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Stadt Offenbach

ECHO geht in die zweite Runde: Neue Zielsetzung und Weiterqualifizierungsangebot für Elternbegleitung in Offenbach

08.07.2025 – Das erfolgreiche Modellprojekt ECHO – ElternCHancen Offenbach wird in Kooperation von DRK und Jugendamt fortgesetzt. Im Rahmen des Programms „ElternChanceN – mit Elternbegleitung Familien stärken“ wird es für weitere drei Jahre zu insgesamt 90 Prozent durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und über den Europäischen Sozialfonds gefördert. Damit soll die präventive Arbeit des Jugendamts durch den Ansatz der Elternbegleitung weiter ausgebaut werden, indem ECHO Familien, insbesondere neuzugewanderte Familien im Nordend und in der Innenstadt, in ihrer Entwicklung fördert.

Weiterentwicklung der Zielsetzung

Mit der Fortführung von ECHO setzt das Projekt einen klaren Fokus auf Empowerment und Prävention im Sozialraum. Elternbegleitung wird als wichtiger Baustein der frühzeitigen Unterstützung verstanden, um Familien in ihrer Erziehungs- und Bildungsarbeit zu stärken. Besonders für Familien, die neu in Offenbach sind und das deutsche Bildungssystem noch nicht aus eigener Erfahrung kennen, bietet dieses Angebot wertvolle Informationen, Tipps und Unterstützung. Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter helfen dort, wo Unterstützung gebraucht wird. Sie kommen in Schulen, auf dem Spielplatz, in Kitas oder dem Stadtteilzentrum mit Eltern in Kontakt — und tragen dazu bei, Kindern mit schwierigen Startbedingungen mehr Chancen zu eröffnen.

Bürgermeisterin Sabine Groß freut sich über die weitere Förderung: „Unser Ziel ist es, dass Eltern ihre Kinder auf dem Bildungsweg bestmöglich begleiten können und ihnen ein gesundes Aufwachsen ermöglichen. Die Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter fungieren hier als wertvolles Bindeglied zwischen Familien und Bildungsinstitutionen, sie beraten Eltern zu Bildungsmöglichkeiten und unterstützen sie dabei, ihre Erziehungs- und Alltagskompetenzen zu stärken. Besonders für neuzugewanderte Familien ist diese Unterstützung essenziell, um Barrieren abzubauen und die Integration zu erleichtern.“

Dazu hat ECHO in den vergangenen Jahren zahlreiche niedrigschwellige und kostenfreie Angebote entwickelt und erprobt – wie z. B. Spiel*Platz*Spaß, Sprachentreff, Intensiv-Klassen-Familientreff. In einem von existenziellen Herausforderungen dominierten Alltag bieten diese Eltern-Kind-Gruppen Inseln der Beschäftigung miteinander, der gemeinsamen Kreativität. Hier begegnen sich Familien, die sich einander nicht erklären müssen, aber sich kennenlernen können. Nachgefragt werden aber auch die wöchentlichen Sprechstunden und die persönliche Begleitung zu Behörden, Ärzten, Bildungsinstitutionen. 383 einzelne Angebote wurden seit Oktober 2022 durchgeführt, für die knapp 1.800 (Familien)Teilnahmen ermittelt werden konnten. Familien, denen es gefallen hat, kommen wieder und entwickeln sich. Dadurch entsteht auch eine besondere Beziehungsqualität zu den Elternbegleiterinnen. So besuchte eine Mutter aus Pakistan mehrmals die Sprechstunde und Elterncafés. Es stellte sich heraus, dass sie studiert hatte und an einer beruflichen Neuorientierung interessiert war. Im ersten Schritt qualifizierte sie sich nun zur ELMO-Mentorin und unterstützt nun ihrerseits drei Familien.

In Offenbach sind Elternbegleiterinnen nicht nur im Projekt ECHO unterwegs, sondern auch in der Jugendhilfe, in Kitas und im Krabbeltreff Luise wie Sabah Klndr. Sie absolvierte die Qualifizierung zur Elternbegleiterin vor neun Jahren. In Syrien war sie zuvor als Grundschullehrerin tätig. Seit 2005 lebt sie in Offenbach, wo auch ihre Kinder zur Welt kamen. Sie erinnert sich noch gut an die Anfangszeit: „Ohne Sprache habe ich selbst die Überforderung meiner Familie erlebt. Ich habe mich geschämt, saß bei Elternabenden stumm daneben. Danach habe ich geweint, war traurig und fühlte mich einsam. Die Sprache ist der Schlüssel. Heute ist es mir wichtig, neuzugewanderten Familien Brücken zu bauen und sie in ihren Kompetenzen zu stärken.“ Solche Erfahrungen – die auch den ECHO-Elternbegleiterinnen nicht unbekannt sind – zeigen, wie bedeutend die Arbeit der Elternbegleitenden für die Integration und das Wohlbefinden der Familien ist.

Weiterqualifizierungsangebot für Fachkräfte

Die Projektpartner – Jugendamt und Deutsches Rotes Kreuz – haben sich ein weiteres Ziel gesteckt: Gefördert mit Mitteln des Netzwerks Elternschule bietet das DRK eine Hybrid-Weiterqualifizierung zur Elternbegleitung für pädagogische Fachkräfte in Offenbach an. Das Programm umfasst 120 Unterrichtseinheiten in vier Blöcken (zwei davon online) sowie 70 Einheiten Selbststudium. Die Qualifizierung startet am 26. August und endet am 5. Dezember 2025. Teilnehmende lernen viel über die Bildung im Kindesalter, Fallverstehen, Elternbegleitung sowie die Lebenslagen von Familien. Das Angebot fördert den Austausch vor Ort, spart Reise- und Übernachtungskosten und ermöglicht den Aufbau eines Offenbacher Netzwerks der Elternbegleitung. Interessierte Fachkräfte sollten nicht zu lange mit ihrer Anmeldung warten.

Informationen zur Teilnahme

Die Weiterbildung richtet sich an Fachkräfte mit pädagogischer, sozialer oder psychosozialer Grundausbildung, die in Offenbacher Institutionen tätig sind und Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Eltern haben. Die Teilnahmegebühr beträgt 400 Euro, für Mitglieder des Netzwerks Elternschule nur 200 Euro. 

Anmeldeschluss ist der 31. Juli 2025.
Weitere Informationen und Anmeldung bei Beatrix Duttine-Eberhardt, DRK Kreisverband Offenbach e. V., Telefon: 069 75 66 20 50, Mail: beatrix.duttinedrk-ofde.

Das Projekt ECHO wird im kommenden Jahr einen Qualitätszirkel Elternbegleitung anbieten. Dieser Qualitätszirkel will sowohl langjährig tätige Elternbegleiterinnen und Elternbegleitern als auch den neu Qualifizierten als Plattform dienen. Die Fachkräfte sind – unabhängig in welcher Institution sie für welchen Träger arbeiten – eingeladen, sich auszutauschen, miteinander und voneinander zu lernen.

„Mit der Fortführung von ECHO und dem neuen Weiterqualifizierungsangebot stärkt Offenbach seine präventiven Angebote für Familien. Elternbegleitung bleibt ein zentraler Ansatz, um Familien in ihrer Entwicklung zu fördern, Kindern bessere Startchancen und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. So haben wir es auch vor kurzem im Aktionsplan gegen Kinderarmut formuliert. Ich freue mich, dass wir die sehr gute Arbeit des ECHO-Projekts durch die Förderung sicherstellen können und hiermit zur Umsetzung des Aktionsplans beitragen“, so Bürgermeisterin Groß. 

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