut und gebildet werden (Familienbildungsangebote, Kindertagespflege, Krippe, Kindergarten, Schule und Hort), als gemeinsame Leitlinie dienen.
So sollen alle Kinder im Verlauf Ihres Aufwachsen auf ähnliche Haltungen der Erwachsenen, die sie in ihrem Entwicklungsprozess begleiten, treffen. Im Mittelpunkt steht dabei, den Bildungsbedürfnissen von Kindern bestmöglich gerecht zu werden und jedem Kind von Anfang an gute Bildungschancen zu bieten.
Hier finden Sie den BEP als auch die Handreichung, die die Umsetzung im Bereich der Arbeit mit Kindern unter 3 Jahren weiter konkretisiert, in digitaler Form. Wenn Sie lieber ein Druckexemplar haben möchten, sprechen Sie die Fachberatung an - wir haben noch welche vorrätig.
Entwicklung
Kinder sollen sich gut entwickeln. Darin sind sich Erwachsene (fast) immer einig, auch wenn unter Umständen darüber Uneinigkeit herrscht, was es dazu braucht.
Manche Bereiche entwickeln sich (zumindest für einen bestimmten Zeitraum) fast ohne Zutun der Erwachsenen. So kommen z.B. im Bereich der grobmotorischen Entwicklung alle Kinder nach einem eigenen Tempo zum aufrechten Stand und Laufen. Hier "wächst das Gras nicht schneller wenn man daran zieht" und das Einzige, das Erwachsene tun können, ist dem Kind genügend Raum und Zeit für freie Bewegung zur Verfügung zu stellen.
Andere Bereiche brauchen wiederum mehr "Förderung" durch Erwachsene. So kann man davon ausgehen, dass Kinder, die nicht genügend sprachliche Anreize (für Hören und eigenes Artikulieren/Sprechen) durch ihre Mitmenschen bekommen, sich sprachlich auch nicht weiter entwickeln. Das kann dann zu Konsequenzen führen, die teilweise andere Entwicklungsbereiche betreffen (Kind beißt eher, wenn es sich im sozialen Miteinander nicht verständlich machen kann) oder auch Übergänge in den nächsten Bildungsabschnitt (Kindergarten) erschweren.
Einen schönen Überblick über verschiedene Entwicklungsbereiche findet man im Buch "Babyjahre". Dieses von einem Kinderarzt geschriebene Buch kennen oft auch Eltern (oder es kann ihnen empfohlen werden), es kann daher als gemeinsamer Bezugspunkt den Austausch erleichtern. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch das Buch "Die Kinderdolmetscherin" der Psychologin Claudia Schwarzlmüller.
Eine wichtige Aufgabe von Kindertagespflegepersonen ist es, die Entwicklung des Kindes gut im Blick zu behalten und darüber mit den Eltern im Gespräch zu bleiben.
Dies sollte regelmäßig, auch wenn alles "normal" oder gut läuft, passieren. Im Kapitel "Erziehungspartnerschaft" haben wir Ihnen ein Infoblatt zu Entwicklungsgesprächen bereit gestellt. Im Abschnitt "Beobachtung und Dokumentation" finden Sie zudem verschiedene Instrumente, die als Ihnen helfen können, Entwicklungsprozesse von Kindern sichtbar und beschreibbar zu machen. Dies ist grundsätzlich hilfreich, umso mehr aber bei Sorgen in Bezug auf eine altersgerechte Entwicklung.
Was Entwicklungsverzögerungen sind und was Sie tun können, wenn Sie Sorgen haben, ein Kind könnte in seiner Entwicklung verzögert sein, haben wir hier versucht zusammenzufassen. Sprechen Sie in solchen Fällen aber bitte auch immer mit Ihrer zuständigen Fachberatung.
Beobachtung und Dokumentation
Wenn wir das Kind beobachten, können wir leichter verstehen, wo es steht, was es beschäftigt und was es braucht.
Hierbei kann man eher gerichtet oder eher ungerichtet/wahrnehmend beobachten.
Einen guten Überblick bietet die Broschüre "Beobachten und Dokumentieren", die Sie auch im Fachdienst entleihen können.
Gerichtete Beobachtung hat meist den Zweck, bestimmte Entwicklungsbereiche in den Blick zu nehmen um und Entwicklungsverzögerungen frühzeitig zu erkennen. Entsprechend orientiert man sich an normativen Beschreibungen von Entwicklungsschritten, die in einem gewissen Alter vollzogen sein sollten.
Diese Fokussierung hat jedoch den Nachteil, das Kind meist nicht in seiner Ganzheit zu verstehen und sollte daher nicht die alleinige Beobachtungsmethode sein.
Manche gerichteten Beobachtungsverfahren nehmen daher zwar idealtypische Verläufe in den verschiedenen Entwicklungsbereichen in den Blick, geben dabei aber keine festen Zeiten vor, bis wann bestimmte Schritte vollzogen sein sollten. Sie zielen mehr darauf, die Kompetenzen und Bildungsinteressen des Kindes genau in den Blick zu nehmen, um daraus ableiten zu können, wie eine anregende Umgebung für das Kind gestaltet werden kann.
In jedem Fall wird die gerichtete Beobachtung auch in entsprechenden Vorlagen/Schemata dokumentiert.
Ungerichtete/wahrnehmende Beobachtung hat meist den Zweck, das Kind in seinem selbständigen Tun aufmerksam zu begleiten und seine natürlichen Bildungsprozesse zu sehen und alters- und entwicklungsgerecht zu unterstützen. Die wahrnehmende Beobachtung hilft vor allem dabei, dass das Kind Selbstbewusstsein, Konzentration und Selbstwirksamkeit entwickeln kann.
Bei dieser Art der Beobachtung ist deshalb die Haltung zum Kind sehr entscheidend. Es stehen stets die individuellen Möglichkeiten, die Interessen und Ressourcen der Kinder im Mittelpunkt. Grundlage ist, Kinder als neugierige, selbsttätige und kompetente Menschen zu begreifen.
Die Dokumentation dieser Beobachtungen kann entsprechend sehr vielfältig sein, je nachdem was in den Fokus genommen wird. Einige Möglichkeiten haben wir Ihnen hier bereitgestellt.
In Portfolios können diese dann gesammelt werden und dem Kind nach Abschluss der Betreuung mitgegeben werden. Was in ein Portfolio gehört und worauf bei der Gestaltung eines Portfolios geachtet werden sollte, können Sie z.B. in diesem Video sehen.
Bildung
Unter Bildung verstehen wir die Bemühungen der Erwachsenen, die Entwicklung von Kindern gemäß ihrer Bildungsbedürfnisse planvoll zu fördern, also Lern- bzw. Bildungsprozesse zu gestalten.
Da im BEP der ko-konstruktive Ansatz hierfür eine wichtige Grundlage ist, der Fachbegriff aber selten bekannt ist, hier nochmal eine Erklärung.
Wie Bildungsprozesse speziell in der Kindertagespflege gestaltet werden können, beleuchtet die Broschüre des Bundesverbandes Kindertagespflege "Lernort Kindertagespflege", die Sie hier kostenlos herunterladen können.
Erziehung
Erziehungskonzepte gibt es zahlreiche. Sie sind Ausdruck des gesellschaftlichen Zeitgeistes und der eigenen Biographie der erziehenden Erwachsenen.
Auf die verschiedenen Ansätze von Erziehung, insbesondere im Hinblick auf Grenzen, geht Antje Bostelmann in diesem Text ein:
Die Fachberaterinnen im Fachdienst Kindertagespflege der Stadt Offenbach befürworten die bedürfnisorientierte Erziehung, da sie den aktuellsten Erkenntnissen aus Bindungsforschung, Hirnforschung und Resilienzforschung am ehesten Rechnung trägt und im Einklang mit dem BEP steht.
Der folgende Artikel erklärt, was bedürfnisorientierte Erziehung ist und räumt mit gängigen Vorurteilen auf.
Wer sich vertieft mit dem Thema beschäftigen möchte, findet hier einige (auch von einzelnen Kindertagespflegepersonen empfohlene) Buchtipps.
Wenngleich es kein eindeutiges "richtig" in der Erziehung gibt, gibt es doch Aspekte die "falsch" sind, weil sie dazu beitragen, das Wohl des Kindes zu beeinträchtigen.
besondere Bedarfe
Kinder zu begleiten ist grundsätzlich eine anspruchsvolle Aufgabe. Manche Kinder stellen uns jedoch vor zusätzliche Herausforderungen, weil sie besondere Bedarfe mitbringen. Diese besonderen Bedarfe entstehen in der Regel, wenn die Kinder (und ihre Bezugspersonen) in besonderen Situationen sind.
Das können (gesundheitliche) Einschränkungen sein, aber auch ungünstige (gesellschaftliche) Umgebungsbedingungen.
Aber auch unter scheinbar "normalen" Voraussetzungen kann das Kind besondere Bedarfe entwickeln, weil seine Kapazitäten zur Bewältigung der individuellen (biografischen) Voraussetzungen bisher nicht ausgereicht haben.
Wir als Erwachsene sind in der Pflicht, Möglichkeiten zu finden, mit diesen Herausforderungen - angemessen und förderlich für das Kind - umzugehen.
Die folgenden Bücher und Artikel befassen sich mit besonderen Bedarfen und deren Umgangsmöglichkeiten.
Aber manchmal kommt man, selbst wenn man etwas theoretisch verstanden hat, in der Praxis doch an seine Grenzen.
Im Austausch mit Kolleg*innen, Referent*innen, Supervisor*innen, Fachberaterinnen und ggf. spezialisierten Beratungskräften anderer Institutionen ist es leichter, sowohl das einzelne Kind mit seinen jeweiligen Bedürfnissen als auch die Ursachen der eigenen Gefühle besser zu verstehen und entsprechend neue Handlungsideen zu entwickeln.
Holen Sie sich in solch herausfordernden Situationen also frühzeitig Unterstützung!