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Stadt Offenbach

Medienkompetenz ist Familienkompetenz - Gelungener Fachtag des Netzwerks Elternschule zum kompetenten und gesunden Umgang mit Medien

13.11.2025

Felix Rudolph-von Niebelschütz vermittelte den Fachkräften einen Überblick, was unter Mediensouveränität zu verstehen ist.

In einer zunehmend digitalen Welt sind für das gesunde Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz und eine souveräne Nutzung von Medien besonders wichtig. Die Basis dafür bildet der Umgang mit Medien in den Familien. Auf Einladung des Netzwerks Elternschule unter Federführung des Jugendamts der Stadt Offenbach, kamen über 70 pädagogische Fachkräfte in die Volkshochschule zum Fachtag „Medienkompetenz ist Familienkompetenz“. 

Eine Abfrage zu Beginn der Veranstaltung zeigte, für den Berufsalltag von 90 Prozent der Teilnehmenden ist dieses Thema enorm wichtig, unabhängig davon ob sie in Kita, Schule, Beratung oder Elternprojekten arbeiten. Diese unterschiedlichen beruflichen Perspektiven erwiesen sich für den Austausch als besonders fruchtbar. Die Veranstaltung unterstrich auch, dass Offenbach viel an Expertise zu bieten hat. Als Impulsgebende konnten Expertinnen und Experten des Suchthilfezentrums Wildhof, des Medienzentrums Süd und von pro familia gewonnen werden. Sie boten Tipps zur aktiven Gestaltung von Medien, Informationen zu Mediensucht, sexualisierter Gewalt und empfahlen sich den Fachkräften als künftige Ansprechpersonen.

Die Volkshochschule (vhs) fungierte wie auch das Stadtgesundheitsamt als Kooperationspartner des Jugendamts bei dieser Veranstaltung. Dirk Wolk-Pöhlmann, Leiter der vhs, begrüßte die Besucherinnen und Besucher. „Die Volkshochschule bietet ein umfangreiches Kursangebot für Erwachsene zum Thema Medienkompetenz. Ein Besuch lohnt sich immer – sowohl analog als auch digital“, so Wolk-Pöhlmann. Das Angebot der vhs reicht von Vorträgen zu KI und Fake News bis hin zu VR-Brillen und Chat GPT. „Das kann alles ausprobiert werden oder Interessierte kommen ins Einfach-Digital-Café“, so Wolk-Pöhlmann. 

Bernd Hormuth, stellvertretender Jugendamtsleiter, wies darauf hin, dass ein altersadäquater guter Umgang mit digitalen Medien ein wichtiges Ziel der Präventionsarbeit nicht nur des Jugendamts ist. „Wichtigstes Ergebnis eines vom Netzwerk Elternschule geförderten Pilotprojekts zur Medienkompetenz in Familien ist es, vorschnelle Zuordnungen und erhobene Zeigefinger in der Arbeit mit Familien zu vermeiden. Fachkräfte sollten die Mediennutzung im Familienkontext genau betrachten und darüber mit den Familien das Gespräch suchen. Eine solche professionelle Haltung auf Augenhöhe spielt in den heutigen Vorträgen und Workshops eine zentrale Rolle“, führt Bernd Hormuth aus. 

„Mediensouveränität statt Kontrollverlust“ titelt Medienpädagoge Felix Rudolph-von Niebelschütz seinen Vortrag, der offenlegt, dass sich im Verhältnis von Fachkraft und jungen Familien oft ein Generationenkonflikt zeigt. Während pädagogische Fachkräfte eher in einer analogen Welt aufgewachsen sind, zeigt sich jungen Menschen in der digitalen Gesellschaft ein etwas anderes Bild, diese sind regelhaft „mediensozialisiert“. Demnach haben Erwachsene in Bezug auf Mediennutzung keinen Wissens- oder Kompetenzvorsprung. So kann auch eine zeitgemäße Förderung von Medienkompetenz nur als Austausch-Prozess von Erfahrungen und Wissen gelingen. Technisches Know-how und eine offene Grundhaltung der Fachkräfte, so der Medienexperte, bilden hierfür die Basis.

Die neuesten Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchung zur Mediennutzung von Vorschulkindern in Offenbach stellte Dr. Barbara Schneider, Kinder- und Jugendmedizinerin im Stadtgesundheitsamt, vor.

Dr. Barbara Schneider berichtet im Anschluss von Ergebnissen der Schuleingangsuntersuchung des Stadtgesundheitsamts, die seit einigen Jahren auch Fragen zum Medienkonsum von Kindern beinhaltet. Befragt wurden Eltern von rund 1.300 Kindern nach deren zeitlichem Konsumverhalten. Das Ergebnis: mehr als drei Viertel der untersuchten Kinder nutzen Medien über die empfohlene Dauer – bis maximal 30 Minuten täglich – hinaus. Als bedenklich wird die „Bildschirmzeit“ bei 15 Prozent der Kinder eingestuft, sie beschäftigen sich mehr als zwei Stunden täglich mit digitalen Medien. 

Positiv war die Resonanz auf die Ideen für das Gelingen vorurteilssensibler Elterngespräche, die Heidi Sekulla während des Vortrags und im Workshop mit den Fachkräften teilte. Diese waren aufgefordert, die eigene Haltung zur Mediennutzung zu reflektieren. Schnell wurde den Teilnehmenden deutlich, dass der Blick auf das Mediennutzungsverhalten von Familien von der eigenen Medienerfahrung und -kompetenz geprägt ist. Professionelle und reflektierte Haltungen wurden auch in den anderen Workshops thematisiert.

Nicht zu kurz kamen aber auch die negativen Folgen von übermäßiger oder verantwortungsloser Mediennutzung. Kim Schön vom Suchthilfezentrum Wildhof schilderte den typischen Verlauf in die Abhängigkeit. Während eine Sucht meist erst im Erwachsenenalter festgestellt wird, nutzen Expertinnen und Experten bei Jugendlichen den Begriff der Verhaltensauffälligkeit. 

„Sexualisierte Gewalt im digitalen Raum geht wie auch in der realen Welt zu fast 90 Prozent vom näheren Umfeld, nämlich von Familie, Freunden und Bekannten aus“, weiß Pia Barth von pro familia. Zusätzlich beschreibt sie das Problem des Weiterreichens von Bildern sexualisierter Gewalt. Es ist vielen Kindern und Jugendlichen häufig nicht bewusst, dass sie sich mit dem Weiterleiten entsprechender Bilder und Filme bereits strafbar machen. Da in solchen Fällen keine Anzeigepflicht bestehe, sollten Fachkräfte genau abwägen, von einer Anzeige Gebrauch zu machen, vor allem, um in erster Linie die Opfer zu schützen.

Den Organisatorinnen und Organisatoren des Fachtags war es wichtig zu erfahren, was pädagogische Fachkräfte für ihre Arbeit mit Familien in Offenbach im Bereich der Medienkompetenz benötigen. Insbesondere Fortbildungen und weitere Fachtage zu konkreten Methodenstanden auf der Wunschliste ganz oben. 

Großen Zuspruch fand der Workshop „Fit für einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien – Familien und Fachkräfte auf Augenhöhe“, den Heidi Sekulla (MediaSmartFamily) und Hanna Englert (Jugendamt) leiteten.

Diese Ergebnisse versteht das Organisationsteam – Hanna Englert und Beatrice Ploch vom Jugendamt, Birgit Gehl von der Volkshochschule und Christine Dilling vom Stadtgesundheitsamt – als Basis für weitere Veranstaltungen dieser Art. Als Veranstalter kann das Netzwerk Elternschule sich über den gelungenen fachlichen Austausch und die positive Resonanz der Teilnehmenden freuen.

Auch Kinder- und Jugenddezernentin Sabine Groß begrüßt den gelungenen Fachtag: „Digitale Medien gehören heute ganz selbstverständlich zum Familienalltag. Wenn wir Mütter und Väter in ihrer Medienkompetenz stärken, unterstützen wir sie dabei, ihre Kinder verantwortungsvoll zu begleiten. Ich danke dem Netzwerk Elternschule, dass dieses wichtige Thema aus so verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden konnte.“

Mehr zum Netzwerk Elternschule erfahren Interessierte auf der Webseite der Stadt Offenbach unter www.offenbach.de/netzwerk-elternschule. Weitere Infos erteilt Beatrice Ploch, Jugendamt – Geschäftsführung NES, 069 8065-3747, beatrice.plochoffenbachde

Gerne nahmen die Teilnehmenden das Angebot von Christine Dilling (Stadtgesundheitsamt) und Barbara Mielke (vhs) zur bewegten Pause wahr.


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