Sophie von La Roche-Preis 2026: Projekt SHEROES für Empowerment und Präventionsarbeit geehrt
11.06.2026
Junge Frauen stärken, gesellschaftliche Strukturen hinterfragen und Gewalt präventiv entgegenwirken: Für dieses Engagement wird das Projekt SHEROES des Deutschen Roten Kreuzes Kreisverband Offenbach e.V. mit dem Sophie von La Roche-Preis 2026 der Stadt Offenbach ausgezeichnet. Der Preis würdigt innovative Beiträge zur Gleichstellung von Frauen und Männern und wird seit 2009 alle zwei Jahre verliehen. Die feierliche Preisverleihung fand am Mittwoch, 10. Juni, im Bernardbau in Offenbach statt. Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke betont die gesellschaftliche Bedeutung der diesjährigen Auszeichnung: „SHEROES zeigt eindrucksvoll, wie nachhaltige Gewaltprävention gelingen kann. Das Projekt stärkt junge Frauen darin, selbstbewusst ihren eigenen Weg zu gehen, gesellschaftliche Erwartungen kritisch zu hinterfragen und sich aktiv für Gleichberechtigung einzusetzen. Dieses Engagement ist für unsere Stadtgesellschaft von großer Bedeutung.“
Benannt ist der Preis nach der Offenbacher Schriftstellerin Sophie von La Roche, die bereits im 18. Jahrhundert als Autorin und Herausgeberin öffentliche Räume für Frauen geschaffen hat. Als eine der ersten wirtschaftlich unabhängigen Schriftstellerinnen ihrer Zeit gilt sie bis heute als wichtige Wegbereiterin für gesellschaftliche Teilhabe und Sichtbarkeit von Frauen.
Stadträtin Gertrud Marx, Vorsitzende der Gleichstellungskommission und Vorsitzende der Jury, erklärt: „SHEROES schafft Räume, in denen junge Frauen ihre Stimme finden, Erfahrungen teilen und sich gegenseitig stärken können. Besonders beeindruckend ist der Ansatz, Teilnehmerinnen selbst zu Multiplikatorinnen zu machen. Das ist gelebtes Empowerment und ein starkes Zeichen dafür, wie Gleichstellungsarbeit nachhaltig wirken kann.“
Im Zentrum des Projekts stehen regelmäßige Gruppentreffen, in denen sich junge Frauen gemeinsam mit Themen wie Rollenbildern, patriarchalen Strukturen, Identität, Diskriminierung, Sexualität, Selbstbestimmung und Feminismus auseinandersetzen. In Workshops, Gesprächen und interaktiven Formaten reflektieren sie eigene Erfahrungen, diskutieren gesellschaftliche Erwartungen und entwickeln Strategien im Umgang mit Diskriminierung und Gewalt.
Die Teilnehmerinnen werden dabei nicht nur gestärkt, sondern auch dazu qualifiziert, ihr Wissen weiterzugeben. Als Multiplikatorinnen gestalten sie Workshops an Schulen und in Jugendeinrichtungen und kommen dort mit Mädchen und jungen Frauen über Themen wie Gleichberechtigung, Grenzen, gesellschaftlichen Druck und Selbstbestimmung ins Gespräch. Der Ansatz ist niedrigschwellig, lebensnah und orientiert sich konsequent an den Erfahrungen junger Menschen.
Die Jury entschied sich einstimmig für die SHEROES. Ihr gehören Vertreterinnen aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft an. Ausschlaggebend waren insbesondere der präventive Ansatz des Projekts sowie die Verbindung aus kontinuierlicher Gruppenarbeit und der Qualifizierung zur Multiplikatorinnenarbeit.
Positiv hervorgehoben wurde, dass das Projekt nicht nur Wissen vermittelt, sondern junge Frauen langfristig stärkt und sie befähigt, Erfahrungen weiterzugeben und selbst aktiv zu werden. Ein klares und wichtiges Signal für Projekte, die Gleichstellung im Alltag konkret und nachhaltig erlebbar machen.
Dr. Inga Halwachs, Kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Offenbach, ordnet die Bedeutung des Projekts im Kontext des aktuellen gesellschaftlichen Klimas ein: „Gerade in Zeiten zunehmender antifeministischer Strömungen braucht es Projekte wie SHEROES mehr denn je. In den sozialen Medien erleben wir derzeit, wie traditionelle und einengende Rollenbilder unter Begriffen wie ,Tradwives‘ romantisiert und gezielt an junge Frauen vermittelt werden. Gleichzeitig nehmen antifeministische Narrative und Anfeindungen gegenüber Gleichstellungspolitik wieder deutlich zu. SHEROES setzt dem etwas entgegen: Das Projekt schafft Räume, in denen junge Frauen dazu ermutigt werden gesellschaftliche Erwartungen kritisch zu hinterfragen, eigene Perspektiven zu entwickeln und sich gegenseitig zu stärken.“
Der Sophie von La Roche-Preis ist mit 1.500 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden Einzelpersonen, Vereine oder Projekte, die sich in besonderer Weise für Gleichstellung und gesellschaftliche Teilhabe engagieren.