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Stadt Offenbach

Nachts sicher unterwegs: Dialogforum rückte Frauen und Mädchen in den Fokus

03.12.2025 – Wie können sich Frauen und Mädchen beim Ausgehen nachts sicherer fühlen, was können Veranstaltende und Clubbetreiber zu einem respektvollen Umgang beitragen und wie lässt sich den sogenannten Angsträumen, meint unter anderem den Weg nach Hause, begegnen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des vierten Dialogforums zur Umsetzung der Istanbul-Konvention, das das Frauenbüro der Stadt Offenbach gemeinsam mit dem Verein Music Women* Hessen Mitte November in den Parksidestudios veranstaltete.

Präsentation der Ergebnisse aus den unterschiedlichen Arbeitsgruppen, v.l.n.r. Luzia Rott, Fachreferentin für die Umsetzung der Istanbul Konvention, Dr. Inga Halwachs, Kommunale Frauen und Gleichstellungsbeauftragte und Jenne Schöning vom Verein Music Women

Mit den Dialogforen bringt das Frauenbüro gemeinsam mit Fachkräften, Institutionen und zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren zentrale Themen der Istanbul-Konvention, dem völkerrechtlichen Vertrag des Europarats zum Gewaltschutz von Frauen und Mädchen, in die lokale Praxis. Ziel ist es gemeinsam Maßnahmen zu erarbeiten, um Lücken im Bereich Frauengewaltschutz zu schließen. Nach Foren zu den Themen Gewalt gegen alte Frauen, Sicherheit von Frauen im öffentlichen Raum sowie Kindern und Jugendlichen im Kontext häuslicher Gewalt widmete sich die vierte Veranstaltung nun einem Lebensbereich, der oft übersehen wird: dem Kultur- und Nachtleben. „Viele Frauen beschäftigt, wie sicher sie sich beim Feiern oder auf dem Heimweg fühlen können“, erklärt Luzia Rott, Fachreferentin für die Umsetzung der Istanbul-Konvention. „Sicherheit im Nachtleben entsteht nicht zufällig. Sie hängt von Haltung, klaren Strukturen und einem verantwortlichen Miteinander ab und sie betrifft letztlich alle in der Stadtgesellschaft.“ 

Laut Polizeistatistik wurden im vergangenen Jahr in Hessen 94 Fälle von K.o.-Tropfen registriert, der höchste Wert seit zehn Jahren. „Das ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagte Jenne Schöning vom Verein Music Women Hessen. „Die Dunkelziffer ist vermutlich sehr viel höher. Viele Betroffene wissen gar nicht, wo sie Unterstützung finden oder zeigen Übergriffe aus Angst und Scham nicht an.“

Lebhafte Diskussion in der Arbeitsgruppe „Stadt“ unter Leitung der Kommunalen Frauen und Gleichstellungsbeauftragten Dr. Inga Halwachs.

Praxisbeispiele aus Offenbach: Drei Einblicke in Wege zu mehr Sicherheit

Aber wie kann das Sicherheitsgefühl konkret gestärkt werden? Drei Offenbacher Fachfrauen stellten dazu Praxisbeispiele mit direktem Bezug zum städtischen Kultur- und Nachtleben vor: Den Auftakt machte Pia Barth vom Frauennotruf pro familia Offenbach, die das Beratungsangebot für Frauen bei Vergewaltigung und anderer sexualisierter Gewalt vorstellte. Daran angegliedert ist die Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung, die an den Offenbacher Kliniken verankert ist. Das Angebot ermöglicht Betroffenen eine vertrauliche medizinische Versorgung und psychosoziale Unterstützung, auch ohne Anzeige bei der Polizei. „Gerade für Menschen, die im Nachtleben tätig sind, ist es wichtig, diese Strukturen zu kennen“, erklärte Barth. „Nur wer weiß, wohin sich Betroffene wenden können, kann im Ernstfall richtig reagieren und Unterstützung vermitteln.“

Anschließend stellte Dr. Inga Halwachs, Kommunale Frauen und Gleichstellungsbeauftragte, die neue Kooperation der Stadt Offenbach mit dem Berliner Verein Heimwegtelefon vor. Das Angebot begleitet Menschen telefonisch auf dem Nachhauseweg und stärkt das Sicherheitsgefühl in den Abend- und Nachtstunden, konkret sonntags bis donnerstags von 21 bis 24 Uhr sowie freitags und samstags von 21 bis 3 Uhr. Viele Anrufende sind junge Frauen, die nach dem Ausgehen oder dem Theaterbesuch allein unterwegs sind und sich auf diese Weise sicherer fühlen. „Wenn das Angebot auch bei Clubs und Veranstaltenden bekannt ist, kann es aktiv beworben und weitergetragen werden“, betonte Halwachs.

Zum Abschluss berichtete Antje Hagel vom Fanprojekt Kickers Offenbach über den Prozess zur Entwicklung des Awarenesskonzepts „Flutlicht“ mit geschulten Gruppen, die als Ansprechpartner für Menschen in Not oder bei Konflikten im Stadion unterwegs sind. Nach einem Vorfall mit k.o.-Tropfen im Stadion hatte sie gemeinsam mit ihrem Team und Beteiligung der Fans begonnen, ein Schutz- und Unterstützungssystem für das Stadion zu entwickeln. „Das ist ein echtes Good-Practice-Beispiel aus Offenbach“, sagte Luzia Rott. „Es zeigt, wie eine Struktur sich Schritt für Schritt auf den Weg macht und bietet gute Anknüpfungspunkte für Clubs, Stadtfeste oder Kulturveranstaltungen.“

Was kann die Zivilgesellschaft tun? Gesammelte Beiträge auf einer Wand.

Vernetzen, weiterdenken, Verantwortung teilen

In den anschließenden Arbeitsgruppen diskutierten rund 40 Teilnehmende aus Verwaltung, Kultur, Nachtleben und Zivilgesellschaft unter der Leitfrage: „Wo stehen wir, was brauchen wir und wie kommen wir gemeinsam weiter?“. Ziel war es, das, was es bereits gibt, besser sichtbar zu machen, Bedarfe zu benennen und neue Ideen zu entwickeln, um Offenbachs Nachtleben sicherer und respektvoller zu gestalten. Die Diskussionen machten deutlich: Sicherheit entsteht dort, wo Haltung, Wissen und Kooperation zusammentreffen. Bars, Clubs und Veranstalterinnen und Veranstalter können entscheidend dazu beitragen, dass sich Gäste sicher fühlen, etwa durch Awarenesskonzepte, gut sichtbare Informationsmaterialien oder die Zusammenarbeit mit Hilfsangeboten. Gleichzeitig braucht es eine aktive Rolle der Stadt und der Zivilgesellschaft, um diese Strukturen zu fördern, zu vernetzen und langfristig zu sichern.

„Wir möchten, dass sich alle Gäste bei uns wohlfühlen und unbeschwert Spaß haben“, sagte Birgit von Hellborn, Geschäftsführerin von Capitol und Stadthalle Offenbach. „Das Forum war ein wichtiger Impuls, um das Thema Sicherheit stärker in unsere Veranstaltungsplanung einzubinden.“ Und auch Andrea Weiß vom Kulturzentrum Hafen 2 betonte: „Viele Hilfsangebote sind in der Szene gar nicht bekannt – da müssen wir gemeinsam ansetzen.“ Das findet auch Lilly, Türsteherin in Offenbacher Clubs, und ergänzte aus der Praxis: „Awareness funktioniert nur, wenn Tür- und Awareness-Teams mit derselben Haltung auftreten. Beide müssen klar signalisieren: Wer Grenzen überschreitet, fliegt raus.“

Ausblick: Von der Diskussion zur Umsetzung

Einige der erarbeiteten Ideen sollen in den Kommunalen Aktionsplan für ein Leben ohne Gewalt einfließen, den die Stadt Offenbach im kommenden Jahr veröffentlicht. „Wir freuen uns, dass wir mit dem Dialogforum einen ersten wichtigen Schritt gehen konnten“, resümierte Luzia Rott. „Wir haben Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammengebracht, Interesse geweckt und neue Impulse gesetzt. Jetzt geht es darum, diese Energie mitzunehmen und in konkrete Maßnahmen zu übersetzen, die das Offenbacher Nachtleben sicherer, solidarischer und respektvoller machen.“

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