Aktionsplan gegen Kinderarmut: Fachtag informierte über geplante Maßnahmen
16.09.2025 – Unter dem Titel „Kommunaler Aktionsplan gegen Kinderarmut – Offenbach setzt um“ stellte das Jugendamt am 27. August 2025 die aktuelle Planung zum Aktionsplan gegen Kinderarmut vor. Die Stadtverordneten hatten den Aktionsplan im Juli 2025 beschlossen. Die Veranstaltung gab den rund 80 anwesenden Fachleute aus Verwaltung, Bildung, Sozialer Arbeit und Politik die Gelegenheit zum Austausch und Vernetzung.
In ihrem Grußwort hob Bürgermeisterin Sabine Groß den politischen Erfolg hervor, trotz knapper Stadtkassen ein Budget von 150.000 Euro für die Bekämpfung der Folgen eines Aufwachsens in Armut bereitzustellen: „Kinderarmut ist in Offenbach kein Randthema. Das Budget – wenn auch nicht auskömmlich – ist dennoch ein deutliches Signal, dass der Aktionsplan nicht nur ein Papier bleibt, sondern Stück für Stück im Alltag unserer Kinder spürbar wird“.
Roberto Priore, Jugendamtsleiter, wies besonders auf die überregionale Aufmerksamkeit hin, die der Aktionsplan und das Offenbacher Vorgehen erfahren und bedankte sich vor allem bei der internen Lenkungsgruppe des Jugendamtes und bei allen unterstützenden Ämtern. Die Projektpartner und Förderer von HAGE und Auridis Stiftung benannten Offenbach als "good practice" Kommune – so lobte Rajni Kerber von der HAGE das strukturierte Vorgehen bei der Erarbeitung des Aktionsplans gegen Kinderarmut. Markus Büchel von der Auridis-Stiftung bezeichnete Offenbach gar als Blaupause für andere Kommunen und Landkreise.
Einen wissenschaftlichen Impuls gab Maren Hilke, M.A. Sozialwissenschaftlerin der Universität Köln mit ihrem Vortrag „Armut und ihre Folgen für gelingendes Aufwachsen – Chancen und Auftrag für Gesellschaft und Politik“. Sie zeigte unter anderem auf, wie stark Armut mit dem Wohlbefinden der Betroffenen korreliert. Als kommunale Handlungsmöglichkeiten sah sie die räumliche Zuordnung auf Stadtgebiete, in denen besonders von Armut betroffene oder bedrohte Familien leben. Gleichzeitig müssen Angebote so gestaltet sein, dass sie von den Familien angenommen werden.
Bernd Hormuth, stellvertretender Jugendamtsleiter informierte über die ersten Umsetzungsvorhaben des „Kommunalen Aktionsplans gegen Kinderarmut“ anhand der fünf zentralen Handlungsfelder: soziale Teilhabe, gesundheitliche Teilhabe, Bildungsteilhabe, materielle Teilhabe und Querschnittsthemen wie Kinderrechte. So startet im September eine Qualifikation für Fachkräfte zum Thema „Armutssensibilität“, die Behindertenhilfe eröffnet ein inklusives Angebot für Kinder ohne Kitaplatz und in Kooperation mit dem Freiwilligenzentrum laden niedrigeschwellige Gesundheitscafés Familien mit Informationen über Kindergesundheit und gesundheitsfördernde Angebote in Offenbach ein. Auch Unterstützungsangebote im Übergang Kita-Grundschule im Lauterborn, kostengünstige Essensangebote im Kindertreff Neusalzerstraße, der Ausbau der Hausaufgabenhilfe an der Eichendorffschule in Beteiligung der Schülerinnen und Schüler sowie eine Handreichung für mehr Beteiligung in der Verwaltung gemeinsam mit dem KJP sind für dieses Jahr noch in Planung.
Wichtige Hinweise für die konkrete Ausgestaltung der Maßnahmen aus den Aktionsplan werden durch die im Sommer durchgeführte Elternbefragung erwartet, zu der Stefan Heinzmann, Jugendhilfeplaner der Stadt die Hintergründe vorstellte. Ziel war es, den möglichen Zusammenhang zwischen Bewältigung von bzw. Umgang mit Armut und elterlichen Erziehungsstilen beleuchtet. Erste Auswertungen sind Ende Oktober / Anfang November zu erwarten.
In der abschließenden Forendiskussion waren sich die Teilnehmenden einig, dass präventive Maßnahmen so früh als möglich beginnen sollten und für maximale Wirksamkeit in einer kommunalen Gesamtstrategie eingebettet sein müssten. Auch eine bessere Transparenz der Angebote sei wesentlich. In Bezug auf eine verbesserte Umsetzung von Kinderrechten und der Partizipation von Kindern und Jugendlichen wurden weitere Austauschformate und eine präventive Aufklärungsarbeit als wesentliche Anliegen benannt.
Der Fachtag war ein wichtiger Schritt zur Vernetzung und Wissensvermittlung zum Thema Kinderarmut und unterstrich Offenbachs Rolle als Vorreiterkommune in diesem Bereich.