Mädchen setzen Zeichen gegen sexualisierte Anmache
29.09.2026 – „Mein Körper ist kein Kommentarbereich!“, „Mein Outfit keine Einladung!“ oder „Ist dir deine Anmache nicht selbst peinlich?“. Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit hat das städtische Frauenbüro Mädchen und junge Frauen gefragt, wie sie auf plumpe Annäherungsversuche reagieren. Insgesamt sieben Antworten gibt es jetzt gedruckt auf Stickern, Collegeblöcken und Plakaten. Denn obwohl es sich inzwischen herumgesprochen haben dürfte: Sexistische Kommentare, dumme Sprüche, Pfeif- und Kussgeräusche oder obszöne Gesten sind kein Kompliment, sondern eine verbale sexuelle Belästigung, auch Catcalling genannt, die im schlimmsten Fall zu körperlichen Übergriffen führt.
Dr. Inga Halwachs, kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt OffenbachDer Internationale Mädchentag ist für uns jedes Jahr ein wichtiger Anlass, die Perspektiven von Mädchen in den Mittelpunkt zu stellen
Unabhängig davon, ob das im öffentlichen Raum, am Arbeits- oder Ausbildungsplatz, auf dem Schulhof oder im Klassenzimmer passiert, der Umgang damit bleibt für die Mädchen problematisch, weiß die Sprecherin der AG Lioba Janßen: „Anmache und grenzüberschreitende Kommentare begleiten Mädchen und Frauen in ihrem Alltag und es gibt nicht die eine richtige Reaktion darauf. Ignorieren und weitergehen oder etwas entgegnen?“ „Uns war wichtig, die Mädchen selbst zu Wort kommen zu lassen“, erläutert die kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Offenbach Dr. Inga Halwachs: „Und wir wollen sie stark machen. Die, die locker mit einem Spruch reagieren und jene, die Catcalling zutiefst verunsichert – jetzt haben alle sogar mehrere mögliche Antworten.“
In gemeinsamen Workshops wurden nicht nur die Sprüche ausgewählt, sondern entschieden die Mädchen auch über die gesamte Gestaltung der Sticker, Blöcke und Plakate. In warmen orange-pinken Farbtönen gehalten, prangen in der Mitte die Botschaften der Mädchen an alle, die ihnen mit Kommentaren oder Sprüchen zu nahekommen und ihnen den Raum nehmen. Denn als bedrängend empfundene Situationen können verunsichern und das Sicherheitsgefühl beeinträchtigen. „Dies führt leider oft dazu, dass Mädchen und Frauen Situationen und Orte meiden oder versuchen, ihr Verhalten so zu verändern, dass sie unauffällig und damit unbehelligt bleiben. Aber Mädchen und Frauen tragen nicht die Verantwortung für Catcalling, sie müssen sich nicht rechtfertigen. Sie sind die Betroffenen. Die Aktion der AG Mädchenarbeit zum Internationalen Mädchentag stärkt die Rechte der Mädchen, laut zu sein, sichtbar zu sein und ihre eigenen Grenzen zu setzen“, so die zuständige Stadträtin Helena Wolf.
Sichtbar werden die Botschaften der Mädchen Ende September, dann hängen die Plakate und weisen auch auf den Internationalen Mädchentag am 11. Oktober hin.
Dieser macht weltweit auf Vorurteile und Stereotype, Diskriminierung, Gewalt und ökonomische Ungleichheit aufmerksam und fordert gleiche Rechte, Freiheiten und Möglichkeiten von Mädchen und Jungen ein.
Aktionstag am 11. Oktober
Schon 1999 schlossen sich in Offenbach übrigens Pädagoginnen aus städtischen Institutionen, Trägern und Vereinen zur Arbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit zusammen und setzen sich seitdem jeden Tag für die Rechte und Interessen von Mädchen in der Stadt ein. Sichtbar wird die Arbeit in dem regelmäßig veröffentlichten Mädchenbericht sowie seit 2013 beim Internationalen Mädchentag.
„Der Internationale Mädchentag ist für uns jedes Jahr ein wichtiger Anlass, die Perspektiven von Mädchen in den Mittelpunkt zu stellen“, erklärt Halwachs.
Mit den kreativen Materialien soll das Thema auch über den Tag hinaussichtbar werden und auch Gespräche anregen: in Schulen, Jugendgruppen, Familien und im öffentlichen Raum. „Wir wünschen uns, dass die Botschaften der Mädchen ankommen und manche Absender über ihr Handeln nachdenken. Sexismus hat viele Gesichter, aber keines davon verträgt sich mit Gleichberechtigung. Die Mädchen haben das verstanden und es ist an der Zeit, dass alle anderen von ihnen lernen.“